Let It Be: Das Ende der Beatles

Let It Be: Das Ende der Beatles

Von Ingo Neumayer

Viel Streit, große Egos, fehlende künstlerische Gemeinsamkeiten: Mit den Aufnahmen von "Let It Be" begann der Anfang vom Ende der Beatles.

Beatles ca. 1970

Sieht so eine glückliche, harmonische Band aus? Nicht, wenn man genau hinsieht: Ringo, John und George üben zwar den Schulterschluss, aber ihr Lächeln wirkt gequält, die Einigkeit, die sie hier demonstrieren, scheint fast schon verzweifelt. Und Paul? Wendet sich ab, steckt die Hände in die Taschen, mit dem Blick und dem Kopf offenbar ganz woanders. Ein durchaus symbolhaftes Bild der Beatles in ihrer Spätphase.

Sieht so eine glückliche, harmonische Band aus? Nicht, wenn man genau hinsieht: Ringo, John und George üben zwar den Schulterschluss, aber ihr Lächeln wirkt gequält, die Einigkeit, die sie hier demonstrieren, scheint fast schon verzweifelt. Und Paul? Wendet sich ab, steckt die Hände in die Taschen, mit dem Blick und dem Kopf offenbar ganz woanders. Ein durchaus symbolhaftes Bild der Beatles in ihrer Spätphase.

Wann genau die Probleme der Beatles überhandnahmen, lässt sich schwer sagen. Mit dem Tod ihres Managers Brian Epstein im August 1967? Mit der kräftezehrenden Produktion des "White Albums"? Mit der Gründung ihrer Plattenfirma "Apple", die aus Musikern Geschäftsleute machte? Oder gab es keinen konkreten Anlass, und das Auseinanderdriften der Beatles war ein unvermeidbarer Prozess, wenn man die größte Band aller Zeiten ist und einem das tagtäglich vor Augen geführt wird? Fakt ist: Im Januar 1969 unternimmt Paul McCartney einen Versuch, die Band zu retten.

Unter dem Motto "Get Back" will er die Beatles zurück zu ihren Wurzeln führen. Einfache Songs und simple Arrangements, die man gut als Quartett spielen und vielleicht sogar live aufführen kann. Denn das bis dato letzte Konzert der Beatles fand im August 1966 statt. Vor allem George war der Trubel der Auftritte zu viel geworden, und auch bei Beginn der "Get Back"-Sessions ist er skeptisch. Pauls Plan, die neuen Songs im Rahmen eines Konzerts oder sogar einer Tournee vorzustellen, wird schnell verworfen.

Stattdessen enden die Beatles in den Londoner Twickenham Film Studios und versuchen, sich irgendwie zusammenzuraufen. "Sie kamen wir wie ein steuerloses Schiff vor", sagte Produzent George Martin später über die "Let it Be"-Sessions. "Die vier mochten sich nicht besonders, ständig kam es zu Reibereien." Ein paar Tage nach Aufnahmebeginn kommt es zu einem heftigen Streit. John und Paul kritisieren Georges Beiträge, der daraufhin verschwindet und nicht mehr wiederkommt. Er hat offenbar keine Lust mehr, mit den anderen Musik zu machen.

John, Paul und Ringo fahren darauf zu George nach Hause, versichern ihm ihre Wertschätzung und überreden ihn, zurück ins Studio zu kommen. Danach läuft es etwas besser. George bringt seinen Kumpel Billy Preston mit, der sich direkt ans Piano setzt und neuen Schwung in die Aufnahmen bringt.

Davon kann sich dann auch die Öffentlichkeit überzeugen: Am 30. Januar 1969 steigen die Beatles und Billy Preston auf das Dach ihrer Plattenfirma in der Londoner Savile Row und spielen ein Konzert, spontan und unangekündigt. Fünf neue Songs sind zu hören, darunter "Get Back", "Don't Let Me Down" und "Dig A Pony". Auf den Straßen sammeln sich schnell die Massen, manche Fans erklimmen die umstehenden Gebäude, um einen Blick auf die Fab Four zu erhaschen.

Doch der Energieschub durch das Dachkonzert währt nur kurz. Die Beatles können sich nicht so recht einigen, in welche Richtung der Sound gehen soll. Die Aufnahmen landen im Schrank, und die Fab Four widmen sich wieder ihrer damaligen Lieblingsbeschäftigung: Sie streiten. Um Tantiemen. Über das neue Managment. Wegen möglicher Tourneen.

Wenigstens privat gibt es gute Neuigkeiten: Am 12. März heiratet Paul die Fotografin Linda Eastman ...

... und eine gute Woche später geben sich John und Yoko Ono auf Gibraltar das Ja-Wort.

Im Sommer 1969 raufen sich die Beatles ein letztes Mal zusammen und nehmen "Abbey Road" auf, ihr letztes gemeinsames Album. Danach verkündet John lapidar, dass er aus der Band aussteigt. Die anderen drei verbuchen das zunächst als eine seiner Launen, doch als sie mehrere Monate nichts mehr von ihm hören, wird allen klar: Die Beatles sind am Ende.

Die Öffentlichkeit bekommt davon zunächst nichts mit. Schließlich ist es Paul, der die Bombe platzen lässt. Am 10. April 1970 verschickt er zusammen mit seiner ersten Soloplatte ein Statement an Journalisten, in dem er die immer lauter werdenden Gerüchte bestätigt. Dass die Beatles Geschichte sind, weiß nun jeder.

Als sich die Trennung herumspricht, brechen Welten zusammen. Vor den Abbey Road Studios und den "Apple"-Büros versammeln sich mehrere Tage lang trauernde Fans.

Aber noch ist nicht ganz Schluss mit den Fab Four: Im Mai erscheint der Film "Let It Be" sowie das dazugehörige Album, über das sich die Beatles auch nach der Trennung in den Haaren liegen: John hält den Titelsong, den Paul für seine verstorbene Mutter geschrieben hat, für einen Simon & Garfunkel-Abklatsch, der nicht zu den Beatles passe. Paul hingegen hasst den pompösen Sound, den Produzent Phil Spector den Aufnahmen im Auftrag von John und George verpasst hat.

Das Abschiedsalbum der Beatles wird natürlich ein weltweiter Erfolg, und auch der Film sorgt für Schlangen vor den Kinos. 1971 erhalten die Beatles dafür sogar einen Oscar für die "Beste Filmmusik". Doch die vier lassen die Preisverleihung sausen und kümmern sich lieber um ihre Soloprojekte. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Stand: 04.05.2020, 00:01 Uhr