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29.12.1978 - Schneekatastrophe in Norddeutschland

Ein Mann schaufelt ein Auto aus den Schneemassen frei

ZeitZeichen

29.12.1978 - Schneekatastrophe in Norddeutschland

Von Martina Meissner

"Einen derartig extremen Überfall durch eisigen Froststurm mit fast fünf Tage hindurch andauernden Schneefall hat es hier nur äußerst selten gegeben", schrieb der Vizepräsident des Deutschen Wetteramtes damals im Rendsburger "Bauernblatt".

Norddeutschland erlebte am Jahreswechsel 1978/79 eine große Schneekatastrophe. Über Schleswig-Holstein fegte ein Schneesturm mit bis zu Windstärke 10. Die Ostsee vor Sassnitz fror innerhalb weniger Stunden vollständig zu, gleichzeitig gab es ein Seesturmhochwasser.

Vor 40 Jahren: Schneechaos in Norddeutschland

Zum Jahreswechsel 1978/1979 versank Norddeutschland buchstäblich im Schnee. Es schneite tagelang – und niemand war auf das Wetterchaos vorbereitet.

Mann geht mit Kind im Schnee spazierten und blickt auf ein Verkehrsschild, das bis zum "Kragen" im Schnee versunken ist

Am 28. Dezember 1978 fielen die ersten Schneeflocken in Schleswig-Holstein. Doch anders als sonst, hörte es einfach nicht mehr auf zu schneien, weder tagsüber noch nachts.

Am 28. Dezember 1978 fielen die ersten Schneeflocken in Schleswig-Holstein. Doch anders als sonst, hörte es einfach nicht mehr auf zu schneien, weder tagsüber noch nachts.

"Man war auf alles vorbereitet, auf einen Angriff mit atomaren Waffen, chemischen Kampfwaffen, Sturmfluten, besonders in Schleswig-Holstein, aber das Thema Schnee kannte man nicht", sagt Miriam J. Hoffmann, die das Kreismuseum Prinzesshof in Itzehoe leitet, wo noch bis zum 24. Februar 2019 eine Ausstellung zur Schneekatastrophe von 1978/79 zu sehen ist.

Alle waren überrascht als plötzlich der Schnee kam, der sich meterhoch auftürmte. Die Kinder spielten auf Autodächern, buddelten Löcher und stießen auf Straßenlaternen, die unter ihnen komplett vom Schnee verdeckt wurden. Der Schnee reichte mancherorts bis zur Dachrinne.

In vielen Orten war das Telefon tot, der Strom ausgefallen, die Straßen nicht mehr befahrbar und die Häfen zugefroren. Schließlich wurde die Bundeswehr zur Hilfe gerufen. Mit Panzern räumten die Männer die Straßen.

Die Soldaten konnten mit den widrigen Umständen umgehen und retten Autofahrer, die im Schnee mit ihren Wagen liegen geblieben waren, sie flogen Schwangere ins Krankenhaus und warfen über den Dörfern Nahrung aus dem Hubschrauber.

Der Grund für den außerordentlichen, heftigen Schneefall: Über der Ostsee traf ein Hochdruckgebiet auf ein Tiefdruckgebiet. Betroffen von den nicht enden wollenden Schneestürmen waren auch Schottland, Dänemark und die DDR. Die Ostseeinsel Rügen war komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

17 Menschen überlebten die Schneekatastrophe in Norddeutschland nicht. Sie starben beim Schneeräumen, bei der Reparatur der Stromleitungen oder hatten im dichten Schneegestöber die Orientierung verloren.

Am 3. Januar 1979 war der Spuk vorbei. Dachte man. Und war völlig überrascht, als es Mitte Februar 1979 noch einmal von vorne losging. Wieder schneite es tage- und nächtelang, wieder herrschte Katastrophenalarm und wieder lag der Norden der Bundesrepublik und der DDR unter einer dichten Schneedecke.
Autorin des Hörfunkbeitrags ist Martina Meißner.

In West- und Ostdeutschland brach vielerorts die Strom- und Fernwärmeversorgung zusammen. Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, Menschen starben. Die Schneeberge waren an den geräumten Straßen noch meterhoch, als es einige Wochen später erneut zu starken Schneefällen und Schneestürmen kam.

Dieses Mal war auch Niedersachsen von dem Unwetter betroffen und die Auswirkungen waren in manchen Regionen noch schlimmer als bei der Katastrophe zum Jahreswechsel.  

Redaktion: Ronald Feisel

Schneekatastrophe in Norddeutschland (ab 29.12.1978)

WDR ZeitZeichen | 29.12.2018 | 14:51 Min.

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Stand: 31.10.2018, 11:43