Die Beatles in Indien

Die Beatles in Indien

Von Philip Stegers

Mitte Februar 1968 findet sich im nordindischen Rishikesh eine illustre Reisegruppe ein – die Beatles, Donovan und Mike Love von den Beach Boys. Doch nur die wenigsten von ihnen finden hier die erhoffte spirituelle Erleuchtung.

Beatles

Nach dem Tod ihres Managers Brian Epstein und dem gefloppten Film "Magical Mystery Tour" sind die Beatles 1968 auf der Suche nach neuen Impulsen. Insbesondere George Harrisons Interesse an spiritueller Erleuchtung führt die Band zu diesem weisen Mann …

Nach dem Tod ihres Managers Brian Epstein und dem gefloppten Film "Magical Mystery Tour" sind die Beatles 1968 auf der Suche nach neuen Impulsen. Insbesondere George Harrisons Interesse an spiritueller Erleuchtung führt die Band zu diesem weisen Mann …

Maharishi Mahesh Yogi – Erfinder der transzendentalen Meditation. Die Presse nennt den stets gutgelaunten Inder den "kichernden Guru". Als cleverer Geschäftsmann lädt er die Beatles werbewirksam in sein Ashram am Fuße des Himalayas ein.

Das Schulungszentrum des Maharishi befindet sich in Rishikesh, einer nordindischen Stadt am Ufer des Ganges. Mit den Beatles reisen am 15. Februar 1968 auch hunderte von westlichen Journalisten an.

Die Pressefotografen klettern in die umliegenden Bäume, um täglich die neuesten Entwicklungen aus dem Ashram zu dokumentieren. Dabei gibt es nicht viel zu berichten. Das Programm besteht aus Vorträgen des Maharishi, Essen, Meditieren und Schlafen.

"John und George gingen nach Rishikesh mit dieser Idee, dass der Maharishi ihnen eine spirituelle Erleuchtung bescheren und sie möglicherweise nie wieder zurückkehren würden", erinnert sich Paul McCartney.

Die Beatles sind mit ihren Frauen und Freundinnen angereist. Eigentlich wollen sie drei Monate bleiben, um fernab allen Trubels die transzendentale Meditation zu erlernen.

Trommler Ringo reist allerdings nach nur 12 Tagen wieder ab. Ihm bekommt das indische Essen nicht. Immerhin komponiert er hier seinen ersten eigenen Song, "Don’t Pass Me By", der noch im gleichen Jahr auf dem Weissen Album der Beatles erscheint – wie so viele Songs, die in Rishikesh entstehen.

Zur indischen Reisegruppe gehört auch Folkbarde Donovan. Der versierte Gitarrist bringt John Lennon und Paul McCartney im Ashram das Fingerpicking bei. Mit diesen neu erworbenen Zupf-Fähigkeiten schreiben die beiden Beatles vor Ort gleich drei neue Songs: "Blackbird", "Julia" und "Dear Prudence".

Auch die Schauspielerin Mia Farrow ist mit ihrer Schwester Prudence im Ashram. Weil Prudence vor lauter Meditation nicht mehr aus ihrer Hütte kommt, versucht John Lennon sie mit Songzeilen wie "Dear Prudence, won’t you come out to play?" wieder an Tageslicht zu locken.

Während John Lennon und seine Ehefrau sich im Ashram noch weiter entfremden, wird Beach Boy Mike Love (rechts) in Rishikesh zum überzeugten Anhänger der transzendentalen Meditation. Und hat er noch einen guten Tipp für einen anderen Beatle parat.

Paul McCartney komponiert hier nämlich den Song "Back In The USSR". Auf Mike Loves Vorschlag schreibt der Beatle noch ein paar Zeilen über die Vorzüge der Frauen aus den verschiedenen Landesteilen der Sowjetunion. Eine Idee, die der Beach Boys-Sänger bereits in dem Song "California Girls" aufgegriffen hatte.

Nachdem auch Paul McCartney abreist, macht sich allmählich Lagerkoller bei den verbliebenen beiden Beatles breit. John Lennon ist enttäuscht, weil der Maharishi für ihn nicht die eine große Antwort auf alle Fragen parat hat. Zudem machen Gerüchte die Runde, dass der Guru sich Frauen unangemessen genähert habe.

Desillusioniert verlassen auch die letzten beiden Beatles das Ashram. Während sie auf das Taxi warten, schreibt John Lennon ein bitterböses Lied über den in Ungnade gefallenen Guru – "Sexy Sadie". Die ursprüngliche Textzeile lautet: "Maharishi, what have you done? You made a fool of everyone".

Stand: 13.02.2018, 15:57 Uhr