Solingen gedenkt des Mordanschlags vor 25 Jahren

Stand: 29.05.2018, 15:42 Uhr

  • Preis für Zivilcourage verliehen
  • 300 Teilnehmer bei zentraler Gedenkfeier
  • Sternmarsch von Schülern in Solingen
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21:34 Uhr am Abend des 29. Mai 2018: Mit einem Gebet des Imams beginnt das Fastbrechen an diesem Abend im Ramadan. Der Ort ist ungewöhnlich: Die evangelische Stadtkirche in Solingen. So endete das Gedenken an den Mordanschlag vor 25 Jahren. Ein anstrengender Tag mit vielen schmerzvollen Erinnerungen für die Hinterbliebenen der Familie Genç. Beim Fastenbrechen sind sie ebenso dabei, wie bei vielen anderen Gedenkfeiern im Laufe des Tages.

Preis für Zivilcourage verliehen

Zuvor fand als Abschluss des öffentlichen Gedenkens an den Mordanschlag vor 25 Jahren die Verleihung des Solinger Preises für Zivilcourage "Silberner Schuh" statt. Ausgezeichnet wurde ein Solinger Arzt, der unter anderem seit vielen Jahren Menschen betreut, die keine ausreichende medizinische Versorgung haben. Seit 2004 wird der Preis in Erinnerung an den Anschlag verliehen.

Unwetter bei zentraler Gedenkfeier

Wegen eines aufziehenden Unwetters musste am Nachmittag eine zentrale Gedenkveranstaltung zum Mordanschlag vorzeitig abgebrochen werden. Für die rund 300 Teilnehmer wurden Busse bereitgestellt, um Schutz vor Gewitter und Regen zu finden. Am Dienstagnachmittag (29.05.2018) hatten Außenminister Heiko Maas (SPD) und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Çavuşoğlu an dem Mahnmal der Toten gedacht. Ihre geplanten Reden konnten die Minister nicht halten.

In seiner Rede hob Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hervor, Mevlüde Genç habe mit ihrem Zeichen gegen Hass der Stadt den Weg in die Zukunft gebahnt. Seit der Tat setzt sich die Stadt für ein friedliches Zusammenleben aller dort lebenden Menschen ein. Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) erklärte in einer Rede, die kulturelle Stärke einer Gesellschaft zeige sich daran, wie sie mit Minderheiten umgehe.

Schüler erinnern mit einem Sternmarsch

Das Gedenken an den Mordanschlag vor 25 Jahren hatte in Solingen mit einem Sternmarsch und einer Kundgebung von rund 400 Schülerinnen und Schülern begonnen. Sie waren durch die Stadt gezogen, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Lautstark warnten sie vor Fremdenhass. An der Aktion nahmen weniger Menschen teil, als im Vorfeld angenommen worden war.

Totengebet am Tatort von damals

Am Abend hatten Mitglieder der Familie Genç in der Unteren Wernerstraße der Toten gedacht. Die Ditib-Gemeinde hatte zu der stillen Trauerfeier eingeladen. Ein Imam las dort ein Totengebet, wo bis zum Tag des Mordanschlags vor 25 Jahren das Haus der Familie stand. An der Andacht nahm auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth (Grüne), teil.

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4 Kommentare

  • 4 Herta 30.05.2018, 21:15 Uhr

    Wird ein solches "Szenario" den ermordeten Opfern wirklich gerecht, muss man sich fragen? Hätten sie ein solches gewollt oder ehereine ruhigere Herangehensweise?

  • 3 G. Schmidt 30.05.2018, 20:45 Uhr

    Hallo A. S. ich verstehe sie nicht! Ich war damals wenige Tage nach dem Brandanschlag in Solingen bei der Demo dabei und habe gelebte Anteilnahme und Solidarität bei Tausenden Teilnehmer*innen erlebt. Ein ganzes Land hat damals unter Schock gestanden. Ja, es müssten viel mehr solcher Gedenkfeiern und Aktivitäten geben, damit deutlich wird das wir uns eine andere Gesellschaft des miteinander wünschen. Solange es solche Aktionen gibt, habe ich noch Hoffnung und Glauben, das die Menschheit sich nicht voller Hass selbst vernichtet! Ich danke allen Menschen die sich hier aktiv beteiligen!

  • 2 A. S. 29.05.2018, 22:11 Uhr

    Gedenkfeiern müsste es dann für alle Brandanschläge, Verbrechen, Selbstmordattentäter und sonstiges geben. Die Solinger sind ja nicht schuld, das ist eine unmögliche Veranstaltung, bei der überwiegend Muslime teilnehmen und das Fasten brechen. Wie heuchlerisch!!

  • 1 Dunja Roloff 29.05.2018, 17:43 Uhr

    Es tut mir sehr leid,ich bin sehr traurig.