17. Mai 1821 - Sebastian Kneipp wird geboren

Pfarrer Sebastian Kneipp sitzt auf einem Stuhl

17. Mai 1821 - Sebastian Kneipp wird geboren

Egal ob Rheuma, Unruhe oder Magenbeschwerden: Sebastian Kneipp hat mit kaltem Wasser so manches Übel beseitigt. Seine Kneipp-Güsse machen den Pfarrer bis heute berühmt.

Sebastian Kneipp, "Wasserdoktor" (Geburtstag, 17.05.1821)

WDR ZeitZeichen 17.05.2021 14:11 Min. Verfügbar bis 18.05.2099 WDR 5


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Während seines Theologiestudiums erkrankt Sebastian Kneipp an Tuberkulose. Er spuckt Blut, magert ab und als die Ärzte ihn schon aufgegeben haben, findet er in der Bibliothek ein Buch des schlesischen Arztes Johann Siegmund Hahn, der die Heilkraft des Wassers lobt.

Kurzerhand unternimmt Kneipp einen Selbstversuch: Er steigt dreimal die Woche in die Donau für Halbbäder von drei bis vier Sekunden – auch im Winter. "Müde ging ich hinein. Neu aufgefrischt und gestärkt kam ich jedes Mal heim", erinnert sich Kneipp später. Tatsächlich erholt sich Kneipp und wird zum Priester geweiht - wie er es sich schon als Kind gewünscht hat.

Aus Armut die Schule verlassen

Dabei sieht es lange nicht danach aus, dass Sebastian Kneipp studieren kann. Er wird am 17. Mai 1821 als viertes von fünf Kindern einer armen katholischen Leineweberfamilie in Stephansried im Allgäu geboren. Mit zwölf Jahren muss er die Schule verlassen, um auf dem Feld zu arbeiten. Erst mit 27 Jahren kann Sebastian Kneipp die Universität besuchen.

Nach der Priesterweihe geht er 1855 als Beichtvater der Dominikanerinnen nach Wörishofen. Hier wirkt Kneipp nicht nur als Seelsorger, sondern setzt auch seine eigenen Erfahrungen mit der Heilkraft des Wassers ein. Ob Ruhelosigkeit oder Rheuma, Magenschmerzen oder Migräne – Kneipp kuriert allerlei Leiden mit dem frischen kühlen Nass aus der Natur.

Güsse für den Maharadscha und den Papst

Seine Wasser-Heilkunst macht ihn schnell bekannt. "Das war nicht immer einfach für den strengen Orden", erzählt die heutige Leiterin des Klosters, Schwester Regina. Immerhin habe der Pfarrer selbst mit der Gießkanne gegossen. "Und wie es uns immer erzählt wurde, standen in der Frühe, um fünf Uhr schon, die Leute vor der Klosterpforte."

Darunter ein indischer Maharadscha, ein amerikanischer Präsident und sogar der Papst. Entgeistert schauen die Wörishofener Bauern zu, wie die feinen Leute aus den fernen Ländern barfuß durch taufrische Wiesen stelzen und sich kalte Güsse verpassen lassen.

Gesund dank Ruhe, Wasser und Kräutern

Daneben experimentiert der Geistliche im Klostergarten mit Heilkräutern, entwickelt Rezepte, Badezusätze, Tees und stellt ein Fünf-Säulen-Modell auf. Zur Kneipp-Therapie gehören neben Wasseranwendungen demnach auch Bewegung an der frischen Luft, gesunde Ernährung, der Einsatz von Heilpflanzen sowie ein geistiger und seelischer Ausgleich.

Papst Leo XIII. ehrt Kneipp 1893 mit dem Titel Monsignore und ernennt ihn zum Päpstlichen Geheimkämmerer. Da ist Wörishofen längst zum Kurort geworden. Dort stirbt Sebastian Kneipp am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren an Krebs.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Steffi Tenhaven
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 17. Mai 2021 an Sebastian Kneipp. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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