28. Mai 1890 - Gründung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft

Zoologe Rudolf Leuckart, 1. Präsident der DZG

Stichtag

28. Mai 1890 - Gründung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft

Der Zoologe und Reise-Autor Alfred Brehm schreibt um 1860 die ersten Bände der bis heute bekanntesten Enzyklopädie des Tierreichs. Durch "Brehms Tierleben" erhalten die Bürger im Kaiserreich erstmals einen fundierten Einblick in die schier unendliche Vielfalt der Fauna unserer Erde – weit hinaus über die wenigen Exoten, die damals in Tierparks zu bestaunen sind.

An den Universitäten haben die Zoologen jener Zeit alle Hände voll zu tun, die zahlreichen neu entdeckten Arten wissenschaftlich korrekt zu erfassen. Im Zentrum stehen dabei Anatomie, Systematik und Taxonomie, also das Erkennen von Abstammungen und die Schaffung von Tierklassen und Unterklassen.

Von der Fachorganisation zur Interessenvertretung

Sechs Jahre nach Alfred Brehms Tod entsteht eine Fachgesellschaft, die alle Zoologen über den neuesten Forschungstand informieren und deren Arbeit koordinieren soll. Am 28. Mai 1890 gründen Tierkundler der unterschiedlichsten Disziplinen in Frankfurt am Main die Deutsche Zoologische Gesellschaft (DZG), eine der ältesten Institutionen ihrer Art weltweit. Zum ersten Präsidenten wird Rudolf Leuckart, der Begründer der Parasitologie, gewählt. Die Organisation bietet erstmals ein Forum zur Publikation von Forschungsergebnissen und entwickelt sich zur Fach- und Interessenvertretung aller deutschsprachigen Zoologen.

Die derzeitige Präsidentin Susanne Dobler unterstreicht vor allem die politische Arbeit der Experten-Lobby für eine sinnvolle Gesetzgebung zum Tierschutz. Die DZG achte aber auch darauf, dass der Gesetzgeber wissenschaftliche Forschung nicht zu stark behindere oder gar unmöglich mache. "Tiere, die heute bei Experimenten zum Einsatz kommen, werden extrem gut überwacht und es wird sorgfältig darauf geachtet, dass ihnen nicht unnötig Schmerzen zugefügt werden", betont die DZG-Präsidentin. "Das hat sich in den vergangenen 100 Jahren stark gewandelt.“

Schlechte Aussichten für den Artenschutz

Untersuchten Zoologen zu Rudolf Leuckarts Zeiten noch unter dem Mikroskop das tierische Innenleben und den Kosmos der Kleinstlebewesen, machen sich Forscher im 20. Jahrhundert an die Entschlüsselung des Genoms von Tieren. Sie entdecken die enge Verwandtschaft physiologischer Prozesse von Schweinen, Mäusen und Ratten mit denen des Menschen, was diese Arten in Laboren zu unverzichtbaren Versuchsobjekten macht. "Die gesamte Krebsforschung wäre aber ohne Tierexperimente überhaupt nicht denkbar", erklärt DZG-Präsidentin Dobler.

Zu den Kernthemen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft gehört seit je her der Artenschutz. Bereits 1908 schlägt die DZG beim Reichskolonialamt Alarm: "Mit zunehmender Besiedelung und Bereisung der deutsch-afrikanischen Schutzgebiete wird die Gefahr immer größer, dass die charakteristischen großen Säugetiere (…) ausgerottet werden." Die von der DZG beantragte Einrichtung eines Wildreservats in Kamerun wird allerdings vom Kaiserlichen Gouverneur abgeschmettert: Zu teuer für das Reich. Ein Jahrhundert später räumt Susanne Dobler dem Artenschutz kaum bessere Chancen ein. Seit langem bemühe man sich etwa, zumindest einzelne Habitate unter Schutz zu stellen, um die dort lebenden Tiere und Pflanzen vor der Ausrottung zu bewahren. Doblers Fazit: "Ich bin sehr pessimistisch, ob wir das schaffen werden."

Stand: 28.05.2015

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