Analysen zu den Kommunalwahlen

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Analysen zu den Kommunalwahlen

  • Wer hat wen warum gewählt?
  • Welche Themen waren die entscheidenden?
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Die Wahllokale sind geschlossen, die Stimmen sind ausgezählt, jetzt geht es an die Analysen für die Kommunalwahlen 2020 in Nordrhein-Westfalen. Welche Themen bewegten die Menschen? Wer kam wie bei welchem Geschlecht an? Wer wie bei welcher Altersgruppe? Wir schauen mit den Daten des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap genauer hin - aufs gesamte Land, auf Köln und auf Dortmund.

Jung wählt grün, Alt wählt schwarz - so lassen sich die landesweiten Ergebnisse zusammenfassen. Die CDU bleibt die stärkste Kraft im Land, die SPD hingegen verliert erneut dramatisch, FDP, Linke und AfD spielen keine großen Rollen. Details gibt es in der Bilderstrecke.

Analyse der Kommunalwahl 2020 für NRW

Grafik über NRW Stimmanteile der 16- bis 24-Jährigen

Je jünger, desto grüner: Bei den 16- bis 24-Jährigen sind die Grünen mit rund einem Drittel der Stimmen landesweit die mit Abstand stärkste Partei. Umweltthemen bewegen die junge Generation offenbar sehr. Und die geht nicht nur bei Fridays for Future auf die Straße oder kämpft um den Hambacher Forst, sie stimmt auch so ab. Auf Rang zwei landet die CDU mit 21 Prozent. Abgeschlagen ist dagegen die AfD mit gerade mal drei Prozent bei den Jungen.

Je jünger, desto grüner: Bei den 16- bis 24-Jährigen sind die Grünen mit rund einem Drittel der Stimmen landesweit die mit Abstand stärkste Partei. Umweltthemen bewegen die junge Generation offenbar sehr. Und die geht nicht nur bei Fridays for Future auf die Straße oder kämpft um den Hambacher Forst, sie stimmt auch so ab. Auf Rang zwei landet die CDU mit 21 Prozent. Abgeschlagen ist dagegen die AfD mit gerade mal drei Prozent bei den Jungen.

Der Vergleich zwischen Jung und Alt zeigt deutliche Unterschiede: Die Grünen sind bei den unter 25-Jährigen Volkspartei (34 Prozent), bei den über 60-Jährigen hingegen nur auf Rang drei (13 Prozent). Ganz anders die CDU: Die tut sich bei der jungen Generation mit gerade mal 21 Prozent schwer, hat bei den über 60-Jährigen aber gleich doppelt so viele Prozentpunkte. Ebenfalls erfolgreicher bei den Älteren ist die SPD: 30 Prozent im Vergleich zu 16 Prozent. FDP und Linke kommen bei den über 60-Jährigen hingegen fast gar nicht an.

Blicken wir gesondert auf die CDU: Je älter die Wähler, desto höher ist der Anteil derer, die ihr Kreuz bei der Union machen. Vereinfacht gesagt: Bei den Jungen ist es Viertel, bei der Mitte ein Drittel, bei den Alten die Hälfte. Sind es bei den 16- bis 24-Jährigen nur 21 Prozent, bekommt die CDU bei der Generation 70plus 47 Prozent. Ausruhen sollte sich die CDU auf den Zahlen aber nicht, denn auffällig ist, dass ihr Stimmenanteil bei den älteren Generationen nahezu unverändert ist, während er bei den jüngeren um neun beziehungsweise sieben Prozentpunkte sinkt.

Für die SPD gilt das gleiche wie für die CDU, nur auf einem anderen Niveau: wenige Junge, viele Alte. Bei den 16- bis 24-Jährigen kann die Partei kaum noch punkten, kommt auf gerade mal 16 Prozent, auch in den drei Altersgruppen darüber reicht es nicht mal mehr für jede vierte Stimme in NRW. Lediglich bei den Senioren ab 70 ist die SPD noch Volkspartei. Da erreicht sie 31 Prozent, was allerdings ein Rückgang um drei Prozentpunkte gegenüber 2014 ist. Regelrecht dramatisch ist der Einbruch in den jüngeren Altersgruppen: Bei den unter 25-Jährigen verliert die SPD fast die Hälfte, bei den 45- bis 60-Jährigen ist es ein knappes Drittel weniger als vor sechs Jahren.

