Fall Froome sorgt für Kritik an WADA-Regeln

Roger Legeay

Fall Froome sorgt für Kritik an WADA-Regeln

  • MPCC fordert klarere Regelung für vorläufige Sperren.
  • Unterscheidung zwischen obligatorischen und optionalen Suspendierungen soll aufgehoben werden.
  • Froome startet trotz Salbutamol-Fall beim Giro.

Die Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) fordert von der Welt-Anti-Dopingagentur WADA angesichts des weiterhin ungeklärten Salbutamol-Falls des viermaligen Tour-de-France-Siegers Christopher Froome eine Änderung der Regeln. Künftig sollen Athleten bei einer auffälligen Dopingprobe grundsätzlich nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen dürfen.

"Die Öffentlichkeit versteht das nicht"

"Wir haben die WADA gebeten, die Regeln zu ändern. Und zwar so: Wenn ein Fahrer positiv getestet wird oder unnormale Werte hat, dann muss er vorerst aufhören zu fahren, bis der Vorgang endgültig geklärt ist", sagte der MPCC-Vorsitzende Roger Legeay der WDR-Sendung Sport inside. Die Öffentlichkeit verstehe nicht, dass manche Fahrer provisorisch gesperrt würden, andere aber nicht.

Froome hatte bei einer Dopingkontrolle während der Spanien-Rundfahrt 2017 den erlaubten Grenzwert für das Asthmamittel Salbutamol um das Doppelte überschritten. Dies gilt nicht als positiver Dopingtest, sondern als "atypischer Fund". Der Radprofi muss nun plausibel erklären, warum der Grenzwert überschritten wurde, obwohl er nach eigenen Angaben nicht mehr als die erlaubte Dosis inhaliert hat. Die Regeln der WADA sehen vor, dass Froome so lange weiterfahren darf, bis das Verfahren abgeschlossen ist.

Nach Medienberichten soll Froomes Team Sky gegenüber dem Welt-Radsportverband dargelegt haben, wie es zu dem erhöhten Wert gekommen sei. Diese Erklärung sei jedoch von der UCI als nicht ausreichend betrachtet worden, weshalb sie vor dem unabhängigen Anti-Doping-Tribunal des Verbandes ein Verfahren eröffnet hat. Wann dort ein Urteil gesprochen wird, ist unklar.

Obligatorische und optionale Sperren

Salbutamol gilt als spezifizierte Substanz, deren Einahme nicht per se als Dopingvergehen gilt. In diesem Fall, heißt es im WADA-Code, sei eine provisorische Suspendierung lediglich optional möglich. Anders als im Falle einer positiven A-Probe auf eine grundsätzlich verbotene Substanz. Und das auch nur, falls der zuständige Verband, in diesem Fall die UCI, das explizit in seinen Regeln festlegt.

"Eine vorläufige Suspendierung darf jedoch nur verhängt werden, wenn dem Athleten oder einer anderen Person (a) die Möglichkeit eines vorläufigen Anhörungsverfahrens entweder vor Verhängung der vorläufigen Suspendierung oder kurz nach Verhängung der vorläufigen Suspendierung gegeben wird; oder (b) ihm/ihr die Möglichkeit eines beschleunigten Anhörungsverfahrens (...) kurz nach Verhängung einer vorläufigen Suspendierung gegeben wird", heißt es dazu in Artikel 7.9.2 des WADA-Codes.

Die MPCC will diese Unterteilung zwischen obligatorischen und optionalen provisorischen Sperren streichen lassen, um das Verfahren für die Öffentlichkeit klarer zu machen. Der WADA-Code sieht allerdings vor, dass ein Athlet auch freiwillig eine vorläufige Sperre akzeptieren kann: "In allen Fällen, in denen ein Athlet über einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen benachrichtigt wurde, der nicht zu einer obligatorischen vorläufigen Suspendierung gemäß Artikel 7.9.1 führt, wird dem Athleten die Gelegenheit gegeben, eine vorläufige Suspendierung zu akzeptieren, bis die Angelegenheit geklärt ist."

Froome startet beim Giro

Froome und sein Team Sky sind darauf jedoch nicht eingegangen. Der Radprofi beteuert, sich an die Regeln gehalten zu haben und geht beim am Freitag (04.05.2018) Giro d'Italia als Favorit an den Start. Für den Radsport ist das offene Verfahren mit einem großen Imageschaden verbunden. "Aus juristischer Sicht hat er das Recht zu fahren. Aber für das Image unseres Sports könnte es eine Katastrophe sein", erklärte UCI-Präsdient David Lappartient Anfang März gegenüber der BBC. "Ich möchte unseren Sport nicht in Schwierigkeiten bringen, also denke ich, dass er sich mehr darauf konzentrieren sollte, seinen eigenen Fall zu verteidigen. Mein Standpunkt ist, es wäre besser für ihn, nicht zu fahren."

Auch der Vorstoß der MPCC zielt darauf ab, Klarheit zu schaffen und die ohnehin fragile Glaubwürdigkeit des Radsports nicht noch weiter zu gefährden. Die MPCC ist eine 2007 gegründete Vereinigung von Profiteams, die sich den Kampf für einen sauberen Radsport zum Ziel gesetzt haben. Das Team Sky gehört der Gruppe nicht an. Seit kurzem können auch einzelne Fahrer Mitglied werden. Etwas mehr als 60 Fahrer sind der Bewegung bislang beigetreten. Einziger deutscher Radprofi in der MPCC ist bislang Nico Denz, der für das französische World-Tour-Team Ag2R fährt. Vom Team Sky ist lediglich der Spanier David Lopez dabei.

most | Stand: 02.05.2018, 12:59