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Serien-Podcast: "I may destroy you" und "The Virtues"

Screenshot: Michaela Coel Arabella in "I may destroy you"

Glotz und Gloria - Der COSMO Serien-Podcast

Serien-Podcast: "I may destroy you" und "The Virtues"

Von Jörn Behr

Jörn und Emily machen es sich nicht leicht in dieser Folge. Im aufgekratzten "I may destroy you" wie auch im ruhigeren "The Virtues" versuchen die Hauptfiguren, ein Trauma zu verarbeiten. Beide Serien sind ein dramatisches Must-See!

"I may destroy you" und "The Virtues"

COSMO Glotz & Gloria 16.10.2020 01:01:57 Std. Verfügbar bis 15.10.2025 COSMO

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"I may destroy you"

Arabella ist eine angesagte Autorin, die nach einem Erfolgsroman an einem Nachfolger arbeitet. In der Nacht vor einer Deadline geht sie nochmal feiern und wacht am nächsten Tag mit kaputtem Handydisplay und einer Wunde auf. Erst nach und nach wird ihr klar, dass sie ein Opfer sexueller Gewalt geworden ist.

Konsens oder nicht?

Die gefeierte Serie erzählt, wie sie dieses Trauma verarbeitet und wie ihre Freunde ebenfalls schon mal zu Opfern geworden sind, als ein angeblich spontaner Dreier gar kein Zufall und eine sexuelle Handlung dann eben doch ein ungewollter Übergriff war. Die Handlung scheint teilweise nicht zusammenzuhängen, um dann doch wieder an einen bestimmten Punkt zu kommen: Wann ist was erlaubt, strafbar, traumatisch? Wie gehe ich damit um?

Fokussierung oder Streuung?

Mir hätte es besser gefallen, wenn die Serie sich mehr auf Arabellas Inneres fokussiert hätte anstatt auch die anderen Geschichten zu erzählen, Emily aber findet gerade diese umfassende Herangehensweise an dieses wichtige und schwierige Thema herausragend. Die Partyszenen und der Soundtrack sind toll, Hauptdarstellerin und Macherin Michaela Coel ist charismatisch und die Serie basiert auf einer eigenen traumatischen Erfahrung, aus der sie aber nur noch stärker hervorgegangen ist.

The Virtues - Joseph (Stephen Graham) auf der Fähre nach Irland im Morgengrauen.

"The Virtues"

Auch die englische Miniserie basiert auf den Erfahrungen eines Machers, nämlich denen von Regisseur Shane Meadows ("This is England"). Maler Joe aus Liverpool stürzt emotional ab, als seine Ex und ihr neuer Partner mit Joes Sohn nach Australien ziehen. Verzweifelt um Halt ringend, macht er seine Schwester in Irland ausfindig. Beide haben sich seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen und während sie ihn bei sich und ihrer Familie aufnimmt, kommen seine traumatischen Erinnerungen in einem Kinderheim wieder hoch.

Rau und improvisiert

Die vierteilige Serie ist sehr rau, ungemütlich und intensiv. Die Dialoge fühlen sich sehr authentisch an, weil die Schauspieler große Teile improvisiert haben und Regisseur Meadows sich die besten Parts herausgesucht hat. Dabei hat er sogar das Ende der Serie nochmal neu gedreht, weil sich nach dem eigentlichen Drehschluss noch eine vielversprechende Alternative aufgetan hatte.

Ein Meisterwerk!

Emily und ich sind beide gleichermaßen begeistert: Von Hauptdarsteller Stephen Graham ("Snatch", "Boardwalk Empire"), der so emotional spielt, dass er auch mal Rotz und Wasser heult, und vom Look der Rückblenden in Joes Kindheit im Videokamerastil der 80er oder auch von der irren Spannung in den letzten zwanzig Minuten der Serie. Die Serie hat mich unglaublich gepackt und für mich eine der Entdeckungen des Jahres.

Wo:

"I may destroy you" läuft ab de, 19.10 bei Sky, "The Virtues" gibt es noch bis Jahresende in der Mediathek von Arte.

Kontakt zu Jörn und Emily:

Facebook.com/cosmo_ard
E-Mail: glotzundgloria@wdr.de
Whatsapp: 0172 5678 566

Stand: 16.10.2020, 00:00