Die Grünen sind der große Gewinner der Wahl - und legen in jeder Altersgruppe zu. Herausragend ist der Zuwachs von 17 Prozentpunkten bei den 16- bis 25-Jährigen, aber selbst bei den über 60-Jährigen verdoppelt die Partei ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl von 2014. Und sogar bei den über 70-Jährigen sind die Grünen mittlerweile zweistellig.

Kaum große Ausschläge gibt es bei den Geschlechtern. Lediglich die AfD wirkt wie eine Männerpartei: sieben Prozent wählten sie bei den Männern, nur drei Prozent bei den Frauen. Auch die Linke und die FDP sprechen (etwas) mehr Männer als Frauen an. Beim Rest sieht das etwas anders aus. Die CDU, die jüngst selbst erkannte, dass Frauen innerhalb der Partei zu selten in Führungspositionen kommen, holte 35 Prozent der Frauen-Stimmen und 34 bei den Männern. Auch bei der SPD liegt der Frauen-Anteil mit 25 Prozent nur etwas über dem der Männer mit 24 Prozent. Nur bei den Grünen ist der Unterschied mit fünf Prozentpunkten deutlich größer.

Seit Monaten prägt die Corona-Pandemie den Alltag der Menschen. Doch das große Thema der Kommunalwahl 2020 ist weder Gesundheit noch Wirtschaft und erst recht nicht Freiheit. Das große Thema ist Umwelt und Klima. Was wiederum den Erfolg der Grünen erklärt. Die Wirtschaft folgt aber gleich auf Rang zwei, vor Bildung, Integration und Verkehr.

Wer steht vor allem für das bestimmende Thema der Wahl? Wenig überraschend die Grünen. Acht von zehn Grünen-Wähler bezeichnen Umwelt und Klima als das für sie entscheidende Thema. Bei den Anhängern der Linken sind es immerhin knapp vier von zehn, danach nimmt die Bedeutung der Umweltpolitik für die Wahlentscheidung rapide ab, bei AfD-Wählern spielt sie so gut wie gar keine Rolle.

Die Entwicklung der Wirtschaft leidet enorm unter der Corona-Pandemie - und ist das Thema für Wähler von CDU und FDP. Für Anhänger von SPD und Linke ist sie ebenfalls nicht unwichtig, bei der AfD mit Abstrichen, Wähler der Grünen hingegen setzen andere Prioritäten.

Im Vorfeld der Wahl hieß es, das Thema Verkehr und Stadtplanung treibe die Menschen um: Verbrennungs- oder E-Motoren, Fahrradwege, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Am Wahltag selbst sah das anders aus. Bei keiner Partei spielte der Verkehr eine Hauptrolle, am ehesten interessierten sich noch die Grünen-Wähler dafür, Mobilität ist schließlich eng mit dem Klimaschutz verbunden.

Seit Jahren ebenfalls ein großes Thema: Wohnungsbau und Mieten. Vor allem in Großstädten wie Köln und Düsseldorf und dem direkten Umland steigen die Mieten. Doch abgesehen von den Wählern der Linken und mit Abstrichen der SPD hielt das Thema niemand für wahlentscheidend. Vor allem nicht die Anhänger der CDU, deren Hochburgen eher außerhalb der Großstädte zu finden sind, und der Grünen, die zu einem Großteil noch jünger sind und deswegen wohl andere Sorgen haben.

