Was bleibt von Opel in Bochum?

Lange Reihe von Autos in Fabrik mit Mitarbeiter

Opel-Chef Demant tritt zurück

Was bleibt von Opel in Bochum?

Opel-Chef Hans Demant ist am Freitag (15.01.2010) zurückgetreten, Nachfolger wird Nick Reilly, Europachef von General Motors. Reilly gilt als knallharter Sanierer. Was bedeutet das für das Werk in Bochum?

Experten hatten bereits seit einigen Tagen damit gerechnet, dass Demant als Geschäftsführer der Adam Opel GmbH zurücktreten würde. Seine Ankündigung, den Posten aufzugeben, kam am Freitag (15.01.2010) also nicht überraschend. Damit macht er den Weg für Nick Reilly frei, der schon vor einigen Tagen angekündigt hatte, die Zahl der Beschäftigten in Europa um bis zu 9.000 senken zu wollen. Die meisten sollen in Deutschland wegfallen.

Betriebsrat hat keine Bedenken

Rainer Einenkel, der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werks, erklärte am Freitag (15.01.2010), er habe "nicht von vornherein Bedenken" wegen des neuen Mannes an der Opel-Spitze. Dass Reilly künftig sowohl GM-Europe- wie auch Opel-Chef sei, mache durchaus Sinn, weil 80 Prozent des Geschäfts von GM Europe durch Opel realisiert werden, so Einenkel. Betriebsbedingte Kündigungen müssten jedoch weiterhin ausgeschlossen bleiben, forderte der Betriebsratsvorsitzende weiter.

Ein Konzept für Opel liegt noch nicht vor

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, hält es unterdessen für "unerlässlich, dass Opel angesichts der Überkapazitäten von 30 Prozent Einschnitte vornimmt". Er betonte aber auch, dass es nicht damit getan sei, Kosten zu kürzen und Mitarbeiter zu entlassen. Die Entscheidung, die Produktion des Minivan Zafira vom Werk Gleiwitz ganz nach Bochum zu verlegen, sei ein erster Schritt, den Standort Bochum zu sichern. "Aber Reilly muss auch am Produktportfolio arbeiten, daran wird er gemessen werden." Ein entsprechendes Konzept müsse bald auf den Tisch, dann könnten die verbleibenden Arbeitsplätze gesichert, in drei Jahren vielleicht sogar neue geschaffen werden. "Wenn das aber nicht kommt, dann müssen noch mehr Stellen abgebaut werden. Und irgendwann macht es keinen Sinn mehr, einen Standort zu erhalten."

Weiter Kurzarbeit in Bochum

Am Freitag (15.01.2010) wurde auch bekannt, dass Opel weiterhin die Produktion in den deutschen Werken drosseln wird. Davon ist das Werk in Bochum am stärksten betroffen: Nach Angaben eines Unternehmenssprechers waren dort zunächst die Weihnachtsferien verlängert worden, jetzt sollen die Mitarbeiter an zwei Tagen gar nicht arbeiten, an drei Tagen fällt eine von drei Schichten aus. "Wir fahren auf Sicht", so der Sprecher. Es habe keinen Sinn, Halden aufzubauen: "Da würde mit Autos Kapital gebunden, für die es keine Käufer gibt." In Bochum wird neben dem Zafira auch der Astra produziert.

Stand: 15.01.2010, 18:22