18. Januar 1985 - Erstmals Smogalarm-Stufe 3 im Ruhrgebiet

Ein Schild auf einer Autobahn in Essen warnt vor Smog (Aufnahme vom 18.01.1985)

Stichtag

18. Januar 1985 - Erstmals Smogalarm-Stufe 3 im Ruhrgebiet

Freitagnachmittag, 18. Januar 1985: In großen Teilen des Ruhrgebiets darf kein Auto fahren, Industriebetriebe müssen ihre Produktion einschränken, der Schulunterricht fällt vorläufig aus. NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Friedhelm Farthmann (SPD) hat Smogalarm der Stufe drei ausgelöst - zum ersten Mal in der bundesdeutschen Geschichte. Die Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid und Schwebstaub hat an einigen Messstellen den Grenzwert von 1,7 Milligramm pro Kubikmeter überschritten.

Die höchste Alarmstufe gilt für das westliche Ruhrgebiet. Dazu gehören die Städte Bottrop, Duisburg, Essen, Krefeld, Mülheim an der Ruhr sowie Teile des Kreises Wesel. Für das östliche Ruhrgebiet mit den Städten Dortmund, Bochum, Hagen und Gelsenkirchen gilt weiterhin die Alarmstufe zwei, die am Freitagmorgen ausgerufen worden ist. Dort besteht kein Fahrverbot, sondern nur zeitliche Einschränkungen.

Wie unter einer Glasglocke

Die Ursache für den Smog - eine Wortkombination aus den englischen Wörtern "smoke" ("Rauch") und "fog" ("Nebel") - ist eine sogenannte Inversionswetterlage. Eine Warmluftschicht hat sich über kalte Januarluft am Boden geschoben und blockiert den Luftaustausch. So sammeln sich die Emissionen wie unter einer Glasglocke.

Autos verstärken die Smoglage, indem sie Abgase und Staub in die Luft blasen. Doch die größten Luftverschmutzer sind damals Kraftwerke und industrielle Betriebe, die über ihre Schornsteine ungefiltert Schwefeldioxid freisetzen. Nur genügend Wind kann die Situation entschärfen, doch der lässt auf sich warten. Erst am 20. Januar, fünf Tage nach den ersten Warnmeldungen am 16. Januar, sind die Messwerte so weit gefallen, dass der Smogalarm aufgehoben werden kann.

Fortschrittliche Smogverordnung

Das Problem ist allerdings nicht nur hausgemacht. "Unser Wintersmog war auch zu einem ganz erheblichen Anteil damals immer mit Emissionen aus Ostdeutschland verbunden, weil das meistens bei Wetterlagen auftrat, die mit Ostwind verbunden waren", sagt Ulrich Quass, Umweltchemiker am Institut für Energie- und Umwelttechnik in Duisburg.

Dass ausgerechnet das Ruhrgebiet mit dem Smogalarm bundesweit Schlagzeilen macht, liegt paradoxerweise auch an einer verhältnismäßig fortschrittlichen Umweltpolitik. NRW hat nämlich als erstes Land eine neue Bundesvorgabe umgesetzt und eine strengere Smogverordnung beschlossen. "Smog gab es 1985 von Hamburg bis Hessen, selbst in der Lüneburger Heide wurden Konzentrationen gemessen, die für Alarmstufe zwei ausgereicht hätten", so der Umwelthistoriker Frank Uekötter. "Nur existierten dort noch keine juristisch verbindlichen Smog-Verordnungen."

Stand: 18.01.2015

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