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Cover Lee "Scratch" Perry – "King Perry"

...es lebe der König!

Review: Lee "Scratch" Perry – "King Perry"

Stand: 08.02.2024, 12:38 Uhr

Lee "Scratch" Perry ist nach Bob Marley die zweite große Legende der  jamaikanischen Musik. Im August 2021 verstorben, hinterlässt der Pionier des Dub mit "King Perry" einen Abschiedsgruß. Sein letztes Album ist ein All-Star-Projekt.

Von Marc Mühlenbrock

Auf "King Perry" sind allesamt Songs, an denen Lee "Scratch" Perry noch Zeit seines Lebens gearbeitet hat. Es ist das zweite und laut Label letzte posthume Solo-Album von ihm. Insgesamt hat der Mad Scientist, der verrückte Soundtüftler des Reggae, an über 100 Alben mitgewirkt. Als Produzent von – am prägnantesten – Bob Marley, aber auch von Junior Murvin, Max Romeo, The Clash und den Beastie Boys, herausgebracht mit seiner Band The Upsetters oder als Solo-Künstler. Dabei hat er den Sound des Dub, dieser verzerrten, halligen, mit Soundsystems bearbeiteten Version des Reggae, maßgeblich geprägt und immer weitergesponnen.

All-Star-Projekt mit Seelenverwandten

Im Gegensatz zum Vorgänger "Heaven", auf dem er nur allein und mit seinen Backgroundsängerinnen zu hören war, ist "King Perry" eine Art All-Star-Projekt. Lee Perry hat sich viele Gäste eingeladen, mit denen er immer schon mal zusammen arbeiten wollte. Seelenverwandte wie Shaun Ryder von der Spät-80er-Manchester-Rave-Band Happy Mondays oder die junge Londoner Soul  Sängerin Greentea Peng, deren leichter Pidgin-Akzent gut zu "100lbs of Summer" und "Jah People in Blue Sky" passt. "King Perry" hat einen sehr britischen Einschlag. Das Album erscheint auf dem Label von Trip-Hop-Star Tricky, der auch gleich noch selbst als Feature Gast erscheint, genauso wie seine neueste Protegée Marta. Gemeinsam gearbeitet hat Perry an dem Album mit dem britischen Dub-Produzenten Daniel Boyle, der das Album nach seinem Tod vollendet hat.

Frischer Dub-Mix des Königs

"King Perry" klingt durch die vielen Gäste sehr abwechslungsreich. Lee Perry war auch mit 85 noch immer an jungen und frischen Sounds oder zumindest neuen Klang-Kombinationen interessiert. Das hat er z.B. auf "No Illusion" sehr interessant umgesetzt, der Song mischt Elemente von Kraftwerk, Jungle und Tropical House. "I Am a Dubby" klingt nach dubbigem Trip Hop. "King Perry" ist kein weiteres Meisterwerk, aber ein würdevoller Abschied vom "König" und macht seinem Titel daher alle Ehre. Der könnte eine Anspielung auf King Tubby sein, der als Erfinder des Dub gilt. Lee "Scratch" Perry wird neben ihm auch immer als Pionier der Dub-Musik gefeiert und soll hier noch zu späten Ehren kommen – als einer der innovativsten Soundvisionäre aus Jamaika.