20 Jahre Google - ein Algorithmus verändert die Welt

20 Jahre Google - ein Algorithmus verändert die Welt

Es fing mit 100.000 Dollar in einer Garage an, und nur wegen eines Rechtschreibfehlers heißt das Unternehmen überhaupt Google. Die berühmteste und erfolgreichste Suchmaschine, gegründet und entwickelt von Sergey Brin und Larry Page, wird am 4. September 20 Jahre alt.

Google-Doodles zu bestimmten Anlässen

Zu besonderen Anlässen Google-Doodles – viel mehr hat sich an der Aufmachung der Suchmaschine nicht verändert. "Ich google das mal": Googlen – das Internet befragen, durchsuchen – hat es längst in den alltäglichen Sprachgebrauch und seit 2004 auch in den Duden geschafft. Aus der Idee mit dem cleveren, komplexen Algorithmus ist ein Milliardengeschäft geworden, das die Welt verändert hat.

Zu besonderen Anlässen Google-Doodles – viel mehr hat sich an der Aufmachung der Suchmaschine nicht verändert. "Ich google das mal": Googlen – das Internet befragen, durchsuchen – hat es längst in den alltäglichen Sprachgebrauch und seit 2004 auch in den Duden geschafft. Aus der Idee mit dem cleveren, komplexen Algorithmus ist ein Milliardengeschäft geworden, das die Welt verändert hat.

Der 4. September 1998 gilt als offizielles Gründungsdatum des Unternehmens Google Inc. Zum 20. Geburtstag gibt es Feldkunst: In Italien hat ein Künstler den Google-Schriftzug in ein abgeerntetes Weizenfeld eingearbeitet.

Sergey Brin und Larry Page, seinerzeit Studenten an der Stanford-University im Silicion Valley und gerade einmal 25 Jahre alt, sind die Gründer. Sie wollten die Welt besser machen, Wissen für alle in Sekundenschnelle auffindbar machen. Und irgendwann auch so viel Geld wie möglich damit verdienen. Was ihnen gelungen ist. Ihr Vermögen wird laut Forbes-Liste auf je knapp 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Mit 100.000 Dollar fing es damals an. Der deutsche Informatiker und Unternehmer Andreas von Bechtolsheim hat in die Gründungsidee investiert. Dabei hat es eine Weile gedauert, überhaupt überzeugte Investoren zu finden. Antworten auf Suchanfragen zu geben, das Internet zu ordnen – und zwar nach Popularität: An dieser Page-Rank-Technologie zeigten andere Konzerne kein großes Interesse. Das Google-Prinzip: Die Relevanz von Webseiten zeigt sich darin, wie oft auf sie verlinkt wird.

Nur ein Jahr nach der Gründung war Google bereits die größte Suchmaschine. "Natürlich haben alle gesagt, ihr könnt sofort Milliarden verdienen, wenn ihr Anzeigen auf die Seite stellt", erzählt der Journalist und Autor des Buches: "Was Google wirklich will", Thomas Schulz. "Aber das haben sie nicht gemacht. Google war die einzige Seite, die einfach komplett weiß war, mit der Suchzeile und dem Firmenlogo. Das war damals völlig revolutionär."

Was war eigentlich noch mal vor Google? "Man recherchierte in Textarchiven, rief irgendwo an und bekam zwei Tage später ein 20 Meter langes Fax mit den Quellen geschickt", erinnert sich Google-Pressesprecher Ralf Bremer, der zuvor Journalist bei n-tv war. Es gab zwar schon vor Google diverse Suchmaschinen wie beispielsweise Yahoo, aber die Suchfunktionen sorgten mehr für Chaos, als dass sie nutzerfreundlich waren. Sie spülten Seiten, in denen der Suchbegriff irgendwie auftauchte, in völlig beliebiger Reihenfolge aus. Es ging nicht darum, dass die Nutzer schnell zum Ergebnis gelangen.

