Foreigner: Könige der Radio-Ballade

Von Ingo Neumayer

Angefangen als Hardrocker, entwickelt sich Foreigner in den 80ern zur festen Größe im Radioprogramm: Mit "I Want To Know What Love Is" gelang ihnen eine der größten Rockballaden aller Zeiten. Und sie sind immer noch aktiv.

1976 strandet der britische Gitarrist Mick Jones (2.v.l.), der unter anderem mit Johnny Hallyday gespielt hat, in New York: ohne Band, ohne Engagement, ohne große Zukunft. Also sucht er sich dort Mitstreiter für eine neue Gruppe. Er findet unter anderem den Ex-King-Crimson-Gitarristen Ian McDonald (li.) und den ausdrucksstarken Sänger Lou Gramm (3.v.l.), dessen Karriere ebenfalls ins Stocken geraten ist. Und da die Hälfte der Band aus Briten und die andere aus US-Amerikanern besteht, kommt man schnell auf den Namen "Foreigner" (dt.: "Ausländer"). Denn egal, in welchem Land man spielt, mindestens die Hälfte der Bandmitglieder wird immer Ausländer sein – so die Logik dahinter.

Musikalisch versucht sich die Band auf ihrem selbstbetitelten Debüt einerseits an härterem Rock im Stile von Van Halen, andererseits hat sie auch einen Hang zur Opulenz und Theatralik á la Queen. Keyboards und Saxophon sorgen zudem für zusätzliche, damals im Hardrock eher ungewöhnliche Klangfarben. Und mit "Cold As Ice" ist auch direkt ein Hit auf dem Album, der von den Radiostationen rauf und runter gespielt wird.

Besonders in den USA ist Foreigner erfolgreich. Das Debüt, das 1977 erscheint, verkauft sich dort über fünf Millionen Mal, und auch der Nachfolger "Double Vision" (1978) schafft es bis Platz 3 der Charts und holt mehrfach Platin. Nach dem Album "Head Games" (1979) wird die Band verkleinert, der Sound entschlackt und noch mehr Wert auf radiotauglichen Rock gelegt.

Der Look stimmt, und der Sound auch: Mit "Urgent" und "Juke Box Hero" gelingen Foreigner zwei der größten Rockhits der frühen 80er Jahre. Und mit der Ballade "Waiting For A Girl Like You" zeigt die Band, dass sie auch Schmuse-Pop im Repertoire hat.

Stadionrock: Wenn Foreigner auf Tour kommt, müssen die größten Arenen gebucht werden – so wie hier in Miami. Und auch außerhalb der USA hat die Band immer mehr Erfolg.

1984 erscheint mit "I Want To Know What Love Is" der bekannteste und erfolgreichste Foreigner-Song überhaupt. Schnulze hin, Kitsch her - die Nummer wird zum Prototyp einer Power-Ballade und gilt fortan als Blaupause bei allen Rockern, die mal so richtig viel Gefühl zeigen wollen. Ihre Auftritte werden immer bombastischer – und absurder. Hier werden sie in einer Schneelandschaft von großäuigigen Gespenstern flankiert, während im Hintergrund ein Fischkutter strandet.

"Adult Orientated Rock" (AOR) – Rock für das etwas ältere Semester: So nennt man in den 80ern die Musikrichtung, deren erfolgreichste Vertreter neben Foreigner Bands wie Boston, Toto oder Journey sind.

Pastelltöne, Blousons, schmale Krawatten: In Sachen Mode und Style ist die Band in den 80ern voll auf der Höhe der Zeit, auch wenn sie sich optisch eher am Popper-Lager als an der Rock-Fraktion orientiert.

Power to the Dauerwelle: 1987 gönnen sich die Foreigner-Mitglieder neue Frisuren, schließlich beginnt damals die große Ära von haartechnisch extravaganten Bands wie Mötley Crüe, Poison, Bon Jovi oder Guns N'Roses. Zumindest im Herzen fühlen sie sich noch immer als echte Rocker und zeigen so ihre Verbundenheit zu den neuen, wilden Bands, die gerade durchstarten. Der Sound wird allerdings eher weicher, kalkulierter und leider auch belangloser. Mit "Say You Will" schaffen sie zwar noch einen letzten größeren Hit. Doch mit den 80ern endet auch die Erfolgsphase der Band.

Lou Gramm, der schon während seiner Zeit bei Foreigner 1987 und 1989 Soloalben veröffentlicht, steigt 1990 aus der Band aus.

Mick Jones sucht Ersatz – und findet ihn mit Johnny Edwards. Der hat zwar ein Faible für interessante Bühnenoutfits, doch die Fans werden nicht so recht mit ihm warm. Also kehrt 1992 Lou Gramm zurück, dessen Solokarriere ebenfalls nicht nach Plan verlaufen ist. Doch auch mit Gramm muss Foreigner kleinere Brötchen als in den 80ern backen. Hits gelingen der Band keine mehr, und auch die Konzerte sind mal besser, meist jedoch schlechter besucht. 2003 verlässt Gramm erneut die Band.

Doch Foreigner ist nun mal das Lebenswerk von Mick Jones. Der will einfach nicht aufhören und engagiert Kelly Hansen als neuen Sänger. Und nach einer langen Durststrecke ist inzwischen auch das Interesse des Publikums wieder größer geworden. 2017 feiert die Band ihr 40-jähriges Jubiläum mit einer Best-Of-Platte und einer weltweiten Tour.

Stand: 27.01.2022, 14:47 Uhr