3. März 321 - Konstantin erklärt Sonntag zum Ruhetag

3. März 321 - Konstantin erklärt Sonntag zum Ruhetag

Das astronomische Erdenjahr beschreibt die Zeit, in der unser Planet einmal um die Sonne kreist. Der Monat reflektiert den Zyklus, den der Mond für seinen Umlauf um die Erde braucht. Für die Siebentagewoche aber gibt es keinen naturwissenschaftlichen Grund. "Wochen sind rein kulturelle Einheiten", sagt der Hilfswissenschaftler Gerhard Lubich von der Ruhr-Universität Bochum. "Man kann die Wochen nach der Sonne oder nach dem Mond ausrichten, oder beide Systeme mischen."

Die Ägypter mischen, und erfinden die Zehntagewoche. Die Römer verkürzen auf das sogenannte Nundinum, was zwar "neuntägig" bedeutet, das aber, da ein Tag wie in der antiken Zeitzählung üblich doppelt gezählt wird, nur acht Tage dauert. Bei den Juden ist die Siebentagewoche schon Usus. Und während im antiken Rom die Feiertage dafür sorgen, dass Bürger ihre Ruhe haben, dürfen Juden sich zur selben Zeit schon über einen freien Tag der Woche freuen.

Ruhe selbst für Sklaven

Für die wöchentliche Freizeit argumentiert das Judentum mit der Schöpfungsgeschichte: Gott ruhte am siebten Tage, und so sollen es auch die Menschen halten. "Gedenke des Sabbats. Halte ihn heilig", heißt es im Buch Exodus. Und weiter: "Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag aber ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott gewidmet. An ihm darfst du keine Arbeit tun. Du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin." Der Sabbat beginnt nach Sonnenuntergang am Freitagabend und endet mit Sonnenuntergang am Samstag.

Den freien Sonntag führen die Christen ein. Sie rechnen nicht nach dem alten, sondern nach dem neuen Testament, mit der Auferstehung Christi nach dessen Kreuzigung: "Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen" steht dort geschrieben. Aber das Grab ist leer. Ein Engel verkündet den Frauen die frohe Botschaft. So wird der Tag nach dem Sabbat, der Sonntag, zum freien Fest- und Freudentag.

"Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung

Im Zeichen der Erlösung aller beginnt das Christentum als Religion der ärmeren Bevölkerungsschichten im Römischen Reich seinen Siegeszug. Gerade die breite Masse folgt den jenseitigen Heilsversprechungen seiner Jüngern und Prediger nach. Da sich die Christen aber weigern, andere Götter zu akzeptieren, werden sie bis ins frühe vierte Jahrhundert hinein blutig verfolgt. Erst 311 entscheidet sich Kaiser Galerius kurz vor seinem Tod zu einem Toleranzedikt, das einer Anerkennung als Religionsgemeinschaft gleichkommt.

Ein Jahr später streiten Konstantin und Maxentius um die Herrschaft im westlichen Imperium. Will man der Legende glauben, dann erscheint Konstantin vor seiner siegreichen Schlacht gegen den Kontrahenten im Traum ein Christus-Symbol und eine Stimme, die verkündet, dass er unter diesem Zeichen siegen werde. Wahr ist auf jeden Fall, dass Konstantin der Große als Kaiser die Religion fördert. Am 3. März 321 befiehlt er in einem für das Christentum und seinen Wochenrhythmus wichtigen Edikt, dass "am Tag der Sonne alle Richter, ebenso das Volk in den Städten, sowie die Ausübung der Künste und Handwerke ruhen" sollen.

Allerdings bleibt selbst im tief religiösen Mittelalter Sonntagsarbeit trotz verpflichtender Messe für Christen eher die Regel. Erst in der frühen Neuzeit wird völlige Sonntagsruhe verordnet. In der Weimarer Verfassung ist der Sonntag als "Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung" in der Verfassung verankert. Und so steht es auch noch im deutschen Grundgesetz.

Stand: 03.03.2016

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Stand: 03.03.2016, 00:00