Südquerhausfenster, nach einem Entwurf von Gerhard Richter

Kölner Dom

Gerhard Richter: Domfenster

Stand: 18.02.2009, 15:13 Uhr

Es ist 113 Quadrameter groß und aus über 11.000 farbigen Quadraten zusammengefügt, die mit Hilfe eines eigens entwickelten Computerprogramms auf der Fläche verteilt wurden: Gerhard Richters Domfenster. Seit August 2007 verwandelt es das ins südliche Querhaus einfallende Licht in betörend-vibrierende Wand- und Bodenmalereien, immer wieder neu, dem Stand der Sonne und dem Zug der Wolken folgend.

Symbiose von Tradition und Moderne

Radikal modern wirkt das Fenster, wie ein Meer aus Pixeln. Und doch ist es perfekt in das gotische Maßwerk eingepasst. Bei seinem Entwurf hat sich der Wahlkölner Gerhard Richter von einem seiner eigenen Gemälde inspirieren lassen: der Farbfeldmalerei aus dem Jahr 1974. "Ich nahm es als Schablone und war erstaunt, wie gut es aussah", beschrieb der Künstler einmal den Schaffensprozess. Für die Realisierung wählte er 72 Farbtöne aus, die schon in den Fenstern des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts vorkommen.

Bei der Tranformation in Glas ist es Richter gelungen, die Idee des gotischen Kirchenfensters für die Gegenwart neu zu formulieren. Überirdisch soll das Licht wirken, das ins Gotteshaus fällt. Den göttlichen Geist soll es sichtbar machen und dem Gläubigen bedeuten, dass ihn in der Kathedrale eine Sphäre der Spiritualität umgibt.

Gerade weil sich Richters Domfenster in seiner strengen Abstraktion überdeutlich von der Umgebung abhebt, wirkt das Farbspiel umso intensiver. Es entrückt den Besucher in eine andere Welt. Sein Flimmern macht die Transzendenz erfahrbar: als Übergang von der Mystik zur Moderne, von der Anschauung zur Imagination, vom Irdischen zum Jenseits.

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Gerhard Richter, 100 Bilder
Hrsg. von Hans-Ulrich Obrist
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Jürgen Schreiber: Ein Maler aus Deutschland.
Gerhard Richter. Das Drama einer Familie
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