Schnecken-Plage: Tipps gegen gefräßige Schleimer im Garten

Stand: 18.07.2024, 13:15 Uhr

Sie sind schleimig und zurzeit überall: Nacktschnecken fressen sich durch unsere Gärten. Was gegen die Schnecken-Plage hilft.

Von Katja Goebel

Schnecken sind Allesfresser - sie fressen alle jungen Triebe von Stauden, Gemüse und Salat, aber auch Blumen. Wochenlang hat man im Garten mühevoll den Salat gepflanzt, die Kohlpflanzen großgezogen oder mit viel Liebe blühende Stauden gepflegt - und zack ist die Ernte weg. Gefühlt sind die Nacktschnecken derzeit überall - auf dem Gehweg, in der Hofeinfahrt, aber vor allem im selbst gepflanzten Garten-Salat.

Im Moment sind die Schleimer besonders aktiv. Dafür reichen schon ein paar feucht-warme Nächte. Zurück bleiben am Tatort oft nur ein paar Schleimspuren. Klarer Fall von Schnecken-Invasion. Wenn der Boden feucht und das Grün besonders saftig ist, laufen Schnecken zur Höchstform auf und fressen schneller, als wir ernten können.

Warum gibt es dieses Jahr so viele Schnecken?

In Hobbygärtner-Foren ist es seit Wochen ein viel diskutiertes Thema: Gerade dieses Jahr seien es unfassbar viele Nacktschnecken. Ein Eindruck, den Experten bestätigen. "Nach den Dürrejahren 2018 bis 2022, in denen die Populationen entsprechend eingebrochen sind, haben wir nun das zweite sehr feuchte Jahr in Folge", erklärt Markus Pfenninger vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt. Schon im letzten Jahr hätten sich die Populationen erholt, in diesem Jahr haben sie von einem bereits hohen Niveau loslegen können. Auch der milde Winter habe sicher nicht geschadet.

Was hilft gegen Schnecken?

Um es gleich vorweg zu sagen: Ein Patentrezept gegen gefräßige Schnecken gibt es nicht, sagt zumindest die Landwirtschaftskammer. Aber: Schnecken lieben Feuchtigkeit. Wer Beete in sonnigen Bereichen des Gartens anlegt und morgens statt abends gießt, macht schon mal viel richtig. Gärtner können zudem Hürden aus Schneckenzäunen aufstellen. Auch Hochbeete erklimmen Schnecken eher ungern.

Schnecken - Nur eklig oder auch nützlich? Quarks Daily – Dein täglicher Wissenspodcast 12.06.2024 24:34 Min. Verfügbar bis 12.06.2029 WDR Online

Download

Bringen Stroh, Kalk und Kaffeesatz wirklich etwas?

Hilfreiche Barriere: Der Schneckenzaun | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Mit Stroh, Sägemehl, Steinmehl oder Kalk kann man den Weg um die Pflanzen austrocknen. Schnecken meiden solche rauen Oberflächen, zudem verätzt der Kalk ihren Schleimfuß. Kaffeesatz soll nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) die Tiere vom Fressen abhalten. Im Gegensatz zu uns Menschen finden Schnecken den Geruch von Kaffee abstoßend.

Und hilft Bier gegen Schnecken?

Schnecken in einer Schneckenfalle, Bierfalle. | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/fotototo

Immer wieder hört man von Bierfallen gegen Nacktschnecken - denn die Tiere mögen generell den Geruch von Gärstoffen, der potenzielle Nahrung anzeigt. Allerdings: Abgesehen davon, dass es eine ziemlich eklige Angelegenheit ist, die schäumende Schneckensuppe später zu entsorgen, zieht der Geruch auch noch Schnecken aus dem Nachbargarten an. Und nur ein kleiner Teil von ihnen ertrinkt in der Bierfalle, der Rest macht sich zahlenmäßig verstärkt ans Fressen.

Können natürliche Feinde gegen Schnecken helfen?

