Ein Foto von Toomaj Salehi

Global Pop News 20.10.2023

Neuer Song von inhaftiertem iranischen Rapper Toomaj

Stand: 20.10.2023, 12:21 Uhr

Shin" ist eine Hymne an die Freiheit der Frauen im Iran | Produzentenlegende DJ Mark The 45 King gestorben | Neue Musik von Ichon, Jungle By Night und Priya Ragu | Unsere News aus der Welt des Global Pop

Von Vincent Lindig

Im Iran sitzt der regimekritische Rapper Toomaj seit Oktober letzten Jahres im Gefängnis – jetzt ist der erste Song seit seiner Verhaftung erschienen. "Shin" heißt der und ist eine Hymne an die Freiheit der Frauen im Iran. Seine Agentin erzählte COSMO dazu:

"Heute habe ich diese Musik veröffentlicht, um gegen die anhaltende Inhaftierung von Toomaj zu protestieren und zu sagen, dass sie die Stimme von Toomaj nicht zum Schweigen bringen können. Diese Musik hat ein soziales Thema und Toomaj spricht darin über die Freiheit der Frauenhaare – am Ende dieser Musik sagt er: Hallo zum Gefühl der Freiheit in deinen Haaren“. Agentin von Toomaj

Diese Freiheit der Frauenhaare, wie die Agentin es nennt, ist zentral für die Protestbewegung im Iran – sie steht für die Freiheit und Selbstbestimmung der Frauen. Toomaj ist einer der prominentesten Unterstützer der Proteste um den Fall der Studentin Gina Mahsa Amini gestellt, die mutmaßlich von Sicherheitskräften getötet wurde, weil sie ihre Haare nicht bedecken wollte. Die Proteste brachen im letzten Jahr aus und machten den Slogan "Jin, Jihan, Azadi", also "Frau, Leben, Freiheit" weltberühmt. Dabei geht es zentral um die Rechte von Frauen, aber auch insgesamt um eine politische und gesellschaftliche Veränderung in dem streng religiös geführten Land – seitdem sind Hunderte Demonstrierende getötet und Zehntausende inhaftiert worden. Darunter Rapper Toomaj, der ursprünglich wegen Propaganda gegen die Regierung, Kooperation mit feindlichen Regierungen und der Bildung einer illegalen Gruppe zum Tode verurteilt wurde. Sein Fall ging um die Welt und nur auf großen internationalen Druck hin wurde seine Strafe in eine sechsjährige Haft umgewandelt. Seine Familie berichtet, dass er in Gefangenschaft gefoltert und misshandelt wurde. "Shin" wurde bereits vor seiner Haft geschrieben und macht die Welt hoffentlich wieder auf Toomaj´s Situation aufmerksam.

Produzentenlegende DJ Mark The 45 King gestorben

Im Alter von 62 Jahren ist Mark Howard James aka "The 45 King" nur wenige Tage nach seinem Geburtstag gestorben. Eine Todesursache wurde nicht bekannt, laut Weggefährten war er aber schon längere Zeit im Krankenhaus. Der US-Produzent aus der New Yorker Bronx begann Mitte der 80er damit, als DJ aufzulegen und wurde 1987 durch den legendären Breakbeat-Tune „The 900 Number“ zum Star der jungen HipHop-Szene New Yorks – das Stück wurde seitdem unzählige Male gesampled und zitiert. In seiner langen Laufbahn produzierte er unter anderem für Größen wie Rakim, Queen Latifah, Gang Starr und De La Soul.

Prominente Beispiele: Eminem´s Klassiker "Stan" oder Jay Z´s Superhit "Hard knock Life". HipHop Fans liebten ihn für seine drumlastigen, detailverliebten Produktionen, die er oft auf völlig obskuren Sample von Platten aus der Grabbelkiste aufbaute. Wegen seiner Liebe zu solchen 7-Inch Vinyls, die man mit Plattenspielern auf 45 Umdrehungen abspielen muss, wurde er "45 King" genannt. DJ Mark The 45 King wurde trotz seiner Produktionen für Superstars des HipHop selbst nie wirklich berühmt – das lag wohl auch an seiner Persönlichkeit, wie etwa ein Interview mit Jay-Z beschreibt:

"Er macht diese Dinge, die die Kultur in sich einfangen und richtig unglaublich sind. Er ist ein Genie auf diesem Gebiet. Und dann verschwindet er einfach für Jahre von der Bildfläche“. Jay-Z

Die Kondolenzen und Nachrufe, die auf seinen Tod folgen, demonstrieren aber unmissverständlich seinen Stellenwert in der Szene. DJ Premier, legendärer Producer und DJ der HipHop-Crew Gangstarr, schreibt zum Beispiel auf Instagram: "Mark ist verantwortlich für so viele Klassiker. Ruhe in Frieden – du bist ein ganz besonderer Part unserer Kultur. Ich liebe dich."  Sein Produzentenkollege Alchemist schrieb auf X, ehemals Twitter:

"Einer der eigenständigsten Architekten in der Produktion. Einer der größten aller Zeiten". Alchemist

Rapperin Queen Latifah, für die er ihren ersten Songs produziert hat und mit dem ihm eine enge Freundschaft verband, hat auf Instagram eine ganze Reihe von Fotos in Erinnerung an ihn gepostet. Und HipHop Pionier Kid Capri schrieb auf Insta: "Heute habe ich einen echten Freund verloren – einen der liebsten Menschen der Welt". Superstar Eminem schrieb auf X, ehemals Twitter: "Legenden enden nie – ich bin dir für immer dankbar".

Neue Musik von Ichon, Jungle By Night und Priya Ragu

Der französisch-kamerunische Sänger und Künstler Ichon hat heute sein Album „Kassessa“ released. 14 Tunes hat Ichon gesammelt, der Sound findet irgendwo zwischen funky Drumloops, HipHop Beats und Dreampop-Athmo statt. Für diese Eigenheit lieben ihn seine Fans – und die lebt er auch in seinen Videos und seinem Style aus: Ichon experimentiert mit Fashion, Makeup und Frisuren. Keine Schublade, in die er passt – als größte Einflüsse nennt er Frank Ocean und Prince. Das neue Album „Kassessa“ steckt voller politischer Kommentare und catchy Melodien – sehr hörenswert.

Jungle By Night releasen heute ihre EP “Club Paradiso”. Retro-Dancesound von der Amsterdamer Crew, die gekonnt Indie und elektronische Sounds zusammenbringt. Eine leidenschaftliche Liveband, die ihre Musik mit analogen Instrumenten anreichert, um Musikfans unterschiedlichster Couleur mit Rhythmen und Grooves zum Tanzen zu bringen. "Club Paradiso" ist titelgebender Track der neuen EP..

Auch heute erschienen ist das Debutalbum von Priya Ragu, dem Ausnahmetalent aus der Schweiz mit Roots in Sri Lanka. "Santhosam" heißt es und wurde von Priya gemeinsam mit ihrem Bruder geschrieben. Seit ihrem Debüt „damnshestamil“ ((Damn, she’s Tamil)) feiern wir bei COSMO Priya Ragus musikalische Handschrift: Einerseits von HipHop und traditionellen tamilischen Sounds beeinflusst – wie bei Global Pop Ikone M.I.A., zum Beispiel auf dem Tune "Black Goose" – und auf dem nächsten Stück wie zum Beispiel "One Way Ticket" wieder sehr poppig, melodiös und vom Sound her eher nach US-R‘n‘B klingend.