07.03.1933 - "Die Weltbühne" erscheint letztmalig

Das Titelblatt der letzten Ausgabe der "Weltbühne", die am 14.3.1933 nicht mehr erschienen ist

ZeitZeichen

07.03.1933 - "Die Weltbühne" erscheint letztmalig

Von Marko Rösseler

Eine kleine Wochenzeitschrift mit einer schlappen Auflage von gerade mal 15.000 Exemplaren. Das war die Weltbühne. Zugleich war die Weltbühne eine der wichtigsten Zeitungen der Weimarer Republik. Menschen, die Medien nur nach ihrer "Reichweite" beurteilen, werden das nie verstehen. Aber es kommt eben nicht nur darauf an, wie viele Leute etwas lesen. Es kommt auch darauf an, wer es liest und was es zu lesen gibt.

Dies kleine aber feine Blatt beschäftigte über Jahre hinweg die besten Schreiber der Zeitungszunft. Kurt Tucholsky publizierte so viel in der Weltbühne, dass er mehrere Pseudonyme verwenden musste.

Carl von Ossietzky scheute als Chefredakteur nicht vor einer Haftstrafe zurück, als es darum ging, in der Zeitung über die heimliche Wiederaufrüstung der Reichswehr zu berichten. Als "Spion" wurde er verurteilt und musste hinter Gitter. Die Linie der Weltbühne war radialdemokratisch und pazifistisch. Als Tucholsky schrieb "Soldaten sind Mörder" drohte die nächste Klage.

Allen war klar, dass nach der Machtübernahme der Nazis bald Schluss sein würde mit dem Blatt. Die letzte Ausgabe der Weltbühne endet trotzig mit den Worten: "Denn der Geist setzt sich doch durch" - ein Irrtum...

Redaktion: Michael Rüger

"Die Weltbühne" erscheint zum letzten Mal (am 07.03.1933)

WDR ZeitZeichen | 07.03.2018 | 14:50 Min.

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Stand: 10.01.2018, 11:16