Eins der wichtigsten Themen der vergangenen Jahre schaffte es insgesamt nur auf Rang vier: Einwanderung und Integration. Nur bei einer Partei ist es nach wie das bedeutendste Politikfeld: Über zwei Drittel der AfD-Wähler gaben an, die Einwanderungspolitik sei für ihre Wahl entscheidend gewesen. Auch bei den Linken ist Integration ein wichtiges Thema, für CDU und FDP spielt es hingegen keine herausragende Rolle.

Selten waren in den vergangenen Jahren politische Entscheidungen so direkt spürbar wie aktuell während der Corona-Pandemie. Mehr Menschen haben deswegen dennoch nicht gewählt. Die Beteiligung bleibt bei Kommunalwahlen auf konstant niedrigem Niveau. Nur knapp die Hälfte der Wahlberechtigten stimmte dieses Jahr ab.

Die Erhebungen der Meinungsforscher drehten sich am Sonntag nicht nur um die Kommunalwahl, gleichzeitig ging es auch um die bisherige Arbeit der Landesregierung und vor allem um die von Ministerpräsident Armin Laschet. Nachdem der CDU-Mann zu Beginn der Corona-Krise noch seine höchsten Zustimmungswerte hatte, ging es im Juni um fast 20 Prozentpunkte bergab, nun hat sich Laschet wieder erholt und steht knapp über 50 Prozent Zustimmung.

Die gesamte Regierung steht besser da als ihr Chef: Zwar ging die Zufriedenheit der Menschen im Westen nach dem Höchststand im April im Juni ebenfalls herunter, blieb aber deutlich über dem Wert von Armin Laschet. Auch jetzt wird die gesamte Landesregierung ein paar Prozentpunkte besser bewertet als der Ministerpräsident.

Und so sieht das Ergebnis der aktuellsten Sonntagsfrage für den Landtag in NRW aus. Die CDU bleibt klar vorn, der große Gewinner wären aber die Grünen. 2017 holten sie nur 6,4 Prozent, aktuell stehen sie der Umfrage zufolge bei 22 Prozent, was nicht nur für Rang zwei, sondern gemeinsam mit der SPD für Rot-Grün reichen könnte. Die FDP (2017: 12,6 Prozent) wäre mit ihren sieben Prozent keine große Hilfe für die CDU.

Wie sieht es in Köln aus?

Auch in Köln dominieren die Grünen, und das nicht nur bei den Jungen, sondern ingesamt. Aber auch in der größten Stadt in NRW gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Generationen, bei den Älteren sind CDU und SPD weiter vorn. Und dennoch reicht es nicht für den Wahlsieg, weil die meisten Kölner der Zustand von Umwelt und Klima umtreibt. Bei der OB-Wahl sammelt Henriette Reker in jeder Altersgruppe Stimmen. Die einzelnen Ergebnisse sind in der Bilderstrecke.

Analyse der Kommunalwahl 2020 für Köln

Grafik über Ratswahl Köln Stimmen der 16- bis 24-Jährigen

Bei der Ratswahl bestätigt Köln den Trend im Land: Die Jungen wählen grün. Während die Grünen bei den 16- bis 25-Jährigen 41 Prozent der Stimmen holen, kommt keine andere Partei auch nur über zwölf Prozent. Die CDU, immerhin stärkste Kraft im Land, hat bei den jungen Kölner nichts zu lachen, nur acht Prozent machten ihr Kreuz bei der Union - genauso viele wie bei der Linken. Abgeschlagen ist auch die AfD, sogar hinter der Satire-Partei Die Partei.

Bei der Ratswahl bestätigt Köln den Trend im Land: Die Jungen wählen grün. Während die Grünen bei den 16- bis 25-Jährigen 41 Prozent der Stimmen holen, kommt keine andere Partei auch nur über zwölf Prozent. Die CDU, immerhin stärkste Kraft im Land, hat bei den jungen Kölner nichts zu lachen, nur acht Prozent machten ihr Kreuz bei der Union - genauso viele wie bei der Linken. Abgeschlagen ist auch die AfD, sogar hinter der Satire-Partei Die Partei.

