Christian Brückner wird 75 - und geht einem nie wieder aus dem Ohr

Christian Brückner wird 75 - und geht einem nie wieder aus dem Ohr

Es war ein Job neben dem Studium. Christian Brückner synchronisierte 1967 Warren Beatty in "Bonnie and Clyde" – ohne zu ahnen, was daraus wird. Er wurde der berühmteste deutsche Synchronsprecher, Stimme von Robert de Niro und vielen anderen. Jetzt wird er 75.

Porträt Christian Brückner lächelnd

Seine Stimme hat ihn berühmt gemacht, sie wird den meisten vertrauter sein als sein Gesicht. Christian Brückner ist der wohl berühmteste Synchronsprecher Deutschlands. Er ist das stimmliche Alter Ego von Robert de Niro, hat dazu unzählige Hörbücher, Hörspiele, Reportagen und Dokumentationen gesprochen, sich den Menschen ins Ohr gesetzt, wie er selbst einmal über seine Arbeit gesagt hat. Am 17. Oktober 2018 wird "the voice", wie er genannt wird, 75 Jahre alt.

Seine Stimme hat ihn berühmt gemacht, sie wird den meisten vertrauter sein als sein Gesicht. Christian Brückner ist der wohl berühmteste Synchronsprecher Deutschlands. Er ist das stimmliche Alter Ego von Robert de Niro, hat dazu unzählige Hörbücher, Hörspiele, Reportagen und Dokumentationen gesprochen, sich den Menschen ins Ohr gesetzt, wie er selbst einmal über seine Arbeit gesagt hat. Am 17. Oktober 2018 wird "the voice", wie er genannt wird, 75 Jahre alt.

Er wurde 1943 in Schlesien geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Köln, seine Studentenzeit in Berlin. Sein Vater war Toningenieur beim Rundfunk. "Zu begreifen, dass ich eine besondere Stimme habe, hat bei mir Jahrzehnte gedauert", hat Christian Brückner in einem Artikel im Zeit Magazin gesagt. Er beschreibt sich als zurückhaltend. Die Bezeichnung "the voice" mag er nicht – und auch nicht auf die deutsche Stimme von Robert de Niro, der wie er 1943 geboren wurde, reduziert zu werden.

Er wollte eigentlich Schauspieler werden. Belegte parallel zu seinem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften in Berlin, das er nie abschloss, Schauspielkurse und nahm Sprechunterricht. Und dann kam 1967 der Durchbruch, als Christian Brückner Warren Beatty im Gangsterfilm "Bonnie and Clyde" synchronisierte. Ein Job neben dem Studium – ohne damals in irgendeiner Weise zu ahnen, was daraus wird.

Er wurde gebucht, wieder und wieder. Wegen seiner rauen, brüchigen, eindringlichen, unperfekt perfekten Stimme. Und dann wurde er 1976 die deutsche Stimme von Robert de Niro in "Taxi Driver". "Keinem, der Taxi Driver Travis Bickle je hörte, geht er aus dem Ohr", schreibt Elke Heidenreich zu Brückners 75. Geburtstag. "Heiser, kratzig, bösartig, unvergesslich."

Er hat Robert de Niro in mehr als 60 Filmen seine Stimme geliehen, war der junge Vito Corleone in "Der Pate II". Er war so viele mehr: Alain Delon, Peter Fonda, Martin Sheen, Robert Redford, Donald Sutherland, Harvey Keitel oder Burt Reynolds.

Christian Brückner wollte immer frei bleiben, hat sich nie vertraglich daran gebunden, Robert de Niro zu sprechen, worüber er heilfroh sei. Versichert habe er seine Stimme nie, hat er in einem Interview erzählt. Sie hat ihm zahlreiche Preise beschert: unter anderem den Adolf-Grimme-Preis in Gold (1990), den Deutschen Hörbuchpreis (2005), den Hörbuchpreis für sein Lebenswerk (2012) und vor kurzem, Anfang Oktober 2018, wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Christian Brückner mit seiner Ehefrau Waltraut. Gemeinsam gründeten sie im Jahr 2000 ihren eigenen Hörbuch-Verlag parlando, um unabhängiger zu sein und selbst bestimmen zu können, was gelesen wird. Sie kümmert sich ums Geschäftliche und führt als gelernte Toningenieurin Regie.

Sie wählten ein Werk schlicht danach, ob es ihnen gefällt, hat Christian Brückner einmal über seine Arbeit für parlando gesagt. Alice Munro gehört zum Werk, Franz Kafka oder das Kommunistische Manifest. Seine innige Liebe gilt der Literatur. Und der Musik: Im letzten Jahr hat er ein Jazz-Album veröffentlicht, in dem er Berlin besingt. Neuland für Christian Brückner.

"Das ist ein wahnsinniger Prozess, diese Reduktion auf die Stimme", findet Brückner. Eine Stimme, mit der er Bühnen baut, Welten herstellt, Landschaften erzeugt. Die geschlossene Studiotür sei für ihn der Abschluss mit dem Leben. "Man ist nicht mehr in der gewohnten Welt, von der man getrennt und abgeschnitten ist."

Wie er spricht, bewegt viele Menschen. Christian Brückner sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum bei öffentlichen Lesungen, geht raus aus der abgetrennten Welt des Studios. Und hin und wieder sieht man ihn auch als Schauspieler im Fernsehen, wie hier mit Hannelore Elsner.

Er bereitet sich präzise auf seine Arbeit vor, saugt den Text als Ganzes in sich auf. Am Ende sei er Jongleur der Worte und Silben, hat er in einem Gespräch beschrieben. Und Elke Heidenreich schwärmt: "Seine Stimme, die will ich immer und immer wieder hören."

Stand: 11.10.2018, 10:44 Uhr