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Ein Mann schreit in ein Megaphon.

Warum blühen gerade heute Ressentiments, Abneigungen gegen Andere?

In gesellschaftlichen und politischen Diskursen ist heutzutage wieder viel von Ressentiments die Rede – und diese Ressentiments haben tatsächlich auch sowohl eine gesellschaftliche wie auch eine politische Bedeutung. Was hat es damit auf sich, was steckt dahinter?

"Auf Vorurteilen, einem Gefühl der Unterlegenheit, Neid oder Ähnlichem beruhende gefühlsmäßige, oft unbewusste Abneigung", so definiert der Duden den Begriff des Ressentiments – "Abneigung, Feindschaft, Feindseligkeit, Voreingenommenheit" werden als Synonyme genannt. Einen Hinweis gibt auch die Übersetzung des Herkunftsbegriffs aus dem Französischen: heimlicher Groll.

Das "Ressentiment" begegnet einem alltäglich in Reden, in Debatten, in Kommentaren, in Forschungspapieren. "Länder und Geister des Westens scheinen derzeit mit einem hässlichen Gefühl konfrontiert", so der Philosoph und Publizist Jürgen Große – und weist damit auf einen wesentlichen Aspekt hin: Das Gefühl spielt eine zentrale Rolle; nicht von ungefähr ist die Rede vom Ressentiment in einer Zeit so häufig, in der Gefühlspolitiken wichtig sind.

Jürgen Große

Der Philosoph Jürgen Große

Insofern stelle sich, so Große, natürlich die Frage, ob der Begriff bei so einem inflationären, teils gedankenlosen und schlagworthaften Gebrauch überhaupt ins Schwarze trifft: "Oftmals sind schlicht Groll, Wut, Hass, aber auch Gekränktheit oder Missgunst bis hin zu Neid und Schadenfreude gemeint, wenn der Begriff Ressentiment bemüht wird." Und da gibt es feine, aber entscheidende Unterschiede, denn das sind zwar negative Gefühle, die aber nicht notwendig vom Ressentiment zeugen müssen.

Wer zum Kern des Ressentiments vordringen möchte, der kann zum Beispiel beim Philosophen Friedrich Nietzsche fündig werden: Er beschrieb es in seinem "Willen zur Macht" als Folge einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung zwischen "Starken" und "Schwachen" – und schuf damit im Grunde die Voraussetzung für die heutige Popularität des Begriffs.

Welche politische und welche gesellschaftliche Bedeutung haben Ressentiments? Wie kann die Gesellschaft damit gut umgehen? Wie halten Sie es mit dem Ressentiment?

Literaturhinweis: Jürgen Große: Die kalte Wut. Theorie und Praxis des Ressentiments. Büchner Verlag, 2024.

Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.

Redaktion: Gundi Große

Jürgen Große: Die Rolle des Ressentiments

WDR 5 Das philosophische Radio 24.06.2024 54:04 Min. Verfügbar bis 24.06.2025 WDR 5


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