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WDR 5 Quarks - Wissenschaft und mehr mit Franz Hansel
Das Beitragsbild des Dok5 "Forensic Architecture - Der Staatsgewalt auf der Spur" zeigt eine Collage aus zwei Bildern; einer Ausstellung von Forensic Architecture und einer Mahnwache zur Erinnerung an die Opfer vom rassistischen Anschlag in Hanau.

Forensic Architecture - Der Staatsgewalt auf der Spur

Am 19. Februar 2020 wurden bei einem rassistischen Terroranschlag in Hanau neun Menschen ermordet. Schon bald gab es heftige Kritik an der Arbeit der Polizei und anderer Behörden. Im Auftrag der Angehörigen nahm die Recherche Agentur Forensic Architecture eigene Ermittlungen auf.

Von Lorenz Schröter

"Wir nutzen forensische Methoden, die bisher dem Staat vorbehalten waren, um Fehler der Staatsmacht aufzuspüren“ so beschreibt ein Mitglied des Teams von Forensis – der deutschen Schwesteragentur, den Ansatz von Forensic Architecture. 2011 in London gegründet sammelt die überwiegend aus Spenden finanzierte Nicht-Regierungs-Organisation, Daten, Bildern und andere – oft digitale – Spuren um Menschenrechtsverletzungen zu rekonstruieren. Sie erstellte das Modell eines geheimen syrischen Foltergefängnisses in dem Tausende Oppositionelle ermordet wurden, untersuchte tödliche Schüsse israelischer Militärs im Westjordanland und enthüllte die Mitverantwortung Italiens und der EU am Ertrinken von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer. Oft sind Tatortfotos, Aufnahmen von Überwachungskameras oder aus sozialen Medien Quellen, die mit wissenschaftlichen Methoden geprüft, verortet und in Beziehung gesetzt werden. Die Erkenntnisse finden Eingang in Gerichtsverfahren: werden aber auch für Ausstellungen in Museen aufbereitet. Der Spagat ist gewollt: Forensic Architecture versteht sich als Instrument der Aufklärung und trug in Hanau dazu bei, dass Behördenversagen und Rassismus in der hessischen Polizei die Öffentlichkeit wie einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschäftigen.

Ausstrahlung am Sonntag, 14. August 2022 um 13.04 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 14. August 2022 um 20.04 Uhr

Von: Lorenz Schröter
Redaktion: Thomas Nachtigall
Produktion: WDR 2022