Bei den älteren Wählern sieht das Ergebnis noch so aus wie vielerorts vor ebenso vielen Jahren: CDU und SPD sind mit Abstand vorn, die Grünen kommen abgeschlagen, aber stabil dahinter, nur die FDP will mit ihren vier Prozent nicht an alte Zeiten erinnern. Dennoch gilt: Die Unterschiede zwischen den Generationen sind dramatisch, und das nicht nur bei Grünen (41 gegenüber 12, CDU (8 gegenüber 38) und SPD (12 gegenüber 37), auch die Partei Volt schafft es nicht, ihr Ergebnisse über die Altersgrenzen hinweg zu stabilisieren.

Wie in anderen Städten gibt es zwischen Männern und Frauen kaum Unterschiede im Abstimmungsverhalten. Lediglich die Grünen punkten deutlich besser bei den Frauen, die AfD, die FDP und Volt dafür bei den Männern.

Umwelt und Klima ist das entscheidende Thema für die meisten Wähler - was den Erfolg der Grünen erklärt. Typisch für Köln spielten aber auch Stadtplanung, Verkehr und Mieten eine Rolle. Dahinter folgen Schule und Einwanderung. Keine Top-Positionen erreichen hingegen die vielerorts als wichtig eingeschätzten Politikfelder Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Keine Überraschung liefert das Topthema des Wahlsiegers: Fast acht von zehn Grünen-Wählern geht es vor allem um Umwelt und Klima. Dahinter kommen Stadtplanung und Verkehr, die ja ebenfalls mit der Klimapolitik zusammenhängen. Einwanderung, Bildung und Mieten folgen in den Top-Fünf, in denen die Wirtschaft ebenfalls nicht auftaucht - trotz der Corona-Krise.

Ganz anders sieht es bei den Anhängern der CDU aus - dort geht es um die typischen Themen der Union: Die Wirtschaft dominiert, dahinter folgen Sicherheit und Verkehr. Doch selbst bei den CDU-Wählern hat es die Umweltpolitik in die Top-Fünf geschafft.

Auch die SPD-Wähler bleiben sich treu: Wer sein Kreuz bei den Sozialdemokraten machte, interessiert sich vor allem für Wohnungsbau und Mieten, die in Köln seit Jahren steigen. Dahinter folgen Verkehr, Bildung, Sicherheit und Umwelt - der Arbeitsmarkt als klassisches Thema der Sozialdemokratie schafft es allerdings nicht in die Liste.

Eine Besonderheit in Köln gibt es bei der OB-Wahl. Die Amtsinhaberin Henriette Reker ist parteilos - umso interessanter, wer sie gewählt hat. Das gilt vor allem für die Anhänger von CDU und Grünen, und auch bei FDP-Wählern kommt Reker an - drei Parteien, die selbst keine OB-Kandidaten aufgestellt hatten. Selbst einige Wähler von Parteien, die eigene Kandidaten im Rennen hatten wie SPD oder Linke, konnte Reker Stimmen holen. Anders sieht es bei der AfD aus.

Für den direkten Sieg hat es aber nicht gereicht, Reker muss in zwei Wochen in die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Andreas Kossiski. Der wurde - wenig überraschend - vor allem von SPD-Anhängern gewählt, allerdings längst nicht von allen. Auch einige Anhänger von FDP, Grünen und sogar von der CDU stimmten für den SPD-Mann.

Bei den Ratswahlen im Land gibt es große Abstimmungsunterschiede zwischen den Altersgruppen, Henriette Reker schafft es hingegen, Menschen in jeglichen Lebensphasen für sich zu begeistern. Nur bei den Jüngsten (16 bis 24) fällt sie etwas ab, das gleicht sie aber bei den Ältesten (70plus) wieder aus. Sehr große Abweichungen gibt es nicht.

Andreas Kossiski wiederum hat Probleme bei den Jüngeren. In den drei unteren Altersgruppen konnte er nur jeden fünften Wähler für sich gewinnen, dann steigt es langsam an. Doch in keiner Gruppe kommt er auch nur ansatzweise an Rekers Werte heran.

