La Gomera – Wandern über dem Meer

Wunderschön! 12.11.2023 01:28:07 Std. UT Verfügbar bis 12.11.2028 WDR

La Gomera – Wandern über dem Meer

Stand: 12.11.2023, 20:15 Uhr

Rote Erde, tiefblaues Meer: Wunderschön ist es auf La Gomera! Die Vulkaninsel im Atlantik besticht durch ihre raue Küste und ihre zum Teil noch unberührte Natur. Tamina Kallert durchquert den wildromantischen Archipel, um Land, Leute und ihre Traditionen kennenzulernen.

Die werden auf La Gomera sorgfältig gepflegt – zum Beispiel der Hirtensprung, eine uralte Form der Fortbewegung im Gebirge. Faszinierend ist auch eine Wanderung durch den hoch gelegenen, urzeitlichen Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay. An dessen Rand befindet sich der imposante Roque de Agando, eins der Wahrzeichen La Gomeras und früherer Kultort der Ureinwohner. Am Strand von Vueltas geht Tamina Kallert schnorcheln und füttert einen Rochen mit der Hand.

Informationen über die Region

Die Insel La Gomera ist eine der sieben Hauptinseln der Kanarischen Inselgruppe. Sie entstand vor etwa 12 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten. Ein markantes Merkmal der Insel ist die rote Erde, die ihre Landschaft dominiert. Diese rötliche Färbung ist auf einen hohen Gehalt an Eisenoxid zurückzuführen, das sich nach Vulkanausbrüchen auf der entstehenden humusreichen Erdschicht abgelagert hat. Das Eisenoxid ist auch verantwortlich für die Fruchtbarkeit des Bodens.

Rund 600 Kilometer Wanderwege gibt es auf La Gomera. Durch ein gut ausgebautes Busnetz sind die Routen bequem ohne Mietwagen zu erreichen. Wer nur für einen Badeurlaub auf die Insel kommt, sollte den Norden meiden. Der raue Wellengang des Atlantiks ermöglicht dort keine Badestelle, bietet dafür aber einen imposanten Anblick. Insgesamt ist die Insel im Norden feuchter und kühler als im Süden. Das hängt mit kühlen Meeresströmen zusammen, die hier vorbeifließen. La Gomera liegt am sogenannten Kanarenstrom, einem Ableger des Golfstroms. Der Kanarenstrom transportiert auf seinem Weg aus Nordafrika aus den Meerestiefen Nährstoffe und Mineralien hierher. Das zieht auch viele Fische an und vor allem Wale, die dort zahlreich vorbeiziehen.

Häuser im Dorf Agulo, im Hintergrund ein Berghang

Das Dorf Agulo an der Nordküste ist eher ein Ziel für Wanderer als für Badeurlauber.

Die Gomeros

Die Ureinwohner von La Gomera lebten auf der Insel jahrhundertelang isoliert. Nach der Ankunft der Spanier unter der Führung von Jean des Béthencourt im Jahr 1404 wurden diese Menschen im Laufe der Zeit assimiliert oder verdrängt, und die Insel wurde Teil des spanischen Kolonialreichs.
Die heutigen Einwohner pflegen die Traditionen der Ureinwohner: "El Silbo" ist eine Pfeifsprache, die die Ureinwohner entwickelt haben, um sich über weite Distanzen verständigen zu können. Heute wird sie wieder an den Schulen gelehrt. Mit dem Hirtensprung bewegten sich früher die Hirten mithilfe eines langen Stabes durch die unwegsame Berglandschaft. Einige Vereine auf der Insel führen die Tradition des Hirtensprungs weiter. Auch alte Handwerkstechniken werden bis heute praktiziert: Im Bergdorf El Cercado töpfern die Bewohner auf die gleiche Art wie ihre Vorfahren vor 2.000 Jahren. Dort nutzt man immer noch die lehmige, rote Erde der Insel, um Töpferwaren, vor allem Kochgeschirr, herzustellen. Seither sind es hauptsächlich Frauen, die töpfern. Um vom Töpfergeschäft leben zu können, haben die Frauen von El Cercado die Größe ihrer Töpferwaren mittlerweile auf die Handgepäcksgröße der Touristen abgestimmt. Im Archäologischen Museum in der Inselhauptstadt San Sebastián kann man auch heute noch Überreste der Keramik der Ureinwohner bestaunen.

Frau töpfert eine Schale in einer Werkstatt

Töpfern hat über 2.000 Jahre Tradition auf La Gomera.

Landwirtschaft und Wasserversorgung

Auf La Gomera gedeihen Früchte und Gemüse wegen des warmen Klimas das ganze Jahr über. 90 Prozent des vorhandenen Wassers fließen in die Landwirtschaft. Vor allem für den industriell organisierten Bananenanbau findet man auf der Insel viele Wasserspeicher. La Gomera hat den zweithöchsten Wasserverbrauch der Kanarischen Inseln. Der Großteil des Wasserbedarfs wird durch Oberflächenwasser, also Quellen und Stauseen, die das Regenwasser auffangen, abgedeckt. Doch die Wassersituation der Insel verschlechtert sich kontinuierlich, weil es immer seltener regnet. Vielen traditionellen Farmern mangelt es dadurch an Wasser für den Anbau auf ihren Terrassenfeldern.
Die Auswirkungen des fehlenden Regens werden von Biologen für das Umweltamt dokumentiert. Neben den Untersuchungen im Auftrag des kanarischen Umweltamtes beobachten die Forscher auch die Auswirkungen, die der Klimawandel auf die Landschaft und die Anbauflächen hat.

Kleiner Stausee inmitten einer Berglandschaft

Im Encantadora-Stausee wird das Regenwasser für die Wasserversorgung der Insel aufgefangen.

Lesetipps für La Gomera

Lisa Kügel
Gomera. Reiseführer mit Faltkarte
Michael Müller Verlag, 2. Aufl. 2021
ISBN 978-3966850605
Preis: 17,90 Euro

Klaus Wolfsperger, Annette Wolfsperger
La Gomera. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 73 Touren
Rother Bergverlag, 19. akt. Aufl. 2023
ISBN 978-3763346561
Preis: 16,90 Euro

Michael Will
La Gomera. Wanderführer mit Extra-Tourenkarte. 75 Touren
Kompass, 2022
ISBN 978-3991214069
Preis: 14,95 Euro

Moderation: Tamina Kallert

Redaktion: Christiane Möllers

Autorin: Antje Wunsch-Baumgarten

Internettext: Lina Engelhardt