Chemotherapie bei Brustkrebs - ja oder nein?

Mammographie

Chemotherapie bei Brustkrebs - ja oder nein?

Tausende von Brustkrebspatientinnen brauchen möglicherweise keine Chemotherapie nach der Operation. Biomarker-Tests können dabei helfen, die Gene und Proteine des Krebstumors zu analysieren und damit das Rückfallrisiko zu bestimmen.

Obwohl ihr drei Ärzte nach der Brustkrebs-Operation zur Chemotherapie raten, sucht Heike Wright nach Alternativen. Im Düsseldorfer Luisenkrankenhaus erklären Ärzte ihr zum ersten Mal, dass eine Chemotherapie nicht bei jedem Patienten sinnvoll ist. Und dass es längst Möglichkeiten gibt, den Nutzen einer Chemotherapie vorher zu erfahren: mit Biomarker-Tests wie zum Beispiel Oncotype DX, MammaPrint oder EndoPredict.

"Eine Chemotherapie ist ein Gießkannentherapieverfahren: Wenn die Patienten Glück haben, profitieren sie davon", erklärt Trudi Schaper, Biologin am Düsseldorfer Luisenkrankenhaus. "Wir haben bei vielen Patienten eine Chemotherapie gegeben, obwohl wir wussten, dass sie nur einigen nutzt. Das ist jetzt anders: Die Therapieentscheidung ist wesentlich individualisierter - aufgrund der Analyse meines spezifischen Tumors."

Ärzte ersparen Patientinnen die Chemotherapie

Möglich machen das Biomarker-Tests, die die Gene oder Proteine der Krebszellen analysieren. Sie ermitteln einen Risikowert für Rezidive, also Tumoren, die wiederkehren. Die Experten im Luisenkrankenhaus in Düsseldorf setzen auf den Test Oncotype DX. Er unterteilt die Patientinnen in drei Gruppen: mit hohem, mittleren oder niedrigem Rückfallrisiko.

"Viele Studiendaten belegen inzwischen, dass die Patientinnen aus der Gruppe mit dem niedrigen Rückfallrisiko in der Vergangenheit keinen Nutzen von einer Chemotherapie hatten", erklärt Schaper.

"Mit dem Testverfahren konnten wir 20 Prozent der Patientinnen eine Chemotherapie ersparen", sagt der Gynäkologe Dr. Mahdi Rezai. "Denn bei 99 Prozent der Low-Risk-Patientinnen ist kein weiterer Tumor aufgetreten." Ein Fortschritt, denn Chemotherapien sind für die Frauen kräftezehrend - und können Nebenwirkungen haben wie Haarausfall, das Erschöpfungssyndrom Fatigue, Depressionen, Nervenstörungen oder Schäden an Niere oder Herz.

Gesetzliche Krankenkassen bezahlen den Test leider selten

Der Test Oncotype DX wird nicht nur im Luisenkrankenhaus, sondern in vielen Krankenhäusern eingesetzt. Die privaten Krankenkassen bezahlen ihn in der Regel, die gesetzlichen jedoch nur im Einzelfall. Damit steht Deutschland recht allein da: In vielen europäischen Nachbarländern wird der Test erstattet, in den USA gehört er zum Standard. Das Problem darüber hinaus: Längst nicht alle Frauen erfahren von ihm.

Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig) hat sich mit den Biomarker-Tests beschäftigt. Einen klaren Nutzen für den Biomarker-Test der Sorte MammaPrint sieht es derzeit nicht. Die Testverfahren Oncotype DX und EndoPredict untersuchte das Iqwig gar nicht erst, weil nicht genügend Studien vorlägen.

Mediziner: Oncotype DX ist anerkannt

Mammografie-Röntgenbild

Nebenwirkungen der Chemotherapie kosten Lebensqualität

Die Brustkrebsexperten des Düsseldorfer Luisenkrankenhauses teilen die Auffassung des Iqwig nicht. Sie würden gern noch öfter mit Oncotype DX arbeiten. Die Kosten von rund 3.000 Euro kann aber nicht jede Patientin selbst tragen.

Heike Wright ist jedenfalls froh, dass sie ihrem Bauchgefühl gefolgt ist. Eine Chemotherapie wäre bei ihr unnötig gewesen - und hätte sie viel Kraft gekostet.

Stand: 18.03.2017, 16:30