WESTART Meisterwerke: Paul Gauguin - Contes Barbares

WESTART Meisterwerke 18.01.2011 04:44 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Museum Folkwang, Essen

Paul Gauguin: "Contes Barbares"

Stand: 19.11.2013, 12:23 Uhr

Er war fasziniert vom einfachen, ursprünglichen Leben: der Maler Paul Gauguin (1848-1903). Auf der Suche nach dem irdischen Paradies reiste er 1891 zum ersten Mal nach Tahiti. Die Realität schockierte ihn, war die vermeintliche Idylle doch längst durch die französische Kolonialmacht zerstört. Nach kurzem Aufenthalt in Frankreich kehrte er – krank, mittellos und verbittert – 1895 in die Südsee zurück. Ab Herbst 1901 lebte er auf der polynesischen Marquesas-Insel Hiva Oa, die ebenso wie Tahiti von Frankreich annektiert worden war.

Zwei Frauen mit Sicht auf den Betrachter

Ausschnitt aus Paul Gaugins "Contes Barbares"

Im Würgegriff der Zivilisation

Auf Hiva Oa entstanden 1902 die „Contes Barbares“ – „Barbarische Erzählungen“. Im Vordergrund: ein junger Mann in Buddha-Haltung neben einer Frau, deren Haar mit Gardenien geschmückt ist – die Inkarnation arkadischer Glückseligkeit. Als Modell diente dem Maler Tohotaua, die verführerische Gattin seines Inselkochs. Nur spärlich bekleidet, erfüllt sie die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit. Hinter dem einheimischen Paar kauert ein rotgesichtiger Europäer im Missionarsgewand. Gauguin hat ihn mit katzenhaft grünen Augen und lauerndem Blick diabolisch inszeniert. Seine Zehen zielen wie Raubtierkrallen auf die Körper des einheimischen Paares.

Im krassen Gegensatz zu seinen Südseephantasien lebte Gauguin auf den Marquesas im Streit mit Behörden und Missionaren. Die „Contes Barbares“ zeigen das Inselleben im Würgegriff westlicher Zivilisation, gemalte Träume angesichts der enttäuschenden Wirklichkeit

Der Mythos Gauguin

Gauguins Wunsch, nach Europa zurückzukehren, hätte seinen selbst geschaffenen Mythos bei seinen Bewunderern in Paris zerstört. Sein Tod in der Südsee 1903 machte ihn zur Legende. Er steigerte die Attraktion und den Preis seiner Bilder. Das erfuhr auch Karl Ernst Osthaus, der Gründer des Folkwang-Museums. Als ihm die „Contes Barbares“ Ende 1903 angeboten wurden, zögerte er zunächst, weil ihm das Bild zu teuer erschien. Heute zählt es zu den Hauptwerken der Sammlung Osthaus.

Buchtipps

Paul Gauguin, Durchbruch zur Moderne.
Katalog zur Ausstellung im Cleveland Museum of Art 2009/10 und im Van Gogh Museum, Amsterdam, 2010.
Hatje Cantz Verlag 2009, Preis: 39,80 Euro

Paul Gauguin 1848-1903.
Bilder eines Aussteigers. Text von Ingo F. Walther.
Taschen Verlag 2007; Preis: 7,99 Euro

Autorin: Martina Müller

Alle Sendungen

Kunst im WDR