"Außer Fotos bleibt mir nichts mehr"

Franz-Josef Heumannskämper

Schadenersatzklage abgewiesen

"Außer Fotos bleibt mir nichts mehr"

Beim Einsturz des Stadtarchivs ging auch der Nachlass des Baritons William Pearson verloren. Am Dienstag (16.03.2010) wurde die Schadenersatzklage seines Lebensgefährten Franz-Josef Heumannskämper gegen die Stadt abgewiesen. WDR.de hat mit Heumannskämper gesprochen.

WDR.de: Wie geht es Ihnen nach dem Urteil?

Franz-Josef Heumannskämper: Ich bin nicht nur enttäuscht. Das ist eine Unverschämtheit. Die Stadt war mir nachgelaufen, um den Nachlass zu bekommen. Da war der Sargdeckel meines Lebensgefährten noch nicht einmal zu. Nach dem Vertrag mit der Stadt sollte ich jederzeit Zugang zu allen Unterlagen haben. Das ist nun ja nicht mehr möglich. Der Vertrag, den ich mit der Stadt abgeschlossen habe, ist nichts mehr wert. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

WDR.de: Der Nachlass gilt seit dem Einsturz als verschollen. Was gehörte dazu?

Heumannskämper: 47 Kartons habe ich der Stadt übergeben. Darin befand sich das gesamte Material eines Menschen, eines großen Künstlers. Kritiken, Original-Partituren und Briefwechsel mit bedeutenden Komponisten wie Hans Werner Henze oder Mauricio Kagel. Auch Fotos, Tonbänder und Schallplatten waren dabei. Mir selbst bleibt jetzt außer ein paar Fotos nichts mehr. Und ich wollte ja auch noch eine Ausstellung in den USA machen und einen Dokumentarfilm drehen.

WDR.de: Warum haben Sie den Nachlass damals ins Archiv gegeben?

Heumannskämper: Man hat es mir damit schmackhaft gemacht, dass der Nachlass dann für Forschung und Wissenschaft zur Verfügung steht. Dort seien die Sachen sicher und die Temperatur für die empfindlichen Papiere würde auch stimmen. Davon kann jetzt ja keine Rede mehr sein.

WDR.de: Können Sie das Urteil nachvollziehen?

Heumannskämper: Nein, das kann ich überhaupt nicht verstehen. Die Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia hat doch quasi ein Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde Euro geführt. Mit so etwas muss man doch ganz anders umgehen. Es gab doch Gutachten zur Standsicherheit des Gebäudes, bei denen geraten wurde, noch einen weiteren Gutachter einzuschalten. Und das haben die nicht gemacht und setzen diese Werte einfach in den Sand. Wenn Ihnen ein Arzt sagt: "Sie haben Krebs, Genaueres kann ich Ihnen auch nicht sagen." Dann würden Sie doch auch zu einem Spezialisten gehen. Das ist doch ganz klar. Es ist ungeheuerlich.

WDR.de: Warum war es Ihnen wichtig, gegen die Stadt zu klagen?

Heumannskämper: Mir geht es einerseits um Schadensersatz. Mir ist persönlicher und wirtschaftlicher Schaden entstanden. Und ich will, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Es sind zwei Tote zu beklagen und es hätten auch mehr werden können. Eine Woche vor dem Einsturz ist schließlich an der Einsturzstelle noch der Rosenmontagszug vorbei gezogen. Das geht doch einfach nicht. Wenn Sturm ist, dann gehe ich auch immer auf die Terasse und sehe zu, dass von dort keinem auf der Straße etwas auf den Kopf fällt. Das ist doch das Mindeste. Aber das sehe ich hier überhaupt nicht gegeben.

WDR.de: Welche Pläne haben Sie nun?

Heumannskämper: Ich werde weitermachen. Denn ich möchte den Nachlass meines Lebensgefährten weiterentwickeln und pflegen. Deswegen wollte ich ja die Ausstellung und den Film machen. Ihm und seiner Persönlichkeit entsprechend zu huldigen, kann ich nun nicht. Deswegen werde ich nicht klein beigeben. Notfalls gehe ich bis zum Europäischen Gerichtshof.

Das Interview führte Lars Hering.

Stand: 16.03.2010, 15:00

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