Solidaritätsfest für Opel-Bochum

Menschen bei der Kundgebung in Bochum

"Ein Mensch ist mehr als Arbeitskraft"

Solidaritätsfest für Opel-Bochum

Von Katja Goebel

Der Vorplatz des Bochumer Rathauses platzte am Sonntag (03.03.2013) aus allen Nähten - rund 18.000 Menschen wollten beim Solidaritätsfest für Opel dabei sein. Die Opelaner gaben sich wieder einmal kämpferisch. Doch angesichts der miesen Zukunftsperspektive des Bochumer Werks dienten die Parolen wohl vor allem dazu, sich Mut zu machen.

Rainer Einenkel

"Solidarität ist unsere Zaubertrank", so Opel-Betriebsratchef Rainer Einenkel.

Aus dem ganzen Ruhrgebiet sind sie angereist. Jetzt stehen sie dicht gedrängt auf dem Rathausplatz in Bochum. Es nieselt, es ist kalt - aber die Menschen wärmen sich Seite an Seite mit "Solidaritätsglühwein" und westfälischer Kartoffelsuppe. Das hier ist kein gewöhnliches Stadtfest - das hier ist ein Fest für Opel. Und da lassen sich die Leute aus dem Revier nicht lange bitten. "Das ist überwältigend", erfährt es Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel, als er an diesem Morgen zum ersten Mal auf die Stufen an der Bühne steigt, um einen Blick auf die Menschenmenge zu werfen.

Wut über Sanierungsplan

Plakat bei der Kundgebung in Bochum

Große Solidarität mit Opel

Erst vor zwei Tagen wurde zum xten Mal über die Zukunft des angeschlagenen Autobauers verhandelt. Der momentane Sanierungsplan sieht vor, dass nur noch bis 2016 in Bochum Autos gebaut werden sollen. "Was danach passiert, wissen wir nicht", sagt Andrea Marquard, die seit über 20 Jahren bei Opel arbeitet. Jetzt steht die 47-Jährige ganz vorn in der Menschenmenge und muss sich ab und zu eine Träne aus den Augen wischen.

Steven Sloane mit Knappenchor

Steven Sloane, Musikdirektor der Bochumer Symphoniker, sang mit dem Knappenchor das Steigerlied

Gemeinsam mit der Stadt, dem Schauspielhaus Bochum und der IG Metall hat der Opel-Betriebsrat diese Feier auf die Beine gestellt, nachdem man den Opelanern eine Feier zum 50-jährigen Bestehen des Konzerns kurzerhand gestrichen hatte. Pfarrer Bernd Wohlharn aus der Bochumer Gemeinde, in der auch das Opelwerk steht, kann die Wut der Menschen verstehen. Sie müssten schließlich auslöffeln, was ihnen andere eingebrockt haben. "Aber der Mensch ist mehr als Arbeitskraft."

"Wir sind immer noch da"

Rainer Einenkel

Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel

Auch Rainer Einenkel steigt an diesem Vormittag noch einmal selbst auf die Bühne. "Am letzten Donnerstag ist ein Deutschlandplan für Opel beschlossen worden. Schritt für Schritt soll das Bochumer Werk abgewickelt werden. Wir Bochumer haben als Einzige diesem Plan nicht zugestimmt, weil uns damit spätestens 2014 die ersten Kündigungen drohen. 2016 könnte dann für 2.000 bis 3.000 Menschen im Bochumer Opelwerk keine Arbeit mehr da sein." Aber nicht nur bei Opel müsse man bangen. "Auch den Zulieferfirmen in der Region sind betroffen, wenn wir keine Autos mehr bauen." Seit Jahren müssten sich die Opelaner nun schon dem Druck einer drohenden Schließung aussetzen. "Aber wir sind immer noch da und wir werden bleiben. Wir sind die besten Autobauer und unsere Zukunft liegt hier im Revier."

"Glück Auf" von Herbie

Opel-Oldtimer

Opel aus den 60er Jahren

Und während oben auf der Bühne noch kämpferisch in die Mikrofone gesprochen wird, knattern im Hintergrund Motoren. Biker aus dem ganzen Revier sind gekommen. Opel-Oldtimer säumen den Boulevard in der Fußgängerzone. Autobauer aus Osnabrück zeigen Flagge. Schüler haben Unterschriften gesammelt, die Jungs vom VfL-Bochum sind mit einem Stand da und mehr als 250 Solidaritätsbekundungen sind eingegangen. Sogar Herbert Grönemeyer hat geschrieben und schickt das "kräftigste Glück Auf". Und so singen sie am Ende alle noch einmal: "Opel, wir hängen an dir. Opel, bleib doch hier."

Für Andrea Marquard sind dies Momente, da weiß sie nicht, ob sie lachen oder heulen soll. "Ich geb' die Hoffnung nicht auf. Ich hab schließlich noch 19 Jahre bis zur Rente." Am Montag (04.03.2013) sollen die Verhandlungen um Opel weiter gehen.

Stand: 03.03.2013, 15:25