Auguste Renoir: "Lise" - Museum Folkwang, Essen

WESTART Meisterwerke 15.02.2011 04:48 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Museum Folkwang -Essen

Auguste Renoir: "Lise"

Stand: 03.01.2011, 12:23 Uhr

Es war wohl ein heißer Sommertag, an dem Lise Tréhot im Wald von Fontainebleau promenierte. Strahlend und hell muss die junge Frau alle Blicke auf sich gezogen haben. In einem Kleid aus weißem Musselin, transparent an den Armen, mit durchscheinendem Teint, den Strohhut keck seitlich aufgesetzt. Sie blickt zur Seite, verhalten, als läge ihr nicht viel an der Aufmerksamkeit. In all dem Weiß nur kleine Farbtupfer: Haarbänder und ein Ohrring.

Das Gemälde Lise des Malers Auguste Renoir im Museum Folkwang. großes Bild an der Wand, davor 2 Skulpturen

Das Gemälde "Lise" von Renoir hängt an einer eigenen Wand im Museum Folkwang in Essen.

Auguste Renoir (1841-1919) ist 26 Jahre alt, als er Lise mit dem Sonnenschirm auf die Leinwand bannt. Sie ist damals keine zwanzig und schon einige Jahre seine Geliebte. Über 20 Mal hat er sie gemalt, in ganz unterschiedlichen Rollen. Lise füllt ganze Folianten. Ob als Odaliske oder als Jägerin Diane, sie ist in dieser Zeit sein bevorzugtes Modell und seine Muse. An ihr probiert er sich aus, entwickelt seine Kunst.

Hauptwerk der frühen Impressionisten

Entstanden ist das Bild 1867 - vollständig in der freien Natur und bei natürlichem Licht. Um das Porträt allein scheint es Renoir nicht zu gehen. Es ist das Kleid, die heikle Farbe weiß, die er meisterhaft beherrscht. Rosa schimmert die Haut, bläulich und grünlich die Falten, als starker Kontrast schwarz, der Gürtel und einige Konturen. Frisch, natürlich und lebensgroß fiel Lise auf im Pariser Herbstsalon. Die Schattenseiten des Lebens waren Renoirs Sache nicht. Bei ihm scheint die Sonne. Dabei lebte er damals in bitterer Armut, fand kaum Käufer für seine Arbeiten.


Heute gilt Lise als ein Hauptwerk der frühen Impressionisten, beherrscht einen ganzen Raum im Museum Folkwang. Dessen Gründer, Karl Ernst Osthaus, erwarb das Gemälde 1901 als eines der ersten für seine Sammlung moderner Kunst. In Essen genießt es einen Ehrenplatz, dort wo das Licht einfällt. Schließlich trägt Lise nicht umsonst einen Sonnenschirm.

Buchtipps

Gilles Neret: Auguste Renoir.
Maler des Glücks. 1841-1919
Taschen Verlag 2009, Preis: 19,99 Euro

Jean Renoir: Mein Vater Auguste Renoir.
detebe Diogenes Taschenbücher Nr. 22425, 1991, Preis: 12,90 Euro

Autorin: Claudia Kuhland

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