8. November 1721 - Catharina Margaretha Linck wird enthauptet

Gemälde "Der Schlaf" von Courbet, Gustave, Öl auf Leinwand zeigt zwei nackte Frauen

8. November 1721 - Catharina Margaretha Linck wird enthauptet

Einen großen Teil ihres Lebens verbringt Catharina Margaretha Linck in Männerkleidung und unter falschem Namen. Nur so kann sie Anfang des 18. Jahrhunderts ihre Liebe zu Frauen ausleben. Doch der lebensgefährliche Rollentausch fliegt auf.

Catharina Linck wird enthauptet (am 08.11.1721)

WDR ZeitZeichen 08.11.2021 14:43 Min. Verfügbar bis 09.11.2099 WDR 5


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"Unzucht mit dem Weibe" wird Catharina Margaretha Linck im Prozess der Inquisition vorgeworfen. Gelten doch in der Frühen Neuzeit sexuelle Kontakte zwischen Frauen noch als Sünde, die sowohl Protestanten als auch Katholiken bestraft wissen wollen.

Angesichts des drohenden Todesurteils gibt die Angeklagte zu bedenken: "Wenn sie auch schon aus dem Wege geräumet würde, so bliebe doch dergleichen."

Aber wer sind dergleichen? Frauen, die sich als Männer ausgeben? Frauen, die sich wie Männer fühlen? Lesbische Paare? "Das, was man am sichersten aus dem Satz herausziehen kann, ist, dass sie sich als keinen Einzelfall empfand", erklärt Dr. Angela Steidele, die Biografin von Catharina Linck.

Als Mann im Bett und auf dem Schlachtfeld

Geboren wird Catharina Margaretha Linck 1687 als uneheliche Tochter eines Soldaten, den sie nie kennenlernt. Sie wächst in Armut auf. Mit 15 Jahren schlüpft sie zum ersten Mal in Männerkleidung und stellt fest, dass sie in Hosen mehr Geld als im Rock verdienen kann.

Unter dem Pseudonym Anastasius Lagrantinus Rosenstengel heuert sie später als Musketier bei verschiedenen Kriegsherrn an: Die Soldatenuniform schützt ihr Geheimnis, zudem kann sie so leichter Frauen verführen oder kaufen. Mit einem ledernen Phallus vollendet sie die Täuschung, dank eines Horns kann sie sogar im Stehen urinieren.

Warum wird die Frau nicht schwanger?

Trotzdem wird Catharina Margaretha Linck wiederholt enttarnt, aber kann zunächst entkommen: "Sie war gewitzt, gerissen, verwegen, sehr intelligent", sagt Biografin Steidele. Zudem habe sie großes schauspielerisches Talent gehabt und habe Professoren und Geistlichen die unmöglichsten Geschichten erzählt, um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Doch nicht die Kriege entpuppen sich als größtes Risiko für Catharina Margaretha Linck, sondern die Liebe. Sie heiratet 1717 die viel jüngere Catharina Mühlhahn – als Mann. Die Schwiegermutter hegt schon früh Zweifel, ob Anastasius Lagrantius Rosenstengel wirklich ein Mann ist. Diese werden immer größer, als ihre Tochter nicht schwanger wird.

Hinrichtung wegen "Unzucht mit einem Weib"

Schließlich lüftet die Schwiegermutter das Geheimnis um ihr "von Leder gemachtes, ausgestopftes männliches Glied". Es kommt 1720 zum Prozess. Zur Urteilsfindung werden die Akten an die Universität Duisburg geschickt. Die aufkommenden liberalen Ideen haben die juristische Fakultät da noch nicht erreicht. Die Duisburger Gutachter schlagen für Linck den Tod durch den Strang vor.

Aber zunächst sieht es so aus, als würde Friedrich Wilhelm I. – dem ein Interesse an Männern nachgesagt wird – die Strafe mildern. Linck hofft vergeblich, der preußische König bestimmt den Tod durch das Schwert.

Catharina Margaretha Link wird am 8. November 1721 auf dem Fischmarkt in Halberstadt hingerichtet. Sie ist 34 Jahre alt und wahrscheinlich die letzte Frau in Europa, die wegen sogenannter "Unzucht mit einem Weibe" zum Tode verurteilt wird.

Autor des Hörfunkbeitrags: Christoph Vormweg

Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 8. November 2021 an die Enthauptung von Catharina Linck. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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