Musik der Zeit - Lisa Streich

WDR Sinfonieorchester

Musik der Zeit [8] - Wings

Ein neues Trompetenkonzert der Komponistin Lisa Streich für Simon Höfele, durch das Sylvain Cambreling führt und das den Ohren Flügel verleiht. Philipp Maintz erweitert den Orchesterklang um silbrige Akkordeon-Klänge.

Das Konzert steht am Tag nach der Sendung für 30 Tage zum Nachhören bereit.

Das letzte Musik der Zeit- Konzert in dieser Saison mit dem WDR Sinfonieorchester stemmt sich gegen das Vergessen und entfaltet zum Saisonabschluss ein vielfältiges Panorama zeitgenössischen Komponierens. Toshio Hosokawas Oper »Erdbeben.Träume«, die Gastdirigent Sylvain Cambreling 2018 an der Oper Stuttgart uraufgeführt hat, erzählt die Identitätssuche eines Waisen, der nach seinen Ursprüngen sucht. In traumartiger Erzählstruktur umspannt seine Orchestersuite Katastrophe und heilen Urzustand, Leben und Trauer und schließlich auch Diesseits und Jenseits. Lisa Streich blickt mit ihrem neuen Trompetenkonzert in den Geschichtenspeicher der Antike und sucht nach dem Lächeln der Medusa. Sie nimmt Bezug auf den einflussreichen Essay von Hélène Cixous, in dem die Schriftstellerin nach einer weiblichen Stimme sucht, die »mit weißer Tinte« schreibt: Ein Schreiben mit der »Muttermilch«. Für den WDR hat Lisa Streich eine dem Klaus von Bismarck-Saal maßgeschneiderte Fassung angefertigt, in der Simon Höfele als Solist brillieren darf. Den »Trompeter, Barista und Fotografen« – Höfele über Höfele , der auch den WDR 3 Podcast »Klassik Crush« moderiert, lernte Lisa Streich einst in der Akademie des Lucerne Festival kennen und konnte sich offensichtlich noch gut an seine spielerische Klasse erinnern. Mit dem in Aachen geborenen Komponisten Philipp Maintz unternimmt das Orchester einen Ausflug in »Berliner Nächte«, in denen »alles möglich schien«: ein Spiel mit Vogelklängen, pulsierenden Rhythmen und glitzernden Scherben. Und auch wenn es in Form einer Erinnerung erzählt wird, schwebt über dem Stück der Zauber des Anfangs. WINGS 5 Von der Schwere des Abschieds kündet das vierte Werk des Abends: Die Trauer lastet noch schwer angesichts des Todes von Péter Eötvös, der am 24. März 2024 verstorben ist. Als Dirigent (und Komponist) hätte er diese Musik der Zeit-Saison im Kölner Funkhaus eröffnen sollen, was ihm aufgrund seiner Erkrankung leider nicht mehr möglich war. Mit seiner elektronischen Komposition »Mese«, realisiert im elektronischen Studio des WDR, erinnert WDR 3 an den großen Künstler. Wie alle Märchen beginnt auch dieses mit der Formel: »Es war einmal … «

Philipp Maintz
der zerfall einer illusion in farbige scherben (2023/24)
für Orchester mit obligatem Akkordeon
Kompositionsauftrag des WDR
Uraufführung

Lisa Streich
Meduse (2023/24)
"Elle est belle et elle rit"
für Trompete und Orchester
Kompositionsauftrag des WDR
Uraufführung

Peter Eötvös
Mese (1968)
für Tonband

Toshio Hosokawa
"Erdbeben. Träume" (2020/23)
Suite für Orchester

Simon Höfele Trompete
WDR Sinfonieorchester
Sylvain Cambreling
Leitung

Moderation: Michael Struck-Schloen
Redaktion: Patrick Hahn