Politischer Gottesdienst gedenkt der Toten im Mittelmeer

rotes Transparent mit Schrift in der Reinoldikirche

Politischer Gottesdienst gedenkt der Toten im Mittelmeer

Von Kristin Trüb

  • Transparente mit Namen von Ertrunkenen
  • Seenotretter berichten über Einsätze
  • Kooperation mit Sea-Watch

Mit einem bewegenden Nachtgebet begann die Aktion "Jeder Mensch hat einen Namen" am Donnerstagabend (20.6.2019) während des politischen Gottesdienstes in Dortmund.

Seenotretter erzählt von seinen Erfahrungen

Zum Gottesdienst eingeladen war Martin Kolek. Er war mehrfach im Mittelmeer als Seenotretter im Einsatz. Eindrücklich erzählte er von seinen Erfahrungen. Neben der Rettung von Flüchtlingen sei es dabei auch oft um die Bergung von Leichen gegangen. Um sie vor dem Sinken zu bewahren, habe das Team Rettungswesten an den Toten befestigt.

Mit seiner Erzählung Kolek das Publikum. Einige kämpften mit den Tränen. Seine Botschaft an die Menschen ist: "Seid für einander da".

Kunstaktion für die namenlosen Toten

In der Reinoldikirche konnten die Kirchentagsbesucher die Namen von im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen auf riesige Transparente schreiben. Für jeden Toten gibt es eine Karte mit wenigen Angaben, manchmal auch ohne jegliche Information über den Menschen.

Initiatoren der Kunstaktion sind die Seebrücke Dortmund, Sea-Watch und das Schauspiel Dortmund. Sie wollen auf die oft namenlosen Schicksale aufmerksam machen. Mehr als 30.000 Menschen sind von 2014 bis 2018 im Mittelmeer gestorben.

Bis Samstag (22.06.2019) befinden sich die vier Transparente vor der Oper. Am Samstagnachmittag werden sie zurück zur Reinoldikirche getragen und dort aufgehängt. Bis dahin hat jeder die Möglichkeit, selbst Namen von Ertrunkenen, den Zeitpunkt oder die vermutliche Herkunft draufzuschreiben.

Kirchentag: Gedenken der Ertrunkenen im Mittelmeer

Die Mitmach-Aktion "Jeder Mensch hat einen Namen" soll an jene erinnern, die auf der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Zwischen 2014 bis 2018 waren es 30.000 Tote.

graues Schlauchboot liegt auf dem Platz vor dem Opernhaus

Mit diesem Schlauchboot haben Flüchtlinge versucht, das Mittelmeer zu überqueren.

Mit diesem Schlauchboot haben Flüchtlinge versucht, das Mittelmeer zu überqueren.

Es waren 13 Menschen.

Kirchentagsbesucher schreiben Namen oder andere Informationen über Ertrunkene auf ein großes, orangenes Transparent, ...

...das auf dem Vorplatz des Opernhauses ausgerollt liegt.

Dieser Kirchentagsbesucher überträgt Infos über gekenterte Boote und Ertrunkene auf das große Transparent,...

...die das Team der Sea-Watch, dem deutschen Seenotrettungsschiff im Mittelmeer, gesammelt hat.

Viele Besucher nehmen sich Zeit, um die trockenen Daten über die Toten zu verdauen - und schreiben dann erst los.

Wenn das Transparent fertig beschrieben ist, wird es eine Woche lang an der Reinoldikirche in der Dortmunder Innenstadt hängen.

Stand: 21.06.2019, 14:01

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