Der Name Google ist angelehnt an den mathematischen Begriff "Googol" – einer Zahl mit 100 Nullen. Hätte es eine Rechtschreibkorrektur gegeben, würde Google heute Googol heißen. Die Schreibweise war ein Versehen. So hat es Sergey Brin in einem Interview erzählt.

Es passt einfach wunderbar in die Gründungsgeschichte, wie bescheiden alles anfing: nämlich in einer Garage. Die wurde den jungen Studenten Brin und Page von der heutigen Youtube-Chefin Susan Wojcicki vermietet. Und stand bis unters Dach voll mit Servern und Computern. Dort haben sie Google weiterentwickelt.

Die Werbung, durch die Google zur Geldmaschine wurde, folgte nur wenige Jahre später. Es war die zweite bahnbrechende Idee: die Suchanfragen mit zielgenauer Werbung zu verknüpfen. Werbeanzeigen erscheinen zu dem, wonach der Nutzer gerade sucht und an dem er offensichtlich Interesse hat. Der Kunde muss nur bezahlen, wenn die entsprechende Anzeige auch geklickt wird. Eine Goldgrube, die den Weg für den Börsengang 2004 ebnete. Durch eine spezielle Konstruktion behielten Brin und Page die alleinige Stimmengewalt.

Was Google heute alles ist, ist gar nicht so leicht zu sagen. Auf jeden Fall viel mehr als die Suchmaschine, mit der es anfing. Zu Google gehören das Smartphone-Betriebssystem Android und das Videoportal Youtube (im Bild Youtube-Chefin Susan Wojcicki). "Viele der Sachen, die bahnbrechend sind, haben sie von außen klein eingekauft und dann groß gemacht", sagt Journalist Thomas Schulz. Vor drei Jahren wandelte sich das Unternehmen zur Alphabet-Holding mit konzerneigenen Unternehmen, die sich mit Biotechnologie, Gentechnik, künstlicher Intelligenz oder selbstfahrenden Autos beschäftigen.

Die Welt zu verbessern – geht es in erster Linie noch darum? Schon lange hat das Image von Google Risse bekommen. Die Masse an Daten, die Google über uns hat, beunruhigt nicht nur Datenschützer: Standortdaten, Daten über soziale Kontakte, Vorlieben, Hobbies... Die Google-Services sind umsonst, bezahlt wird mit Daten.

Kritik gab es kürzlich von den eigenen Mitarbeitern zu Googles China-Plänen: Mehr als 1.000 Beschäftigte haben sich in einem Brief an die Konzernführung gewandt und gegen mutmaßliche Pläne ihres Konzern ausgesprochen, eine der chinesischen Zensur unterliegende Suchmaschine zu bauen. Dabei haben sie auf Firmenstandards zu Ethik und Transparenz verwiesen. Kritik kam auch von Aktivisten und Menschenrechtlern. Laut Amnesty International sei dies "ein schwerer Angriff auf die Informationsfreiheit". Die Pläne wurden vom Konzern bislang nicht bestätigt.

Im Juli 2018 hat die EU-Kommission gegen Google wegen Wettbewerbsverstößen eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro verhängt. Der Vorwurf lautet, dass der Internetkonzern seine marktbeherrschende Stellung missbraucht habe. Laut EU-Kommission hat Google den Smartphone-Herstellern und Mobilfunknetzbetreibern unzulässige Vorschriften für die Verwendung von Android gemacht und verlangt, bestimmte Google-Apps vorzuinstallieren. Google beherrscht 95 Prozent des Mobilfunkmarktes mit seinem Android-System.

Allein im letzten Quartal 2017 hat Google schätzungsweise sechs Milliarden Euro an Gewinn eingefahren. Der Marktanteil der Suchmaschine in Deutschland: über 90 Prozent. Google ist heute ein Imperium mit etwa 70.000 Mitarbeitern, mit einer großen Monopolstellung und Datenfülle. Daten, die es für alle Zukunftsthemen braucht. Eine unglaubliche Macht in den Händen eines Konzerns.
Autorin des WDR ZeitZeichens ist Julia Schäfer

Stand: 03.09.2018, 16:07 Uhr