Darauf zu setzen, empfiehlt der Nabu. Wer also seinen Garten so gestaltet, dass sich dort auch Igel, Vögel, Kröten oder Blindschleichen wohlfühlen, hat damit auch eine tierische Waffe gegen Schnecken vor der eigenen Tür. Allerdings: Die große spanische Wegschnecke hat so gut wie keine natürlichen Feinde. Da hilft nur, auf eigene Abwehrsysteme setzten oder beharrliches Absammeln.

Wie lockt man möglichst viele Schnecken zum Einsammeln an?

Mag Salat: die Nachtschnecke | Bildquelle: McPHOTO / newspixx vario images

Zum Beispiel mit einer ihrer Lieblingsspeisen: Salat. Salatblätter unter einer feuchten Plane ausgelegt und die Snackbar als Sammelstation ist eröffnet. Am nächsten Tag finden sich mit Glück zahlreiche Schnecken unter der Plane.

Welche Pflanzen mögen Schnecken nicht?

Mögen Schnecken nicht: Storchenschnabel | Bildquelle: imageBROKER / newspixx vario images

Die richtige Pflanzenmischung im Beet hilft ebenfalls gegen Schneckenbefall. Während manch hübsch blühende Staude - wie zum Beispiel der Rittersporn - ganz oben auf dem Lieblingsspeiseplan von Schnecken steht und gerne mal in einer Nacht vernichtet wird, gibt es auch Blumen, Kräuter oder Nutzpflanzen, die Schnecken eher verschmähen - wie Storchenschnabel, Frauenmantel, Rosmarin, Lavendel oder Lauch - um nur einige wenige zu nennen.

Ist Schneckenkorn eine Alternative?

Blaues Schneckenkorn in Glasschälchen | Bildquelle: WDR

Mancher Gartenbesitzer setzt als letztes Mittel auf Schneckenkorn, einen Köder in Granulatform, den die Schnecken fressen und daran sterben. Doch auf das darin enthaltene Metaldehyd reagieren Kleinkinder und Haustiere empfindlich, berichtet auch die Verbraucherzentrale.

Auch das Umweltbundesamt rät davon ab, denn es könnte zum Beispiel auch Vögel schädigen. "Fressen Vögel oder Säugetiere Schnecken, die zuvor Schneckenkorn mit diesem Wirkstoff aufgenommen haben, können auch sie sich dadurch vergiften." Es gebe im Handel Alternativen zu Schneckenkorn mit Metaldehyd. Eisen(III)-phosphat ist laut der Giftzentrale Bonn für Tiere und Menschen bei Einnahme weniger gefährlich. 

Schnecke ist nicht gleich Schnecke?

Nur wenige der rund 400 hier anzutreffenden Schneckenarten richten im Garten aber tatsächlich nennenswerten Schaden an, sagt das Bundesumweltamt. Berüchtigt für ihren Appetit seien vor allem die Spanische Wegschnecke, die Gartenwegschnecke und die Genetzte Ackerschnecke.

Frisst Schneckeneier: Der Tigerschlegel | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/R. Sturm

Häuschenschnecken wie die Weinbergschnecke sind eher harmlos und ernähren sich von welken Blättern. Der getigerte Schnegel hat noch mehr drauf: Er frisst nicht nur alte Pflanzenreste, er vertilgt auch die Eier der gefräßigen Nacktschnecken. 

"Schnecken sind der Gesundheitsdienst im Garten. Sie fressen auch verwesende Pflanzenteile und tote Tiere und sind damit ein nützlicher Bestandteil der Lebensgemeinschaft. Zudem zersetzen sie Pflanzenreste und helfen so bei der Humusbildung mit", sagt der Naturschutzbund über die Nützlichkeit von Schnecken.

Übrigens: Dieses Jahr wurde sogar schon eine Schnecke ausgezeichnet. "Internationales Weichtier des Jahres 2024" wurde die leuchtende Landschnecke aus Südostasien und zog damit in Sachen Beliebtheit sogar am kleinen Tintenfisch vorbei.

Unsere Quellen: