"Und keiner nervt dich ..." - Janis Joplin würde 75

"Und keiner nervt dich ..." - Janis Joplin würde 75

1970 stirbt sie mit 27 an einer Überdosis Heroin. Eric Burdon sagt: an einer Überdosis Janis. Janis Joplin erlebt eine behütete Kindheit, leidet als Teenager unter ihrem Aussehen und wird doch zur größten weißen Blues- und Rocksängerin aller Zeiten.

Die amerikanische Sängerin Janis Joplin in ihrer Highschoolzeit

Janis Joplin wächst behütet in der texanischen Kleinstadt Port Arthur auf. Ihr Vater ist Ingenieur bei der Ölgesellschaft Texaco, ihre Mutter Büroangestellte. Als sie 14 ist, beginnen die Konflikte mit ihren Eltern und ihrem Umfeld. "Ich hasste Neger nicht, deshalb wurde ich Niggerlover genannt", wird sie später sagen. Sie achtet ihre schwarzen Mitbürger. Das war im Texas der 1950er- und 60er-Jahre alles andere als Common Sense.

Janis Joplin wächst behütet in der texanischen Kleinstadt Port Arthur auf. Ihr Vater ist Ingenieur bei der Ölgesellschaft Texaco, ihre Mutter Büroangestellte. Als sie 14 ist, beginnen die Konflikte mit ihren Eltern und ihrem Umfeld. "Ich hasste Neger nicht, deshalb wurde ich Niggerlover genannt", wird sie später sagen. Sie achtet ihre schwarzen Mitbürger. Das war im Texas der 1950er- und 60er-Jahre alles andere als Common Sense.

Joplins Jugend ist gekennzeichnet vom Versuch, gegen die Konventionen ihrer Zeit und Umgebung zu verstoßen. Sie trägt ausgewaschene Jeans und übergroße Männerhemden, versteht sich als Beatnik, setzt auf Provokation. Andererseits leidet sie unter Diskriminierungen. Während ihres Kunststudiums an der Uni in Austin ab 1962 wird sie auf einer Abschlussfeier zum "hässlichsten Mann" gewählt. Zuvor, als Schülerin, ist sie kunstinteressiert, schreibt und malt, gilt als intelligent und eher zurückgezogen.

Mit der Musik, die ihr Leben entscheidend beeinflussen wird, kommt sie als 17-Jährige in Berührung: Odetta, eine schwarze Blues- und Folksängerin beeindruckt sie stark. Der Impuls, selber zu singen, entsteht in dieser Zeit. Ein Jahr später stößt sie auf die Platten von Bessie Smith (Foto). Die Musik der 1937 tödlich verunglückten, schwarzen Bluessängerin wird zum prägenden Einfluss. Zuvor war sie mit einigen Freunden schon öfter durch New Orleans gezogen, Hochburg der schwarzen Musik.

Joplins wildes Leben, das später immer wieder mit dem Slogan "Live fast, love hard, die young" in Verbindung gebracht wurde, beginnt aus einem Irrtum heraus: Als sie 17 ist, schenken ihre Eltern ihr eine Reise zu einer Tante nach Los Angeles. Sie glauben, das bringt Ablenkung von Janis' unstetem Lebenswandel. Doch von jetzt an geht es erst richtig los. Ihre Biografin Alice Echols umschreibt Joplins Haltung so: "Ich will auf der Überholspur leben, Mann. Und was ich garantiert nicht will, ist so zu werden wie meine Eltern, vor dem Fernseher zu sitzen und davor zu sterben."

Nach dem ersten Kontakt mit der Hippiekultur in Los Angeles schmeißt sie ihr Studium in Texas und trampt nach San Francisco. Die Stadt gibt ihr ein neues Lebensgefühl. Sie ist unter Gleichgesinnten, wird als Frau akzeptiert. Und sie tritt als Sängerin in Clubs auf. Angefangen hatte sie damit schon zuhause in Port Arthur, aber ohne Erfolg. Der stellt sich jetzt ein. In der von ihr geliebten Umgebung nimmt sie immer öfter Drogen.

In San Francisco schießen Rockbands zu dieser Zeit wie Pilze aus dem Boden, die Musikszene ist extrem fruchtbar. Janis kommt mit ihrer ersten Band Big Brother & The Holding Company zusammen. 1966 produzieren sie die erste LP. Zwei Aufnahmen ragen heraus: "Bye bye baby" und das legendäre "Down on me".

Vor allem durch ihre Liveauftritte bekommt Joplin in San Fancisco schnell und zurecht das Image einer wilden Sängerin. Ihren nationalen Durchbruch schafft sie beim Monterey-Pop-Festival 1967 neben Bands wie Jefferson Airplane und den Grateful Dead - vor allem mit dem Lied "Love is like a Ball and Chain". Joplin wird schnell zur populärsten Teenager-Sängerin der USA. "Hippie Queen of Show Business" und "Superstar der Rock-Music" nennt sie das amerikanische Magazin "Newsweek".

1969 formiert sie eine neue Band, mit der sie auch durch Europa tourt. Ein Kritiker ist nach einem Konzert in Frankfurt überwältigt: "Janis Joplin ist ein Gesangs-Wunder. Ihre Stimme schreit, röhrt, keucht, röchelt, läutet, haucht, flüstert - mit einer fast beängstigenden Intensität und gleichzeitig konzentrierter Musikalität." Ihre zweite LP wird ein großer Erfolg, klettert in den US-Charts bis auf Platz 5. Ihr größter, wenn auch sicher nicht bester Auftritt folgt auf dem Woodstock-Festival Mitte August 1969.

Joplins Liebesbeziehungen, egal ob mit Männern oder Frauen, gehen über kurze Affären nicht hinaus. Auf Anraten ihres Managers sucht sie Ende 1969 wegen ihrer Drogensucht einen Arzt auf. Sie kann sich von der Abhängigkeit nicht befreien. 1970 formiert sich ihre dritte Band, Full Tilt Boogie. Joplin durchlebt jetzt sehr glückliche Phasen. In der Band herrscht ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie lässt öfter vom Heroin, trinkt aber weiterhin, auch auf der Bühne.

Im September 1970 arbeitet sie mit ihrer Band an einer neuen LP. Die Platte wird erst nach ihrem Tod erscheinen. Janis Joplin stirbt in der Nacht zum 4. Oktober 1970 mit 27 Jahren in ihrem Hotel an einer Überdosis Heroin, von dem sie nicht loskam. Sie ist damit Teil des "Klub 27", zu dem das Popbusiness Musiker wie Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Kurt Cobain zählt, die im selben Alter starben.

Auf ihrer letzten Platte hinterlässt die Sängerin einige ihrer besten Titel: "Trust Me", "Cry Baby", "Move Over", "Mercedes Benz", "Get It While You Can" und das legendäre "Me And Bobbie McGhee", das sie von Kris Kristofferson covert. Im männerdominierten Rockbusines der 1960er Jahre bildete Joplin als erfolgreiche Frau eine Ausnahme. Sie war die erste weibliche Rockikone. Heute gilt sie als größte weiße Blues- und Rocksängerin, die am 19. Januar 2018 75 Jahre alt geworden wäre.

Stand: 20.12.2017, 13:40 Uhr