5. Dezember 1996 - Der Kölner Dom wird Weltkulturerbe

Der Kölner Dom im Sonnenuntergang. Im Vordergrund ist die Kreuzblume zu sehen.

5. Dezember 1996 - Der Kölner Dom wird Weltkulturerbe

Der Dom prägt das Kölner Stadtbild seit Beginn seiner Erbauung im Jahr 1248. Zum Unesco-Weltkulturerbe gehört er seit dem 5. Dezember 1996. Zwar muss die Kathedrale zwischenzeitlich um ihren Titel bangen, doch am Ende hätt alles joot jejange.

Der Kölner Dom wird Weltkulturerbe (am 05.12.1996)

WDR ZeitZeichen 05.12.2021 14:47 Min. Verfügbar bis 06.12.2099 WDR 5


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Die Kölner lieben ihre Stadt und ganz besonders ihren Dom. 632 Jahre wird an dieser monumentalen Kirche gebaut, die bei Fertigstellung im Jahr 1880 das höchste Gebäude der Welt ist. Bis heute gehört der Kölner Dom zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

Als vor gut 25 Jahren der Antrag gestellt wird, die Kathedrale in die Liste der Welterbe aufzunehmen, ist das aber nicht nur für die Kölner völlig gerechtfertigt, sondern auch für die Unesco. "Der Kölner Dom ist ein Meisterwerk gotischer Architektur. Trotz der langen Bauzeit stellt er ein Musterbeispiel von Einheit und Kompromisslosigkeit in der Umsetzung der Baupläne dar", lauten die Gründe, den Antrag am 5. Dezember 1996 anzunehmen.

Ein Preisgeld gibt es zwar nicht. Trotzdem bringt der Titel neben Prestige auch finanzielle Vorteile, denn er zieht Touristen an.

Ewige Baustelle

Allerdings steht der Welterbe-Titel für den Kölner Dom gleich mehrfach auf der Kippe: zweimal im Vorfeld der Titelverleihung, einmal danach. So ist es etwa keine gute Idee, dass die Stadtplaner im 19. Jahrhundert den Hauptbahnhof gleich nebenan hochziehen lassen. Durch Dampfloks und Verkehr gelangen Schadstoffe ins Kirchengemäuer. Der Dom muss ständig restauriert werden und wird zur ewigen Baustelle.

Auch die Domplatte wertet die Kathedrale nicht unbedingt auf. Der zubetonierte Dom-Vorplatz gilt als Bausünde der 1970er und ist für viele sogar der größte Schandfleck der Stadt. Andere wiederum finden es faszinierend, dass an diesem vielbesuchten Ort das bunte Kölner Leben so konzentriert zu sehen ist. Die Domplatte gehört für sie zum Stadtbild wie der Dom selbst.

Auf der Roten Liste

Acht Jahre nach der Ernennung zum Weltkulturerbe ist der Titel für den Dom dann ernsthaft in Gefahr. Köln plant 2004 eine Reihe von Wolkenkratzern. Die Unesco setzt die Kirche sofort auf die Rote Liste der bedrohten Welterbestätten. Begründung: Die neuen Hochhäuser würden das jahrhundertealte Stadtpanorama mit dem Dom als dominierendem Element gravierend stören. Als peinliche Situation und Blamage bezeichnet Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner die Angelegenheit.

Doch die Stadtoberen lassen sich zunächst nicht beirren. "Wenn ich mich hinter einen Baum stelle, dann sehe ich den Dom auch nicht", kontert Bürgermeister Fritz Schramma die Vorwürfe, die Hochhäuser verstellten den Blick auf das Wahrzeichen. NRW-Bauminister Michael Vesper hingegen richtet eine Arbeitsgruppe mit Denkmalpflegern, Städtebauern und weiteren Experten aus Köln und Umgebung ein. Nach mehrmonatiger Debatte werden die Hochhauspläne aufgegeben.

Bei der Entscheidung hilft, dass die Firmen, die eigentlich dort einziehen wollen, angeblich die Lust verloren haben. So heißt es für den Dom am Ende: "Et hätt noch emmer joot jejange". Er bleibt Welterbe - und ist es bis heute.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Irene Geuer
Redaktion: Ronald Feisel​

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