Buchtipp: "Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte"

Buchtipps mit Christine Westermann - das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte Frau tv 04.10.2018 02:40 Min. Verfügbar bis 04.10.2019 WDR

Buchtipps vom 04.10.2018

Buchtipp: "Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte"

Von Christine Westermann

Titel: Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte
Autor: Rachel Khong
Verlag: Kiwi Verlag
ISBN-10: 3-462-04972-0
ISBN-13: 978-3-462-04972-5

Die Autorin

Die Autorin lebt in San Francisco und ist Journalistin. Der Roman ist ihr Debüt.

Die Handlung

Die Handlung: als Dad das Stück Fleisch auf’s Bügelbrett legt, weil er nicht mehr so genau weiß, was er mit einem Steak anfangen soll, nimmt Ruth ihren Vater an die Hand, trägt das Steak zurück in die Küche, brät es in einer Pfanne und lässt es sich gemeinsam mit ihrem Vater schmecken. Ruth ist 30 Jahre alt, auf Bitten ihrer Mutter für ein Jahr in ihr Elternhaus zurückgekehrt, um ihr im Alltag mit dem demenzkranken Vater zu helfen. Der Vater ist ein angesehener Geschichtsprofessor, aber seine Uni in der kalifornischen Stadt hat ihn gebeten, nicht mehr zu unterrichten, zu viel geht schief, der Professor vergisst Termine, Namen, Uhrzeiten. Er vergisst auch zeitweise, dass er eine Affäre hat, was die Sache noch ein bisschen schwieriger macht. Ruth zieht wieder zu Hause ein, ist nicht mehr Tochter, sondern viel eher ein Elternteil, das dem Vater erklärt, wie das mit dem Leben und den Steaks und den Bügelbrettern funktioniert. Wie das Leben ohne Partner funktioniert, das muss auch Ruth erst wieder lernen. Ihr Freund hat sie für eine andere Frau verlassen.

Die Bewertung

Schräger Titel, ein bisschen gewollt dachte ich, ein bisschen krampfig. Soll bloß keiner denken, Alzheimer sei nur eine ernste Angelegenheit. Der Ton im Buch ist ein ganz anderer. Einer, der sehr fein, sehr sachte diese Krankheit und ihre Folgen auf das Zusammenleben in einer Familie beschreibt. Und dabei kein einziges Mal, und das ist eine große Kunst, tränendrüsig oder sentimental wird. Im Gegenteil: die Geschichte über eine Familie, die sich mit verkehrten Rollen wieder zusammen findet und ein Jahr miteinander lebt, ist voller Humor, der ausgesprochen leise daherkommt. Beinahe beiläufig werden die großen und kleinen Katastrophen geschildert, die passieren mit einem, der vergessen hat, dass er seine Frau betrügt und wozu ein Steak eigentlich da ist. Parallel läuft eine Trennungsgeschichte. Und auch da wird Herzschmerz nicht dick aufgetragen, sondern klug beschrieben, warum die Beteiligten schon viel früher hätten merken können, dass da nichts mehr zu retten war. Ein Roman, der niemals erdenschwer daherkommt, der einen feinen Abdruck im Gedächtnis hinterlässt. Ein Buch, an den man sich noch eine Weile gern erinnern wird.

Stand: 04.10.2018, 23:56

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