Ob unter oder über 60 - Henriette Reker hat in Köln klar die Nase vorn und geht deswegen auch in die Stichwahl als große Favoritin. Bei den unter 60-Jährigen hat sie fast doppelt so viele Stimmen gesammelt wie Kossiski, bei den über 60-Jährigen sind es immerhin zwölf Prozentpunkte.

Wie sieht es in Dortmund aus?

Dortmund bleibt die viel zitierte Herzkammer der deutschen Sozialdemokratie. Was vor allem an den älteren Wählern liegt, bei denen die SPD noch Volkspartei ist. Die Jungen hingegen wählen vor allem grün, aber auch auch insgesamt ist die Umwelt das Thema, das die Dortmunder besonders bewegt. Auch hier gilt: Für die Ergebnisse der Umfrage einfach durch die Bilderstrecke klicken.

Analyse der Kommunalwahl 2020 für Dortmund

Grafik über Dortmund Stimmen der 16- bis 24-Jährigen

Dortmunds Jugend wählt grün. Wie im ganzen Land und in zahlreichen anderen Städten treffen die Grünen mit ihren Umweltthemen bei den 16- bis 24-Jährigen einen Nerv. Das ist jetzt keine gänzlich neue Erkenntnis, aber viermal so viele Stimmen wie die CDU bei einer Ratswahl sind schon bemerkenswert. Auffällig: Im Gegensatz zu vielen anderen Städten spielt die SPD bei den jüngeren Menschen in Dortmund noch eine Rolle. Völlig abgeschlagen ist dagegen die AfD mit gerade mal zwei Prozent, wie in Köln ist selbst die Satire-Partei Die Partei deutlich stärker als die AfD.

Dortmunds Jugend wählt grün. Wie im ganzen Land und in zahlreichen anderen Städten treffen die Grünen mit ihren Umweltthemen bei den 16- bis 24-Jährigen einen Nerv. Das ist jetzt keine gänzlich neue Erkenntnis, aber viermal so viele Stimmen wie die CDU bei einer Ratswahl sind schon bemerkenswert. Auffällig: Im Gegensatz zu vielen anderen Städten spielt die SPD bei den jüngeren Menschen in Dortmund noch eine Rolle. Völlig abgeschlagen ist dagegen die AfD mit gerade mal zwei Prozent, wie in Köln ist selbst die Satire-Partei Die Partei deutlich stärker als die AfD.

Deutliche Unterschiede gibt es in den einzelnen Altersgruppen. Sind die Grünen bei den Jungen die klare Nummer eins, liegen sie bei den Älteren nur noch auf Rang drei - mit gerade mal der Hälfte der Stimmen der CDU. Spitzenreiter bei den über 60-Jährigen ist die SPD, die bei den älteren Dortmundern noch immer Volkspartei ist, dasselbe gilt mit Abstrichen für die CDU. Abgeschlagen sind FDP und Linke, die AfD ist bei den über 60-Jährigen zwar deutlich beliebter als bei den unter 25-Jährigen, zweistellig ist sie aber auch hier nicht.

Nahezu keine Unterschiede gibt es in Dortmund zwischen den Geschlechtern. SPD und CDU sind gar fast gleichauf, Linke, FDP und AfD sind bei Männern lediglich etwas beliebter als bei Frauen. Für den einzigen Ausreißer sorgen die Grünen, die bei Frauen sechs Prozentpunkte mehr erringen konnten als bei den Männern.

Welche Themen treiben die Menschen um? In Dortmund war es vor allem die Umwelt, also ein Thema, das sich nicht allein auf kommunaler Ebene lösen lässt. Dahinter kommt die Wirtschaft, die in der Corona-Krise eine besondere Bedeutung für viele Menschen hat. Weiter hinten landen hingegen Verkehr und Stadtplanung, in anderen Städten eins der großen Wahlkampfthemen.

