16. April 1996 - Anbauverbot für Cannabis aufgehoben

Hanfpflanze (Cannabis sativa)

16. April 1996 - Anbauverbot für Cannabis aufgehoben

Cannabis ist eine der vielseitigsten und ältesten Kulturpflanzen. Aus den Blättern und Blüten kann Medizin gewonnen werden. Aus den Samen lassen sich Lebensmittel, Brennstoffe und Farben herstellen. Aus den Fasern können Seile, Segel, Textilien, Papier sowie Dämm- und Heizmaterial gemacht werden. Die Chinesen nutzen den nachwachsenden Rohstoff schon seit mehr als 10.000 Jahren. Sie sind heute die größten Produzenten und Verarbeiter. Im 17. und 18. Jahrhundert ist Hanf der wichtigste Rohstoff auf dem Weltmarkt.

Mit der Industrialisierung wird der Hanf verdrängt - zunächst durch Baumwolle, Jute und Sisal. Darauf folgen die Produkte der Chemie-, Erdöl- und Holzindustrie. In den 1930er Jahren wird Hanf schließlich in den USA als "Teufelskraut" und "Mörder der Jugend" stigmatisiert. "Dementsprechend hat die Kriminalisierung Hanf von den Äckern verdrängt und auch Hanf als Rohstoff, als Nutzpflanze aus dem Alltag verschwinden lassen", sagt Rolf Ebbinghaus vom Berliner Hanfmuseum.

Nutzhanf hat keine berauschende Wirkung

Im Zweiten Weltkrieg wird der Hanf-Anbau noch einmal propagiert - in den USA genauso wie im Deutschen Reich. Er gilt als unverzichtbarer Rohstoff für die Kriegswirtschaft. Doch es war nur ein kurzes Comeback. In Friedenszeiten bleibt Cannabis tabu. In der Bundesrepublik Deutschland wird 1982 sogar der Anbau von Faserhanf verboten, der keinerlei berauschende Wirkung hat. Denn der Anteil an Tetrahydrocannabinol (THC), ist in Nutzhanf-Sorten verschwindend gering.

Ein paar Jahre später verordnet die EU, die THC-armen Sorten wieder zuzulassen und subventioniert sogar ihren Anbau. Deutsche Bauern und Unternehmer erhöhen den Druck auf die Politik, bis das Betäubungsmittelgesetz vom Bundestag wieder geändert wird. So wird der Anbau von Nutzhanf ab dem 16. April 1996 wieder legal. Der unerlaubte Anbau von Marihuana bleibt weiterhin strafbar.

150 Hanfbauern in der Bundesrepublik

In der Debatte des Bundestages hatte der Abgeordnete Siegfried Hornung (CDU) darauf verwiesen, dass es mit der Freigabe den deutschen Landwirten eine neue Nutzungspalette eröffnet werde, die in anderen EU-Ländern bereits bestehe. Heidi Wright (SPD) hatte der Bundesregierung vorgeworfen, sie habe die Freigabe zu lange hinausgezögert. Der deutschen Landwirtschaft seien damit jahrelang die Förderbeiträge der EU entgangen. Diese müssen nun den Anbau von Nutzhanf mit Angaben der Sorte und der Aussaatfläche der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung anzeigen.

Hanf wächst in 100 Tagen bis zu vier Meter hoch. An Boden und Klima stellt er kaum Ansprüche. Unkraut und Schädlinge können ihm kaum etwas anhaben. "Nach der Euphorie in den Neunzigern, wo ganz viele Landwirte Hanfanbau beantragt und auch umgesetzt haben, kam das Problem, dass weder Ernte- noch Verarbeitungstechnik so weit war, die Ernten nutzbar zu machen", sagt Rolf Ebbinghaus vom Berliner Hanfmuseum. Von rund 570 Hanf-Bauern sind heute noch etwa 150 übrig. Dennoch: In Baden und der Uckermark sind regionale Verarbeitungszentren entstanden, die Technik ist weiterentwickelt worden und die Nachfrage nach Hanf wächst.

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Stand: 16.04.2016, 00:00