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35 Jahre Braunkohleförderung im Tagebau Hambach

35 Jahre Braunkohleförderung im Tagebau Hambach

1978 rollten die ersten Bagger über das mehr als 80 Quadratkilometer große Areal des Tagebaus Hambachs, um nach Braunkohle zu graben. Seitdem streiten Gegner und Befürworter über das "größte Loch Europas".

Am 17. Januar 1984 stießen die Bergleute im Tagebau Hambach in 150 Metern Tiefe erstmals auf Kohle. Sechs Jahre lang hatten sie danach gesucht und mit den bis dato größten Baggern der Welt nach dem Brennstoff gegraben.

Braunkohle wurde damals als heimische, unabhängige und preiswerte Energiequelle geschätzt. In Zeiten der Ölkrise galt sie als der Retter der Nation. Die Bagger rollten in drei Schichten, 24 Stunden täglich.

Die Bergleute sind bis heute stolz darauf, mit ihrem Einsatz die Stromversorgung in Deutschland zu gewährleisten. Die aktuell rund 1.500 Mitarbeiter decken 15 Prozent des Strombedarfs in NRW. Dafür fahren täglich bis zu 100 Züge der Hambach-Bahn mit feuchter Braunkohle in die ortsnahen Kraftwerke.

"Rund um die Kraftwerke haben sich Papierindustrie, chemische Industrie angesiedelt. Dort, wo das Feuer brennt, dort sammelt man sich, auch die Industrie", sagt der RWE-Tagebauleiter Thomas Körber. Doch damit das Feuer brennen kann, mussten Menschen, Straßen und Dörfer den Baggern weichen.

Das rief schon früh die Gegner des Tagebaus auf den Plan. Zwar bot RWE Retorten-Dörfer, gut bezahlte Arbeit und Investitionen bis hinein in die Vereine. Doch viele wollten ihre Häuser nicht verlassen, erinnert sich Rüdiger Sagel, Öko-Aktivist der ersten Stunde. "'Verheizte Heimat‘ war damals schon der Oberslogan. 'Die Bagger stoppen' war schon auch Thema."

Zuletzt versammelten sich im Herbst 2018 50.000 Menschen vor dem Hambacher Forst, um gegen die klimaschädliche Verstromung der Braunkohle zu demonstrierten. Bürgerinitiativen und Umweltverbände hatten diesen Protest organisiert.

"Heute ist es nicht mehr vermittelbar, dass man für einen Energieträger der das Klima anheizt, der gravierende Umweltfolgekosten beinhaltet, dass man für den noch Menschen umsiedelt und Wälder zerstört. Wir müssen aussteigen aus der Braunkohle, auch um unsere internationalen Klimaschutzverpflichtungen zu erfüllen", sagt Dirk Jansen, NRW-Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz.

Zehn Prozent des Hambacher Waldes dürfen nicht gerodet werden, urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster. Doch wann und wie genau der Ausstieg aus der fossilen Energie kommt, darüber liegen die Vorstellungen von Naturschützern und dem Energieunternehmen RWE noch weit auseinander. Tagebauleiter Thomas Körber geht davon aus, dass im Tagebau Hambach noch mehrere Jahrzehnte lang Braunkohle abgebaut werden wird. Autor des Hörfunkbeitrags ist Ralph Erdenberger.

Stand: 14.01.2019, 15:00 Uhr