24. Januar 1935 – Dosenbier kommt auf den Markt

mehrere Getränkedosen von oben

Stichtag

24. Januar 1935 – Dosenbier kommt auf den Markt

Im extrem heißen Sommer 1932 sitzt George Newman, technischer Leiter der Brauerei "Krueger Brewing Company", auf dem Trockenen. Noch herrscht Prohibition im Land: Der Verkauf von Alkohol ist illegal. Aber die US-Regierung hat angekündigt, das Verbot aufzuheben. Nun muss sich Newman darüber Gedanken machen, wie er das Land flächendeckend mit Bier versorgen kann.

Fässer, das ist Newman klar, lassen sich in seinen Trucks nicht richtig stapeln. Bierflaschen sind für einen ökonomischen Transport zu schwer. Da erinnert sich der findige Geschäftsmann an das Angebot der "American Can Company", Getränke in Dosen zu verpacken. Er bestellt 2.000 Exemplare mit spezieller Innenbeschichtung und lässt sie bis zum Rand mit 3,2-prozentigem "Krueger Cream Ale" befüllen.

Drohender Genussverlust

Am 24. Januar 1935 kommt das Dosenbier in den USA auf den Markt. Es wird ein Riesenerfolg – und das, obwohl zum Öffnen Spezialwerkzeug nötig ist und der durch Erhitzen auf 70 Grad haltbar gemachte Gerstensaft durch gelöste Metallteilchen aus der Weißblechdose seinen Geschmack verändert. Schon bald werden auch andere amerikanische Biersorten aus der Konserve angeboten. Dafür, dass das Dosenbier sich durchsetzt, sorgen vor allem auch die großen Handelsketten, die sich mit dem logistischen Aufwand für Bierflaschen nicht belasten wollen.

In Deutschland wird 1951 erstmals "Henninger Export" aus Frankfurt am Main in Dosen angeboten. Abgefüllt wird es von der niedersächsischen Verpackungsfirma Schmalbach-Lubeca, die 1963 auch den Ring-Pull-Verschluss für Getränkedosen einführt. Da sind viele deutsche Brauereien allerdings schon dazu übergegangen, ihr Dosenbier in eigenen Verpackungsanlagen abzufüllen.

Liebe und Anarchie

Generell ist die Dose für Flüssiges über Jahrzehnte ein Renner: 1970 werden rund 12 Prozent aller Getränke in Weißblech abgepackt; 20 Jahre später sind es schon 40 Prozent. Für den Verbraucher ist das finanziell ein Gewinn – und dies, obwohl die Dose die Brauereien mit rund 12 Cent Herstellungskosten teurer als die Flasche kommt. Aus ökologischer Sicht ist Bier aus der Dose ohnehin ein Desaster: Obwohl wiederverwertbar, landet ein Großteil als Einwegverpackung auf dem Müll – und belastet die Umwelt im Vergleich zur Flasche damit um das 50-fache.

Damit ist 2003 Schluss, als die Bundesregierung das Dosenpfand einführt. Der Rückgabeaufwand ist Handel und Verbrauchern zu groß, der Markt bricht ein. Einige Nostalgiker bedauern die Entwicklung. Darunter ist Jürgen Kron, Autor des "Dosenbier-Buchs" (1998), das so schöne Kapitel wie "Kühlung und Tarnung - das Dosenbier am Arbeitsplatz" enthält. Für Kron stehen Alkohol und Verpackung in ursächlichem Zusammenhang mit Liebe und Anarchie: "Bei mir war das beispielsweise so, dass ich meine erste Freundin erst küssen durfte, als ich aus einem fahrenden Auto ein Ortsschild mit einer Bierdose getroffen hab'."

Stand: 24.01.2015

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