Sauerlands Vertreter hofft auf mehr Einigkeit

Wahlleiter Peter Greulich

Duisburgs Interims-OB im Interview

Sauerlands Vertreter hofft auf mehr Einigkeit

Nach der Abwahl von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) übernimmt Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne) ab Donnerstag (16.02.2012) die Amtsgeschäfte. Der Interims-OB will das Gespräch mit den Parteien und den Bürgern suchen und hofft auf eine Beilegung der Konflikte.

WDR.de: Herr Greulich, in der Nacht zu Donnerstag (16.02.2012) scheidet Adolf Sauerland offiziell aus dem Amt aus und übergibt seine Aufgaben an Sie. Was ist ihre erste Amtshandlung?

Peter Greulich: Das dürfen Sie sich nicht als feierliche Zeremonie vorstellen, es ist auch keine Inthronisierung. Ich habe den Oberbürgermeister in meiner Funktion als Duisburger Hauptverwaltungsbeamter schon in der Vergangenheit vertreten, wenn er verhindert war. Diesmal dauert diese Phase eben etwas länger - rund vier Monate. Der Donnerstag wird für mich ein ganz normaler Arbeitstag, an dem ich mich mit einigen großen Bauprojekten der Stadt beschäftigen werde: zum Beispiel mit den Planungen für ein großes Outlet-Center.

WDR.de: Der Streit um Sauerland hat in den vergangenen Monaten das politische Leben der Stadt gelähmt. Erwarten Sie ab sofort eine bessere Kooperation von Stadtverwaltung und Stadtrat?

Greulich: Der Eindruck ist nicht ganz richtig. In sehr wichtigen Sachfragen hat es auch in jüngster Vergangenheit fraktionsübergreifende Mehrheiten gegeben. Das Outlet-Center ist dafür ein gutes Beispiel. Aber natürlich müssen wir uns ab jetzt verstärkt um eine gute Kommunikation mit den Fraktionsvorsitzenden bemühen. Und natürlich mit den Bürgervertretern in Kontakt kommen. Dafür will ich mich auch persönlich einsetzen.

WDR.de: Wollen Sie in dieser Übergangszeit eigene Schwerpunkte setzen? Eventuell sogar grüne Akzente?

Greulich: Ich denke, für eigene Schwerpunkte ist der Zeitraum einfach zu kurz. Das ist auch nicht unbedingt die Aufgabe eines Vertreters. Die Betreuung der laufenden Projekte wird wohl im Mittelpunkt stehen. Und was "grüne Akzente" betrifft: Als Umweltdezernent habe ich mich schon immer für Umwelt- und Ressourcenschutz eingesetzt. Daran wird sich nichts ändern.

WDR.de: Sie haben direkt nach der Abwahl des OB's die Hoffnung geäußert, dass die Konflikte in der Stadtpolitik nun beigelegt werden können. Ist der kommende Wahlkampf wirklich dafür eine gute Zeit?

Greulich: Ich bin da zuversichtlich. Vorraussetzung ist natürlich, dass die Parteien und die Bürgervertreter sich wirklich gemeinsam auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten machen: Die Parteizugehörigkeit sollte dabei nicht ausschlaggebend sein. Gesucht wird eine integrierende Persönlichkeit mit fachlicher Kompetenz.

WDR.de: Was kann der neue OB von seinem Amtsvorgänger lernen? Und was besser nicht?

Greulich: Adolf Sauerland hinterlässt in Duisburg eine neu aufgestellte, erstarkte Innenstadt und allgemein eine höhere Wirtschaftsleistung als vor seinem Amtsantritt. In Fragen der Stadtentwicklung könnte sich ein Nachfolger durchaus an seiner Arbeit orientieren. Auch seine Offenheit und Bürgernähe sind ein gutes Vorbild. In der Ausnahmezeit nach der Loveparade-Katastrophe haben ihm die richtigen Wörter und Gesten gefehlt, auf die seine Stadt dringend gewartet hat - auch in den Monaten danach. Auch das sollte immer in Erinnerung bleiben.

WDR.de: Sie standen Adolf Sauerland nahe. Hat Sie die Abwahl und das eindeutige Votum der Wähler auch persönlich betroffen gemacht?

Greulich: Natürlich. Sauerland hat im Rathaus für ein angenehmes Arbeitsklima gesorgt und wir beide hatten stets ein freundschaftlich-kollegiales Verhältnis. Das fühlt sich anders an, als wenn irgendein Vorgesetzter gehen muss. Aber jetzt muss die Arbeit im Rathaus weitergehen. Es gibt schließlich genug zu tun.

Das Interview führte Andreas Poulakos.

Stand: 14.02.2012, 12:15