Sonderbar: Umwelt und Klima war laut der Umfrage das bestimmende Thema der Dortmunder Ratswahl, bei den Wählern des Siegers spielt es aber keine große Rolle. Wer das Kreuz bei der SPD machte, interessiert sich vor allem für die Wirtschaft, dahinter kommen Bildung, Arbeitsmarkt, Verkehr und öffentliche Sicherheit nahezu gleichauf.

Auch bei CDU-Anhängern spielt die Umwelt eine untergeordnete Rolle, im Gegensatz zu Wirtschaft und Sicherheit - zwei klassische Themen der Union. Dahinter kommen Einwanderung, Verkehr und Bildung, aber eben nicht die Umwelt.

Die Umwelt bewegt aber natürlich vor allem eine Gruppe: 77 Prozent der Grünen-Wähler geben Umwelt und Klima als wahlentscheidendes Thema an. Die übrigen Politikfelder liegen unter 30 Prozent. Am stärksten ist noch der Verkehr, der aber ja auch Schnittstellen mit der Umweltpolitik hat. Und obwohl die meisten Grünen-Wähler jung sind, steht die Bildung nur auf Rang drei.

Seit dem Zweiten Weltkrieg kommt der Dortmunder Oberbürgermeister stets von der SPD - und auch dieses Mal könnte es so laufen. Entschieden ist aber lange nichts, Thomas Westphal muss in die Stichwahl gegen Andreas Hollstein von der CDU. Ein Vorteil: Er hat Wähler aus allen Altersklassen, zwar steigen die Werte mit dem Alter der Wähler, aber selbst bei den Jüngsten holte er mehr als ein Viertel der Stimmen.

Andreas Hollstein hat dagegen ein fast klassisches CDU-Ergebnis: Kaum Wähler bei den Jungen, beliebt bei den Alten. Mit teils deutlich unter 20 Prozent bei den Wählern bis 44 Jahre dürfte es schwer werden, Westphal in der Stichwahl zu schlagen.

Bei den jüngeren Wählern deutlich die Nummer eins unter allen Bewerbern für das OB-Amt ist Daniela Schneckenburger von den Grünen. Doch im Gegensatz zum CDU-Kandidaten Hollstein geht es mit jeder Altersgruppe weiter nach unten, bei den über 70-Jährigen sind es nur noch elf Prozent. Trotzdem werden die Mitbewerber, die in die Stichwahl gehen, um jeden einzelnen Grünen-Wähler kämpfen.

Wie im Rat so auch bei der OB-Wahl: Die Jungen wählen grün, die Älteren schwarz und rot. Daniela Schneckenburger von den Grünen und Andreas Hollstein von der CDU erreichen nur bei den Jüngeren bzw. Älteren recht gut Werte, während Thomas Westphal von der SPD in beiden Altersgruppen recht stark ist.

Wer hat Thomas Westphal gewählt? Natürlich zu allererst SPD-Wähler, aber eben nicht nur. Auch 15 Prozent der Grünen-Anhänger gaben Westphal ihre Stimme - obwohl ihre Partei eine eigene Kandidatin aufgestellt hatte. Auch von Linken und AfD bekam der SPD-Mann zweistellige Werte. Und selbst bei FDP und CDU konnte er punkten.

Die SPD-Wähler gingen weniger fremd: Lediglich drei Prozent stimmten bei der OB-Wahl für CDU-Kandidat Andreas Hollstein, der aber immerhin acht Prozent der Grünen-Anhänger für sich begeistern konnte. Seine Basis bleibt aber selbstredend die eigene Partei. Bei AfD und FDP kann er zumindest zweistellig punkten.

Den niedrigsten Wert innerhalb der eigenen Basis erreichte Daniela Schneckenburger von den Grünen, nicht mal drei Viertel wählten die hauseigene Kandidatin. Da dürften einige Grünen-Anhänger bei der OB-Stimme taktisch gedacht und gewählt haben. Immerhin bekam Schneckenburger 14 Prozent der Linken-Wähler, beim Rest war für sie so gut wie nichts zu holen.

Stand: 14.09.2020, 16:06