Portrait: Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein

Stichtag

14. Mai 1840 - Todestag Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein

Als Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein während der Tilsiter Friedensverhandlungen zwischen Frankreich, Russland und Preußen Napoleon Bonaparte trifft, ist der Beamte zutiefst beeindruckt: Er nennt den französischen Eroberer, der zuvor Preußen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 vernichtend geschlagen hat, ein "Werkzeug der Vorsehung, die Menschheit und ihr Fortschreiten in der Kultur zu befördern". Die Begegnung mit Napoleon bestärkt Altenstein, dass Reformen in seiner preußischen Heimat notwendig sind. Es gibt kein Zurück in die Zeit vor der Französischen Revolution, der Staat soll bürgerliche Freiheit und rechtliche Gleichheit gewähren.

Zusammen mit seinem Mentor Karl August von Hardenberg verfasst Altenstein 1807 die "Rigaer Denkschrift", in der er unter anderem die Abschaffung aller Vorrechte des Adels sowie die Aufhebung der Leibeigenschaft und Zünfte fordert. Ziel sei die Veredelung der Menschheit durch Weisheit der Regierung und nicht durch gewaltsamen Druck von innen oder außen. Beeinflusst durch den Philosophen Johann Gottlieb Fichte, ist Altenberg durchdrungen von den Ideen des Idealismus und fest entschlossen, als Staatsdiener zum Wohl der Gesellschaft beizutragen - was ihm erst in späteren Jahren gelingen soll.

Schlau, aber verarmt

Geboren wird Altenstein am 1. Oktober 1770 in der Nähe von Ansbach. Seine Familie gehört zwar zum alten Adel, ist aber verarmt. Der Vater stirbt früh, doch Altenstein fällt als cleverer Junge auf. So sichern ihm Stipendien die Schulausbildung und das Studium in Erlangen und Göttingen. Die Erfahrung mittellos zu sein, prägt ihn nachhaltig - ebenso wie die mahnenden Worte seines Gymnasiallehrers, er solle "größere Gesichtspunkte suchen, vorurteilsfrei denken, Menschenkenntnis nicht vernachlässigen und für das Wahre, Gute erglühen." Altenstein gilt als besonnen und bedacht im Gegensatz zu seinem Namensvetter und Konkurrenten Karl Freiherr vom und zum Stein, dem Selbstherrlichkeit und Schroffheit vorgeworfen werden.

Bereits mit Anfang 20 beginnt Altensteins Karriere, zunächst als preußischer Referendar in seiner Heimat Ansbach unter der Leitung von Hardenbergs. Als dieser zurück nach Berlin berufen wird, folgt ihm der mittlerweile 28-Jährige. Der Jurist steigt in den kommenden Jahren bis zum preußischen Finanzminister auf und unterstützt Wilhelm von Humboldt bei der Gründung der Universität Berlin.

Erster Kultusminister Preußens

Im Machtgerangel um die Spitzenpositionen im preußischen Staat kann sich Altenstein allerdings nicht durchsetzen. Er fällt beim König in Ungnade, als er Schlesien den Franzosen überlassen will und muss schließlich 1810 als Finanzminister abdanken. Seine Weggefährten und Konkurrenten Hardenberg und Freiherr vom und zum Stein gehen als die großen preußischen Reformer in die Geschichte ein, Altenbergs Einfluss schwindet. Nach dem Sturz Napoleons gelingt jedoch sein politisches Comeback. Der Beamte holt aus Paris die geraubten Kunstschätze zurück: die Quadriga des Brandenburger Tores sowie Dreispitz und Degen von Friedrich dem Großen. Daraufhin wird Altenstein 1817 zum preußischen Kultusminister ernannt.

Sein erstes großes Projekt ist die Gründung der Universität Bonn als Strukturförderung für das Rheinland. Altenstein sorgt dafür, dass mit den Schriftstellern Ernst Moritz Arndt und August Wilhelm Schlegel sowie dem Botaniker Nees von Esenbeck bekannte Professoren nach Bonn kommen. Der Kultusminister belebt auch die Düsseldorfer Kunstakademie und holt Peter von Cornelius und Wilhelm von Schadow an den Rhein, wo sie die Düsseldorfer Malerschule und damit die internationale Reputation der Kunstakademie begründen. 

Bildung für alle Kinder

Und schließlich greift der Kultusminister nachhaltig in das Schulwesen ein: "Die Kinder armer Leute besuchen in den meisten Fällen die Schule überhaupt nicht", beklagt Altenstein. Durchdrungen von der Idee, dass Bildung der Schlüssel zum Wohl von Staat und Gesellschaft ist, initiiert Altenstein Kinderschutzgesetze, um die Schulpflicht einzuführen.

Zwar erreicht Altenstein kein vollständiges Arbeitsverbot für Kinder, aber er setzt durch, dass Kinder erst nach dem vollendeten neunten Lebensjahr eine regelmäßige Beschäftigung nachgehen dürfen und zuvor drei Jahre die Schule besucht haben müssen. Altensteins eigener Sohn stirbt wie seine Frau an Schwindsucht und wird keine 30 Jahre alt. Bis zu seinem Tod am 14. Mai 1840 - 23 Jahre lang - bleibt Altenstein preußischer Kultusminister.

Stand: 14.05.2015

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