Grande Dame des französischen Kinos: Catherine Deneuve

Grande Dame des französischen Kinos: Catherine Deneuve

Catherine Deneuve hat nie eine Schauspielausbildung absolviert. Dennoch spielte sie unter Star-Regisseuren in mehr als 120 Filmen mit. Jetzt wird die jüngst mit dem "Nobelpreis der Künste" ausgezeichnete Diva 75.

Catherine Deneuve im Film "Die Regenschirme von Cherbourg"

Mit 13 feierte sie ihr Filmdebüt, der internationale Durchbruch folgte ein paar Jahre später. Mit gerade mal 21 Jahren verzauberte Catherine Deneuve das Publikum mit dem Musicalfilm "Die Regenschirme von Cherbourg" (1964). Darin spielt sie eine junge Regenschirmhändlerin, deren Geliebter in den Algerienkrieg ziehen muss. Nachdem er fort ist, bemerkt sie, dass sie von ihm schwanger ist. Trotzdem drängt ihre Mutter sie zur Heirat in die bessere Gesellschaft.

Mit 13 feierte sie ihr Filmdebüt, der internationale Durchbruch folgte ein paar Jahre später. Mit gerade mal 21 Jahren verzauberte Catherine Deneuve das Publikum mit dem Musicalfilm "Die Regenschirme von Cherbourg" (1964). Darin spielt sie eine junge Regenschirmhändlerin, deren Geliebter in den Algerienkrieg ziehen muss. Nachdem er fort ist, bemerkt sie, dass sie von ihm schwanger ist. Trotzdem drängt ihre Mutter sie zur Heirat in die bessere Gesellschaft.

Catherine Deneuve stammt aus einer Schauspielerfamilie. Sie habe eine wunderbare Kindheit gehabt, sagte sie einmal. Im Gegensatz dazu behandeln schon ihre frühen Filme harte Stoffe. In Roman Polanskis Thriller "Ekel" (1965) spielt Catherine Deneuve eine Frau, die von Ängsten geplagt wird. Sie driftet ab in ihre eigene Welt, traut sich kaum noch vor die Tür, verdunkelt ihre Wohnung, beginnt zu halluzinieren und wird schließlich im Wahn zur Mörderin.

Sex, erotische Phantasien, Bondage, Vergewaltigung. Luis Buñuels "Belle de Jour – Schöne des Tages" (1967) bekam erst 2017 eine Jugendfreigabe in Deutschland. Der Film wechselt rastlos von der Realität in beklemmende Tagträume einer frustrierten Arztgattin, die nachmittags heimlich in einem Edelbordell arbeitet. Eine rätselhafte Aura umgibt die Schauspielerin auch im echten Leben. Manchmal gibt aber auch sie Privates preis, so 1971 als sie das "Manifest der 343" unterzeichnete. Damit gab sie öffentlich zu, abgetrieben zu haben – was in Frankreich damals illegal war.

"Ein Frosch in Manhattan" (1969), auch bekannt unter dem Titel "Darling, laß dich scheiden", ist der erste Hollywoodfilm, den Deneuve drehte. Stuart Rosenberg erzählt in dieser Komödie ein modernes Märchen: Catherine (Deneuve), unglücklich verheiratet, trifft bei einer Cocktailparty auf Howard (Jack Lemon), einen Angestellten ihres Mannes. Auch er ist unzufrieden mit seiner Ehe. Es kommt, wie es kommen muss, sie verlieben sich ineinander und haben ein gemeinsames Ziel: Paris.

Für ihre Rolle in "Die letzte Metro" (1980) von François Truffaut wurde Deneuve mit dem César ausgezeichnet, dem "französischen Oscar". In dem Drama spielt sie an der Seite von ihrem langjährigen Filmpartner Gérard Depardieu eine Theaterschauspielerin im besetzten Paris. Ihr Mann, der Theaterdirektor, ist Jude und muss sich im Keller verstecken. Die Proben aber kann er ebenso mithören wie den Beginn der Affäre zwischen seiner Frau und einem der Schauspieler.

Catherine Deneuve dreht ausschließlich Kinofilme. Fernsehproduktionen und die Theaterbühne meidet sie. Dafür setzt sie sich keine Genre-Grenzen und beherrscht das komische Fach ebenso wie das ernste, gar blutrünstige. "Begierde" (1983) ist ein Horrorfilm von Tony Scott mit illustrem Cast. Deneuve und David Bowie spielen ein Vampirpaar. Um nicht zu altern, saugen sie Menschen das Blut aus. Dann kommt noch eine Ärztin (Susan Sarandon) ins Spiel und eine Dreiecksbeziehung entspinnt sich.

Régis Wargnier führte bei dem Kolonialdrama "Indochine" (1992) Regie, das Deneuve ihre erste und einzige Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin einbrachte. Darin mimt sie eine Kolonialherrin. Im Vietnam der 1930er Jahre betreibt sie eine Kautschukplantage, auf der sie mit ihrer Adoptivtochter lebt. Dann verlieben sich beide Frauen in den gleichen Mann, einen französischen Besatzungsoffizier, und das Drama beginnt.

Nachdem Deneuve Lars von Triers "Breaking The Waves" gesehen hatte, schrieb sie ihm einen Brief. Sie wollte unbedingt mit dem Regisseur zusammenarbeiten. Für das düstere Musical-Drama "Dancer in the Dark" (2000) verpflichtete er schließlich die Französin und die exzentrische Musikerin Björk, die eine Frau spielt, die langsam erblindet und ihr Glück in einer Musical-Traumwelt sucht. Tatsächlich arbeitet sie Tag und Nacht in einer Fabrik, um Geld für die Augenoperation ihres Sohnes zu sparen. Deneuve verkörpert ihre Freundin und Kollegin.

Für "8 Frauen" (2002) konnte François Ozon eine Starbesetzung gewinnen. Neben Deneuve gehören unter anderem Isabelle Huppert, Fanny Ardant und Danielle Darrieux zum Cast. Die Kriminalkomödie trägt sich in einem eingeschneiten Landhaus zu. Agatha Christie lässt grüßen! Am Morgen entdeckt eine der Frauen den Hausherrn in seinem Zimmer. Ermordet. Jetzt suchen die Frauen den Mörder und schnell stellt sich heraus – jede hatte ein Motiv und trägt ein Geheimnis mit sich.

"Das Schmuckstück" (2010) handelt von der Wandlung einer Frau: Zunächst spielt Deneuve die gelangweilte Ehefrau, die nur schmückendes Beiwerk ihrem Ehemanns ist – einem Regenschirmfabrikanten (eine Reminiszenz an Deneuves Karrierestart). Doch dann erleidet ihr Mann einen Herzanfall und sie übernimmt die Geschicke der Firma.

Deneuve mischt sich im wahren Leben gerne in gesellschaftspolitische Diskussionen ein, etwa in die Metoo-Debatte. In einem von ihr (und 99 anderen Frauen) unterzeichneten Gastbeitrag in der französischen Zeitung Le Monde steht zu Beginn 2018: "Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression."

Für ihre Zustimmung zum Aufruf "Freiheit, lästig zu sein" erhält sie viel Kritik. Später entschuldigt sie sich bei den Opfern sexueller Gewalt, verteidigt den Aufruf aber dennoch. Bis auf den Oscar hat Deneuve alle wichtigen Filmpreise gewonnen. Nebenbei modelt sie für Luxusmodemarken – und gräbt auch mal, ganz bodenständig, im Trainingsanzug ihren Garten um.

Stand: 11.10.2018, 16:00 Uhr