Jamaika, Dreadlocks und Bob Marley: 50 Jahre Reggae

Jamaika, Dreadlocks und Bob Marley: 50 Jahre Reggae

Von Antonia Kasparek

Ende der 60er entstand Reggae in Jamaika, charakteristisch ist sein typischer Grundrhytmus mit einer starken Betonung des zweiten und vierten Taktteils. Bis heute ist Reggae sehr lebendig: eine der bedeutendsten Musikrichtungen, die sich ständig weiterentwickelt – und Weltanschauung, Religion und Politik.

Bob Marley and the Wailers

Ikone des Reggae überhaupt ist: Bob Marley. Der erste "Weltmusiker" schuf unvergängliche Lieder, die ihn auf Jamaika zum Nationalhelden machten. Den Reggae etablierte er in der Popmusikszene und machte auch die Rastafari-Bewegung populär. Viele seiner Lieder gelten heute noch als politische Hymnen. Mit Songs wie "Stir it up", "Could you be loved" oder "Get up, Stand up" ist er immer noch präsent. Sein Sohn Ziggy Marley setzt sein Erbe heute fort.

Ikone des Reggae überhaupt ist: Bob Marley. Der erste "Weltmusiker" schuf unvergängliche Lieder, die ihn auf Jamaika zum Nationalhelden machten. Den Reggae etablierte er in der Popmusikszene und machte auch die Rastafari-Bewegung populär. Viele seiner Lieder gelten heute noch als politische Hymnen. Mit Songs wie "Stir it up", "Could you be loved" oder "Get up, Stand up" ist er immer noch präsent. Sein Sohn Ziggy Marley setzt sein Erbe heute fort.

Bob Marleys Band "The Wailers" galt lange als eine der wichtigsten Raggae-Bands. Nach seinem Tod verschwand ihre Bedeutung. Bunny Livingston Wailer ist das einzige noch lebende Mitglied der Band. Die Protesthymne "Get Up, Stand Up" war einer ihrer größten Hits – zusammen mit Peter Tosh und Bob Marley.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Reggae" ist unklar. Manche – darunter Bob Marley – leiten es von dem lateinischen Wort rex (König) ab und behaupten, es heiße so viel wie "Musik des Königs". Andere erklären es weniger majestätisch als Ableitung von streggae, einem jamaikanischen Slang-Wort für ein leichtes Mädchen. 1968 erschien der Song, der ein Namensgeber werden sollte: "Do the Reggay" von Toots & the Maytals gilt als erstes Lebenszeichen des klassischen Reggae.

Der Ur-Reggae firmiert heute als "Roots-Reggae", der von moderneren Stilen in den 1980ern verdrängt wurde. Der jamaikanische Reggae-Sänger Gregory Isaacs stand sowohl für gesellschaftskritischen Roots-Reggae als auch für den romantischen Lovers Rock. Zu seinen Erfolgen gehörten die Titel "My Only Lover", "Sinner Man" und "Mr Cop", die in Lee Perrys berühmtem Black Ark Studio aufgenommen wurden. In den 1970ern entstanden in Kooperation mit Alvin Ranglins Label GG Hits wie "Border" und "Number One".

"Reggae ist der Herzschlag aller Musik", sagt der Jamaikaner Peter Tosh. Er macht ihn Anfang der 1970er Jahre international bekannt - zusammen mit Bob Marley und den "Wailers". Peter Tosh zählt zu den Mitbegründern des Reggae. Er tritt rebellischer und radikaler auf als Marley und bezeichnet sich selbst als "wandelndes Rasiermesser". Als Marley mehr und mehr zum Star der Band avanciert, fühlt sich Tosh zum Background-Sänger degradiert. 1973 erlässt er nach zwölf Jahren die "Wailers". Zur Lebensphilosophie des Musikers gehört Marihuana. Sein erstes Solo-Album erscheint 1976 unter dem Titel "Legalize it". Am 11. September 1987 wird er in Kingston ermordet.

Mit Reggae verbindet man meist Rastafari, eine in Jamaika in den 1930er Jahren entstandene, heute weltweit verbreitete Glaubensrichtung. Sie ist dem Christentum entsprungen und weist viele alttestamentliche Bezüge auf. Einige Rastafaris tragen Dreadlocks und ungestutzte Bärte als Ausdruck ihrer Verbundenheit mit Gott. Die Dreadlocks sind außerdem ein Symbol für Naturverbundenheit und erinnern an die Mähne des Löwen von Juda. Sie wurden ebenfalls als Symbol der Abgrenzung zu der westlichen Ästhetik der "weißen Unterdrücker" und somit als Zeichen des Widerstands verstanden.

