Edward Burne-Jones: Bildnis Maria Theresa Zambaco

Clemens-Sels-Museum, Neuss

Edward Burne-Jones: Bildnis Maria Theresa Zambaco

"Ein Bild ist für mich ein schöner romantischer Traum von etwas, das es nie gab, nie sein wird - in einem Licht, besser als es je zu sehen war - in einem Land, das man nicht bestimmen oder erinnern kann, nur ersehnen - eine göttlich schöne Form. Und dann - wache ich auf", schrieb Edward Burne-Jones (1833-1898). 1870 porträtierte er ein Wesen seiner Träume: die in London lebende Griechin Maria Theresa Zambaco.

Inkarnation der Liebe und des erotischen Begehrens

Edward Burne-Jones: Bildnis Maria Theresa Zambaco

Vorhang auf für eine Göttin

Schimmerndes Licht auf mattgrüner Seide, leuchtend blaue Perlen und ein weiß abgetupfter Teint betonen Blässe und Zartheit der melancholischen Schönheit. Der Vorhang öffnet sich für eine Göttin. Fast erschrocken zieht Amor, ständiger Begleiter der Venus, den blauen Samt zurück und gibt den Blick frei auf die Inkarnation der Liebe und des erotischen Begehrens. Die Porträtierte scheint in einem mittelalterlichen Gebetbuch zu blättern. Daneben eine Feder mit einer Botschaft: "Maria, 26 Jahre, 7. August 1870, gemalt von Edward Burne-Jones."

Doch es handelt sich nicht um eine schlichte Schreibfeder: Amors Liebespfeil hatte den Maler getroffen. Im Gebetbuch findet sich die Illustration eines Liebesliedes - ein versteckter Hinweis auf die Amour fou zwischen dem verheirateten Burne-Jones und der geschiedenen Maria Zambaco. Eine skandalöse Beziehung im Viktorianischen Zeitalter. Am Ende standen Verzweiflung, Selbstmorddrohungen und die Rückkehr des Malers zu seiner Familie. Die Blüte des brennenden Buschs: ein christliches Mariensymbol. Blumen verbinden die Geliebte mit der Sinnlichkeit der Venus und dem Leid der Muttergottes.

Edward Burne-Jones: Bildnis Maria Theresa Zambaco, Teilansicht

Späte Liebeserklärung: Edward Burne-Jones Porträt seiner Geliebten maria Theresa Zambaco

Späte Liebeserklärung in prosaischen Zeiten

Reale Leidenschaft und sakrale Verklärung - die "femme fragile" bannt Burne-Jones auf die Leinwand, nachdem er sich von Maria bereits getrennt hatte. Es ist die späte Liebeserklärung eines poetischen Künstlers in prosaischen Zeiten. In der Hochphase der Industrialisierung und des Materialismus flieht er in eine mystisch verträumte Kunstwelt. Das intime Porträt war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es blieb im Besitz der Verlassenen und kam erst im 20. Jahrhundert auf den Kunstmarkt - 1965 in das Clemens-Sels-Museum in Neuss.

Autorin: Martina Müller

Stand: 30.01.2014, 10:34

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