Warum Mammografie nicht immer reicht

FAQ zur Brustkrebsvorsorge

Warum Mammografie nicht immer reicht

Brustkrebs: je früher erkannt, desto besser die Heilungschancen. Die Mammografie ist für Frauen mit dichtem Brustgewebe aber eher ungeeignet. Darüber informiert werden die Betroffenen nicht. Das kann fatale Folgen haben.

2,7 Millionen Frauen nehmen jährlich am Mammografie-Screening teil. "Rund die Hälfte der Frauen gehört zu der Gruppe mit mitteldichtem bis dichtem Drüsengewebe", sagt Professor Dr. Christiane Kuhl, Direktorin der Radiologie an der Uniklinik Aachen. Zum einen haben Frauen mit einem dichten Drüsengewebe ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Zum anderen aber ist die Mammografie gerade für Frauen mit hoherer Brustdichte sehr schlecht bis gar nicht geeignet, um einen möglicherweise bösartigen Tumor frühzeitig zu erkennen oder auszuschließen. Kuhl kritisiert: "Den Frauen diese Problematik nicht mitzuteilen, nimmt ihnen die Möglichkeit, sich nach angemessenen alternativen Früherkennungsmethoden umzusehen."

Warum ist es wichtig zu wissen, wie dicht das Brustgewebe ist?

In einer Stellungnahme schreibt der Präsident der deutschen Röntgengesellschaft: "Die Brustdichte beeinflußt die Erkennungsmöglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit der Brustkrebsentstehung."

Die Brustdichte gilt inzwischen als eigenständiger Risikofaktor für eine Brustkrebserkrankung. Die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, ist bei einer hohen Brustdichte bis zu fünfmal höher als bei lockerem Gewebe. Und: Ist das Drüsengewebe sehr dicht, sieht es im Röntgenbild genauso weiß aus wie ein möglicher Tumor.

Wie gehen andere Länder mit der Dichte-Problematik um?

In den USA beispielsweise "haben sie vor vier Jahren bereits ein Gesetz verabschiedet, was es den mammografierenden Einrichtungen zur Pflicht macht, die Brustdichte der Frau und dem behandelnden Arzt mitzuteilen", sagt Professor Dr. Markus Müller-Schimpfle, Vorsitzender der AG Mammadiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft. Erreicht hat das eine Amerikanerin, selbst Krebspatientin. Sie boxte das Gesetz mit ihrer Initiative durch.

Der Risiko-Kalkulator, den das amerikanische Gesundheitsministerium herausgegeben hat, verdeutlicht die enorme Bedeutung der Brustdichte für das individuelle Brustkrebsrisiko. Und auch in Österreich werden Frauen aufgeklärt.

Wie lässt sich die Brustgewebsdichte feststellen und was, wenn man dichtes Brustgewebe hat?

Die einzige Methode festzustellen, wie dicht das Brustdrüsengewebe ist, ist die Mammografie. Die Bilder, die sie liefert, zeigen den Brustaufbau aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Die Brustdichte wird über das Verhältnis von dichtem Gewebe zum übrigen Gewebe gemessen. Extrem dichte Brüste sind zwar selten, doch erschweren schon mittlere Werte das sichere Erkennen eines Tumors.

Betroffenen Frauen empfehlen Experten eine ergänzende Untersuchung mit Ultraschall. Das MRT ist eine weitere, sehr sichere Methode, Gewissheit bei einem konkreten Verdacht zu bekommen.

Wie findet man einen Arzt, der einen aussagekräftigen Ultraschall macht?

Ultraschall ist nicht gleich Ultraschall. Einen zertifizierten Spezialisten findet man zum Beispiel über die Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. Die von der DEGUM zertifizierten Ärzte müssen bestimmten Qualitätsansprüchen genügen, zum Beispiel auch über geeignete Ultraschallgeräte verfügen.

Stand: 25.11.2015, 17:25