Eduard Geyers verdrängte Vergangenheit

Dynamo Dresden: Eduard Geyer als Trainer von Dynamo Dresden im Mai 1989

Eduard Geyers verdrängte Vergangenheit

Von Jürgen Kleinschnitger

Dynamo Dresdens Fußball-Idol Eduard Geyer ist aufgrund seiner Stasi-Tätigkeit als Ehrenspielführer zurückgetreten. Der Fall zeigt: Auch 28 Jahre nach dem Mauerfall tun sich Vereine und Verbände mit der dunklen Vergangenheit schwer.

In seiner Fußball-Karriere geht es über viele Jahre steil nach oben: 1971 holt Eduard Geyer als Verteidiger von Dynamo Dresden das Double in der DDR. Auch als Trainer ist der heute 74-Jährige erfolgreich. Mit Dynamo gewinnt er 1989 die Meisterschaft, wenig später hat er als Nationaltrainer beste Chancen auf eine WM-Teilnahme. Doch dann kommt die Wende, und Geyers Aufstieg im DDR-Fußball wird gestoppt.

Öffentlich nie entschuldigt

Stattdessen wird das Fußball-Idol als Stasi-Spitzel enttarnt. Sein Deckname: Jahn. Angeworben: 1971. Eduard Geyer bespitzele seine Mitspieler für die Stasi. Nach der Wende wird das öffentlich, zuerst im Jahre 1992. In Zeitungsinterviews nennt Geyer sein Verhalten "beschämend". Als Trainer Geyer mit Energie Cottbus in die Bundesliga aufsteigt, kommt das Thema wieder auf. Äußern will er sich dazu nicht mehr. "Ich habe mich damals, 1992, dazu schon umfassend erklärt und jetzt will ich darüber nicht noch mal debattieren", sagt Geyer.

Dynamo Dresden

Geyers Konterfei war im August noch Teil der Ehrenspielführer-Galerie

Öffentlich entschuldigt hat sich Eduard Geyer nie. Auch nicht bei den Bespitzelten. Dafür melden sich in diesem Jahr drei Stasi-Opfer: Hans-Jürgen Kreische, Klaus Sammer und Dieter Rieder - wie Geyer ebenfalls Ehrenspielführer bei Dynamo Dresden. Das Trio fordert den Klub auf, Geyer als Ehrenspielführer abzusetzen. "In diesem Ausmaß, in dem man 15 Jahre Kameraden bespitzelt, das kann man nicht verzeihen. Und da nehme ich persönlich auch keine Entschuldigung entgegen", sagt Kreische.

Im November wirft Geyer hin

Der Verein zögert mit Konsequenzen für Geyer. Im November 2018 wechselt jedoch die Vereinsspitze - mit Folgen. Eduard Geyer gibt sein Ehrenamt ab, um "Schaden vom Verein abzuwenden".

"Gerade wenn Dinge lange her sind, dann ist das Schweigen, das Nicht-Aufeinanderzugehen etwas, was die Wunden weiter vertieft. Bei denen, die sich in den 90-er Jahren gleich offenbart haben, vielleicht um Vergebung gebeten haben, da waren die Chancen größer", sagt Roland Jahn, Bundesbeauftragter Stasi-Unterlagen.

Studie des DFB nie veröffentlicht

Die Frage bleibt, was mit den anderen mindestens 17 Stasi-Spitzeln im Verein passiert. Beispielsweise Ulf Kirsten, auch er inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Oder Hartmut Schade, auch IM und ebenfalls Ehrenspielführer. "Es ist wahnsinnig schwer für uns als Verein, zu einer wirklich seriösen und auch vertrauensvollen Beurteilung zu kommen. Das kann auch eigentlich nicht Aufgabe des Vereins sein", sagt Holger Scholze.

Ist die Aufarbeitung des Ostdeutschen Fußballs im SED-Regime nicht Aufgabe des DFB? Der Verband hatte eine wissenschaftliche Studie 2014 in Auftrag gegeben für 300.00 Euro. Seit 2016 ist sie fertig, sie wurde jedoch nie veröffentlicht.

Bearbeitung: Jens Mickler | Stand: 04.12.2018, 11:00

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