Friedrich Hornemann

Stichtag

15. September 1772 – Geburtstag von Friedrich Hornemann

Stand: 15.09.2012, 00:00 Uhr

Was aus Friedrich Hornemann geworden ist, weiß niemand. "Er ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ermordet worden", sagt der Ethnologe Professor Frank Bliss von der Universität Hamburg. Gerade weil Hornemann nie aus Afrika zurückkehrt, gilt er als einer der berühmtesten Forschungsreisenden. Geblieben sind seine Aufzeichnungen, "Friedrich Hornemanns Tagebuch seiner Reise von Cairo nach Murzuck". Erstmals gedruckt wird es 1802; Hornemann ist bereits verschwunden.

Im Auftrag der African Association

Geboren wird Friedrich Hornemann in Hildesheim, wahrscheinlich am 15. September 1772. Schon als kleiner Junge soll er von fernen Ländern geträumt haben, berichtet ein Mitschüler. Als junger Lehrer in Hannover bewirbt er sich erfolgreich bei der African Association, einem elitären Zirkel, gegründet 1788 in London. Die Gesellschaft will die Entdeckung der inneren Gebiete Afrikas fördern und entsendet in diesem Auftrag Forschungsreisende. Im Oktober 1797 trifft Hornemann nach langer Reise endlich in Kairo ein. "Der Plan, den ich mir vorgezeichnet habe, ist sehr einfach: Ich werde als Mahometanischer (sic!) Karawanen-Kaufmann reisen", schreibt er, ein kräftig gebauter, sommersprossiger Mann, der sich als Muslim - als "Mohammedaner" - ausgeben will.

"Abgemattete" Tiere und Wasser in Schläuchen

In seiner Verkleidung schließt sich Hornemann 1798 einer Karawane an, die von Ost nach West die Sahara durchqueren will. Hornemann beschreibt die Anstrengungen der Reise: "Menschen und Thiere waren so sehr abgemattet... ." Er erzählt von den Gegenständen des Alltags: "Das Wasser wird in ledernen Schläuchen aufbewahrt, die man aus unaufgeschnittenen Ziegenhäuten verfertiget." Und er stellt Beobachtungen zur Topographie an: "Im Norden der Wüste gibt es eine Kette von niedrigen, völlig kahlen Kalkgebirgen... ."

In Siwa wird der falsche Mohammedaner erkannt

Die Karawane erreicht die Oase Siwa. Dort wird der seltsame Mohammedaner bezichtigt, ein christlicher Spion zu sein und soll hingerichtet werden. "Hornemann ist also erkannt worden und hat mit einem ziemlich sicheren Auftreten die Menschen verbal angegriffen", so der Ethnologe Bliss. Hornemann beschreibt die Szene in seinem Tagebuch so: "Ich wendete mich an einen der vornehmsten Männer: Weißt Du nicht, dass es eine große Sünde ist, einem Rechtgläubigen zu sagen, er sey ein Heide?" Nach rund zweieinhalb Monaten erreicht die Karawane ihren Zielort Murzuck, Oase und wichtiger Handelsort im heutigen Libyen auf der Transsahara-Route. Von dort reist Hornemann nach Tripolis und schickt seine handschriftlichen Aufzeichnungen nach London. Wenig später werden sie gedruckt. Das Büchlein ist kurze Zeit sehr beliebt, gerät aber bald in Vergessenheit.

Ein letzter Brief an die Mutter

"Wenige Jahre später gibt es durchaus dichtere, sehr viel interessantere Beschreibungen von Reisenden, die mehr Details über Land und Leute geliefert haben als Hornemann", erklärt Professor Frank Bliss. 1800 schließt sich Friedrich Hornemann einer weiteren Karawane an, die südwärts zieht. "Ich bin der erste Europäische Reisende, der eine so weite Reise in diesem Theile der Erde unternimmt", schreibt er. Seiner Mutter schickt er einen Brief, sein letztes Lebenszeichen: "6. April 1800. Ich bin jetzt völlig Africaner und hier wie zu Hause. Doch kehre ich zurück!" Ein arabischer Kaufmann will ihn noch einmal in Kashna gesehen haben, ein Ort, von dem man nicht weiß, wo er liegt. Ein anderer Afrika-Reisender berichtet, ein Augenzeuge habe ihm vom Tod Hornemanns berichtet. Demnach soll er bereits 1801 im Alter von 28 Jahren im Reich Nupe im heutigen Nigeria an einer Krankheit verstorben sein, vermutlich an der Ruhr, an Malaria oder Gelbfieber. 1801 gilt deshalb als Hornemanns Todesjahr. Aber was wirklich aus ihm geworden ist, weiß niemand.

Stand: 15.09.2012

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