"The Israelites" von Desmond Dekker aus dem Jahr 1968 war der erste internationale Reggae-Welterfolg, mit Nummer-eins-Platzierungen in Deutschland und Großbritannien. Der in Kingston, Jamaika, geborene Dekker war neben Bob Marley und Jimmy Cliff einer der bedeutendsten jamaikanischen Ska-Sänger und Komponisten.

Burning Spear ist einer der wichtigsten Reggae-Sänger. Seine Musik bringt den Reggae auf den Punkt. Von seinen Alben existieren oft Dub-Versions. Dub, eine oft sehr minimalistische Variante des Reggae, zeichnet sich durch starken Gebrauch von elektronischen Studioeffekten und fast völligem Verzicht auf Gesang aus. Dubeffekte sind heute fester Bestandteil der meisten Reggae-Varianten.

Lee "Scratch" Perry ist wohl der wichtigste Produzent im Reggae und auch eine Schlüsselfigur in der Karriere Bob Marleys. Berühmt ist er für seine ausgefallenen Klangideen, mit denen er auch entscheidend die Entwicklung des Dub vorantrieb. Heute tritt er mit rund 80 Jahren immer noch auf. Dabei präsentiert er seinen schrägen Sprechgesang, die skurrilen Songtexte und sich selbst kleidungstechnisch als eine Art Paradiesvogel und Godfather des Reggae.

Der jamaikanische Sänger Jimmy Cliff trug mit seinen Songs aus dem Film "The Harder They Come" Anfang der 1970er Jahre sehr zur Verbreitung des Reggae bei. Ihm gelang immer wieder mal ein Comeback. Hier ist er auf dem Summerjam 2011 am Fühlinger See in Köln zu sehen.

John Holt schrieb den Welthit "The Tide is High" für die Rocksteady-Gesangsgruppe The Paragons, der er 1964 beitrat. Weltbekannt wurde der Song allerdings erst 1980 durch Blondie. Sein größter internationaler Verkaufserfolg als Sänger gelang John Holt aber mit einem Coverversionen-Album, "1000 Volts of John Holt" und der Singleauskopplung "Help Me Make it Through the Night", die es 1974 bis in die Top Ten der britischen Singlecharts schaffte.

Die jamaikanisch-amerikanische Reggae Formation "Easy Star All Stars" mit Michael Goldwasser, Victor "Ticklah" Axelrod, Patrick Dougher und Victor Rice hat ein raffiniertes Konzept: Die Musiker spielen legendäre Alben der Rockmusik von Pink Floyd, den Beatles oder Radiohead als Reggae-Fassung ein.

Das Summerjam am Fühlinger See in Köln ist eines der größten Reggae-Festivals in Europa. Es findet seit 1986 jährlich am ersten oder zweiten Juli-Wochenende statt. Unter einem wechselnden Motto tritt jedes Jahr eine Vielzahl an Künstlern aus der weltweiten Reggae- und Dancehall-Szene auf.

Ohne das im Reggae entstandene Toasting (Sprechgesang im Reggae und Dub) wären Hip-Hop und Rap in der heutigen Szene nicht präsent. Der sogenannte Deejay (nicht zu verwechseln mit dem DJ) ist in der jamaikanischen Soundsystem-Musik ein Sprechgesangskünstler, ähnlich dem Rapper in der Hip-Hop-Musik. Deejays unterlegen Reggae-Instrumentalstücke (Riddims) mit Sprechgesang (Toasting). Meister dieses Genres ist die deutsche Hip-Hop-Band Blumentopf, hier beim Summerjam 2010.

Auch der in Köln geborene Sänger Patrice ist Stammgast auf dem Summerjam. Eigentlich heißt der Reggae-Sänger und Songwriter Gaston Patrice Babatunde Bart-Williams. Er lebt in New York, Köln und Paris. Patrice macht Reggae-Musik und singt teilweise auf der Kreolsprache Patois, wobei seine Musik auch Jazz-, Soul-, Funk- und Hip-Hop-Elemente enthält. Diese vielfältige Mischung liegt vor allem an seiner Sozialisation in der Kölner Hip-Hop-Szene. Dort hatte er die Möglichkeit sich in den verschiedensten Kunstformen auszuprobieren.

Der deutsche Reggae-Musiker Gentleman, der bürgerlich Tilmann Otto heißt, wurde durch die Mixtapes, die sein Bruder ihm aus Jamaika mitbrachte, inspiriert. Mit 17 Jahren reiste er das erste Mal auf die Karibikinsel, um die Musik dort näher zu entdecken. Nach Gentlemans Anfängen als Deejay orientiert sich seine Musik heute vor allem an der klassischen Form des Reggaes, dem Roots-Reggae, den auch Bob Marley produzierte. Sein Stil kann als Modern Conscious Roots bezeichnet werden. Er singt ausschließlich auf Englisch und Patois. Seine Lieder greifen teilweise tagesaktuelle Themen auf.

Stand: 17.10.2018, 11:16 Uhr