"Solidarität bis zur Selbstaufgabe"

"Solidarität bis zur Selbstaufgabe"

Sozialist, Träumer, Guerillero, Revolutionsführer, Ikone, Posterboy. All diese Beschreibungen passen auf Che Guevara, der die Welt mit Waffengewalt gerechter machen wollte und am 9. Oktober 1967 in Bolivien erschossen wurde.

Porträt von Ernesto Che Guevara mit einer Zigarre im Mund

Che träumte von einem neuen Menschen, erklärt sein Bruder Juan Martin Guevara im ZeitZeichen: "Der neue Mensch war eine Hoffnung, eine Idee, ein Versprechen für die Zukunft. Es ging um die Notwendigkeit, das materialistische Denken zu minimieren und humanes Denken zu fördern."

Che träumte von einem neuen Menschen, erklärt sein Bruder Juan Martin Guevara im ZeitZeichen: "Der neue Mensch war eine Hoffnung, eine Idee, ein Versprechen für die Zukunft. Es ging um die Notwendigkeit, das materialistische Denken zu minimieren und humanes Denken zu fördern."

Sein Konterfei ist spätestens seit Ches Tod zur Ikone geworden. Die Aufnahme des kubanischen Fotografen Alberto Korada ziert bis heute im Grunde alles, was man bedrucken kann. Die Idee der "Solidarität bis zur Selbstaufgabe", wie sie der Soziologe und Globalisierungskritiker Jean Ziegler beschreibt, habe Che ausgezeichnet. So kann und konnte der Revolutionsführer auch die linksintellektuelle Jugend in vielen Ländern Europas begeistern.

Geboren wird Ernesto Rafael Guevara de la Serna am 14. Juni 1928 in Rosario in Argentinien. Sein Vater ist ein glückloser Unternehmer, die Mutter eine belesene Frau, Feministin, eigenwillig, politisch links und unangepasst. Geld ist in der Familie immer knapp. Dennoch will der Sohn die Welt sehen. Nach dem Abitur reist er als Medizinstudent mit dem Motorrad durch Südamerika, spricht mit der Landbevölkerung und wird sich der sozialen Ungerechtigkeit mehr und mehr bewusst.

Ein bürgerliches Leben strebt der junge Mann auch nach seinem Studium nicht an. Stattdessen liest er Marx und Lenin und ist überzeugt, dass die kapitalistische Wirtschaftsordnung verändert werden muss. Und er glaubt, dass er das schaffen kann.

In Mexiko lernt er Fidel und Raul Castro (li.) kennen. Sie werden Verbündete im Kampf um eine neue Ordnung. Als Guerillero erhält er den Spitznamen Che, weil er fast jeden Satz mit "che" beendet haben soll, einer nichtssagenden Interjektion im Argentinischen, einem Pendent zu "gell".

Seine Kameraden beschreiben Che als vorbildlichen Kämpfer. Es gelingt der Guerilla-Truppe, Santa Clara auf Kuba zu erobern und das dort herrschende Bastista-Regime abzusetzen. Che wird Chef der kubanischen Nationalbank und Industrieminister. Er setzt eine Bodenreform durch, die Großgrundbesitzer enteignet und Konzerne verstaatlicht. Doch die Wirtschaft fährt er damit gegen die Wand.

Aus der einstigen Freundschaft zu Fidel (li.) und Raul Castro wird Feindschaft. 1965 legt Che seine Ämter nieder. Er will jetzt wieder Revolution machen. Zunächst im Kongo, dann in Bolivien. Getarnt als Wirtschaftsfachmann aus Uruguay reist Che mit falscher Identität im November 1966 ins bolivianische La Paz ein. Doch er kann die bäuerliche Bevölkerung nicht von der Revolution überzeugen.

Am 8. Oktober 1967 gerät Che beim Bergdorf La Higuera in einen Hinterhalt und wird von bolivianischen Soldaten festgenommen. Zu dem Zeitpunkt besteht seine Truppe nur noch aus 17 Kämpfern. Fast alle werden bei dem Gefecht getötet. Tags drauf wird Che ohne vorheriges Gerichtsverfahren in der Schule des Ortes erschossen. Bis heute wird der Che auf Kuba verehrt. Unzählige Wandgemälde erinnern in Havanna an den Mann, der für die Revolution lebte und starb.

Autorin des Hörfunkbeitrags ist Ursula Voß.

Stand: 09.10.2017, 11:47 Uhr