Abgeordnete besichtigen Dortmunder Tatort

Stellvertretender Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtages, Peter Biesenbach (CDU) (vorne, hellbrauner Mantel), am 20.10.2015 auf der Dortmunder Mallinckrodtstraße, wo Mehmet Kubasik 2006 in seinem Kiosk erschossen wurde

NSU-Ausschuss in Mallinckrodtstraße

Abgeordnete besichtigen Dortmunder Tatort

Von Dominik Reinle

  • Der NSU-Untersuchungsausschuss besuchte am Dienstag (20.10.2015) die Mallinckrodtstraße in Dortmund
  • Dort wurde 2006 Mehmet Kubasik in seinem Kiosk erschossen
  • Die Abgeordneten wollen nächste Woche auch die beiden Kölner Tatorte in Augenschein nehmen

Das Ladenlokal, in dem sich der Kiosk von Mehmet Kubasik befand, steht heute leer. Am 4. April 2006 war der deutsch-türkische Familienvater dort mit zwei Schüssen in den Kopf getötet worden. Er war das achte Opfer einer Mordserie, die heute dem NSU zugeschrieben wird. Am Dienstag (20.10.2015) hat sich der NSU-Untersuchungsausschusses des NRW-Landtages den Tatort angesehen.

Zunächst versammelten sich die Abgeordneten am Mahnmal, das die Stadt Dortmund 2013 in der Nähe des Hauptbahnhofes für die mutmaßlichen NSU-Mordopfer errichtet hatte. Auf dem Weg zum Tatort fuhren die Ausschuss-Mitglieder mit einem Bus an der ehemaligen Wohnung von Siegfried Borchardt vorbei. Der Rechtsextremist lebte zum Tatzeitpunkt nur wenige hundert Meter von Kubasiks Kiosk entfernt. Die Abgeordneten hätten sich einen Eindruck der Örtlichkeiten verschaffen wollen, sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Peter Biesenbach (CDU) dem WDR. Möglicherweise werde Borchardt vom Ausschuss vernommen. Das stehe aber noch nicht fest.

Polizisten informieren Abgeordnete

Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtages am 20.10.2015 vor dem ehemaligen Kiosk (links) in der Dortmunder Mallinckrodtstraße, wo Mehmet Kubasik 2006 erschossen wurde

In der Mallinckrodtstraße wurden die Abgeordneten von Polizisten über Details der Tat informiert. Die Beamten, die den Ausschuss begleiteten, sind mit dem Fall vertraut, waren aber nicht an den Ermittlungen beteiligt. Es ist deshalb ausgeschlossen, dass sie noch für mögliche Zeugenaussagen im Ausschuss infrage kommen. Da aber Kubasiks Angehörige von den Abgeordneten eventuell noch vernommen werden sollen, gab es am Dienstag kein Treffen mit ihnen.

Welche Zeugen zu der Tat in der Mallinckrodtstraße befragt werden, entscheide der Ausschuss aber erst in den nächsten Wochen, sagte Biesenbach. Die Zeugenvernehmungen zu der mutmaßlichen NSU-Tat in Dortmund sollen im Januar oder Februar beginnen.

Kölner Tatorte werden ebenfalls besucht

Auch die beiden anderen Orte in NRW, an denen der NSU Straftaten begangen haben soll, stehen auf dem Programm des NRW-Untersuchungsausschusses. Sie befinden sich beide in Köln. Dort besichtigen die Abgeordneten am nächsten Dienstag (27.10.2015) zuerst den Tatort in der Probsteigasse, wo 2001 im Laden eines deutsch-iranischen Lebensmittelhändlers eine Bombe explodierte. Dessen damals 19-jährige Tochter wurde dabei schwer verletzt.

Anschließend besuchen die Abgeordneten die Kölner Keupstraße. Dort wurden 2004 bei einem Nagelbombenanschlag 22 Menschen teilweise schwer verletzt. "Auch hier werden wir von ortskundigen Beamten begleitet", sagte der Ausschussvorsitzende Wolf. So könnten unter anderem die Wege der beiden Tatverdächtigen abgeschritten werden, die am Tattag von Überwachungskameras gefilmt worden seien. Die beiden Männer hatten vor einem Friseursalon ein Rad mit der darauf montierten Nagelbombe abgestellt und waren anschließend geflüchtet.

Nach der Begehung in der Keupstraße will der Ausschuss mit Opfern und ihren Angehörigen ins Gespräche kommen. "Das haben wir der Interessengemeinschaft Keupstraße angeboten", sagte Wolf. Das Treffen soll unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Schwierigkeiten mit einer möglichen späteren Zeugeneinvernahme entstehen dabei nicht: Bereits am Montag (19.10.2015) waren drei Opfer des Nagelbombenanschlags im Ausschuss geladen.

Stand: 20.10.2015, 18:42

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