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Staub und Sturm: Die ersten Planetensonden auf dem Mars

Staub und Sturm: Die ersten Planetensonden auf dem Mars

Von Claudia Friedrich

Viking ist ein Planetenprojekt der Superlative. Benannt nach den skandinavischen Wikingern, die als erste zum amerikanischen Kontinent segelten. Ausgestattet mit modernster Technik im Mini-Format wird Viking 1 am 20. August 1975 in den Orbit geschossen, Viking 2 am 9. September.

Mars, Chryse Planitia, die "Goldene Ebene". Es ist ein sonniger Nachmittag, als das Foto entsteht, am 20. Juli 1976. Das erste Foto vom Marsboden. Am rechten Bildrand: eines der drei Beine der Fotografin, der NASA Sonde Viking 1.

Rund 50.000 Fotos übertragen die Viking-Sonden zur Erde. Die analogen Aufnahmen füllen unzählige Ordner, die unter anderem im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin stehen.

Eine der Aufnahmen zeigt einen Ausschnitt der Valles Marineris, des größten Canyons in unserem Sonnensystem, entstanden aus mehreren hundert Kilometern Höhe.

Mit der Kartographie der Viking Mission arbeiten Forschung und Film bis heute. Vor dem Geologen Ulrich Köhler stehen zwei Mars-Globen. Hinter ihm eine Karte mit der Route eines Astronauten in dem Science Fiction-Film "Der Marsianer".

Der Mars auf der nördlichen Hemisphere: Utopia Planitia ist eine riesige Tiefebene. Steine, Sand und trockener Boden, soweit das Auge reicht.

Der äußere Nachbar Mars ist halb so groß wie die Erde. Er braucht zwei Jahre um die Sonne. Das Magnetfeld ist so gut wie nicht vorhanden, die Kohlendioxid-Atmosphäre dünn.

"Der Mars ist ein Planet der Extreme", sagt Ulrich Köhler. Auf dem kleinen Nachbarn der Erde befinden sich die höchsten Vulkane in unserem Sonnensystem. Die Temperaturen betragen im Schnitt minus 60 Grad. Die Polkappen tragen um 100 Meter dicke Eisschwarten.

Für Ulrich Köhler, Mitarbeiter am DLR-Institut für Planetenforschung, wäre es ein Traum, hielte der Geologe nicht nur Fotos, sondern Marsgestein in den Händen. Denn DIE Frage steht immer noch aus: "Gibt es Leben auf dem Mars?"

Vielleicht findet der mit einem Hitzeschild ausgestattete ExoMars-Rover Rosalind Franklin Spuren von Leben. Mittels Bohrer an der rechten Seite soll das Vehikel dem Mars rund zwei Meter unter die Haut fahren und Fundstücke zur Erde zurückführen.

2022 will die European Space Agency ESA den Rover zum Mars schicken. "Sollte es Leben auf dem Mars geben, dann unter der Erde", sagt ESA-Mitarbeiter Thomas Reiter. Der Ex-Astronaut unternahm mehrere Weltraumreisen wie die zur Internationalen Space Station (ISS).

Christiane Heinicke unternimmt eine Weltraumreise zum Mars. Nicht ganz. Sie lebt mit fünf jungen Wissenschaftler*innen an den Hängen eines Schildvulkans auf Hawaii und beschreibt den Selbstversuch in ihrem Buch Leben auf dem Mars.

Ihre Erfahrungen lässt Christiane Heinicke in ihr Projekt einfließen, das einen Prototyp für ein Zuhause, ein Habitat, auf dem Mars entwickelt. Die Geophysikerin ist Leiterin von MaMBA, Moon and Mars Base Analog am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation der Universität Bremen.

Die Architektur besteht aus zylindrischen Modulen, fürs Schlafen, Kochen, Entspannen. Ein Gewächshaus, ein Labor. Eine Art Smart Home. Rund fünf Meter Durchmesser, sieben Meter hoch. Ästhetisches Lichtdesign, Farben zum Wohlfühlen, ein Fenster mit Aussicht.

Der Blick führt durch eine bizarre Landschaft aus rostigem Rot. "Basalte", sagt der Planetologe Ulrich Köhler. "Die sind reich an Magnesium und Eisen. In Verbindung mit Luftsauerstoff gibt es eine Oxidation. Deshalb diese Farbe."

Der Rote Planet ist ein Sehnsuchtsort, den die Viking-Sonden als erste bereisen. Auch wenn sie selbst kein Leben fanden, gelten sie als Pionierinnen. Seit Beginn der 1980er Jahre liegen Viking 1 und 2 auf dem Mars. Irdischer Müll, erste Monumente.

Stand: 19.08.2020, 08:34 Uhr