Bei Opel beginnt der Arbeitsplatzabbau

Arbeiter am Fließband bauen Motoren

Transfergesellschaft für Opel-Mitarbeiter

Bei Opel beginnt der Arbeitsplatzabbau

Von Rainer Kuka

Die Bochumer Opelarbeiter werden seit Montag (16.08.2010) über das Abfindungsprogramm informiert. Bereits im September sollen die ersten 100 Mitarbeiter gehen. Bis Ende 2011 muss fast jeder dritte Beschäftigte seinen Arbeitsplatz räumen.

Viele Opel-Arbeiter und -Angestellte winken mürrisch ab, wenn sie auf ihren Arbeitgeber angesprochen werden. Doch so groß der Ärger wegen vieler Kürzungen und Einbußen im Lohn- und Sozialbereich in den vergangenen Jahren auch gewesen sein mag: Der Job bei Opel in Bochum ist trotz vieler anderer Prognosen erst einmal relativ sicher. Zumindest im Vergleich zu den vergangenen Jahren als mehrfach die komplette Schließung von Opel Bochum drohte.

Die Erinnerung an das letzte Abfindungs- und Qualifizierungsprogramm von 2005 bis 2007 ist in der Belegschaft noch frisch. Zwar gab es zum Teil hohe Abfindungen von bis zu 200.000 Euro pro Mitarbeiter, doch es gibt nur wenige Erkenntnisse darüber, wer abseits von Opel wirklich sein neues berufliches Glück gefunden hat. Man spricht von knapp 30 Prozent der damals insgesamt rund 3.000 Mitarbeiter. "Die Vermittlungsquote in neue Jobs hätte höher sein können", gibt auch Betriebsratschef Rainer Einenkel zu.

RAG-Netzwerker sollen Kontakte knüpfen

Für dieses Mal haben sich Opel und die Bochumer Agentur für Arbeit einen anderen Partner gesucht: die neu gegründete RAG Bildungs-Transfer GmbH. Dort sind Mitarbeiter mit dem dem Thema betraut, die zuvor jahrelang Bergarbeiter in neue Arbeitsplätze vermittelt haben. "Diese Erfahrung und unsere Netzwerke, die bringen wir hier ein", sagt deren Geschäftsführer Hermann Oecking. Konkret heißt das: Er will mit den Handwerksbetrieben im Ruhrgebiet kooperieren. Dort sollen Opelmitarbeiter Praktika zwischen drei und sechs Monaten Dauer absolvieren können, die den Betrieb nur wenig kosten. "Wenn es passt, dann wird daraus ein fester Vertrag. Wenn noch einige Qualifikationen fehlen sollten, dann können wir gezielt schulen", sagt Oecking. Zudem verweist Oecking auf die Netzwerker der RAG Transfergesellschaft: Sie seien erprobte Vermittler mit guten Kontakten quer durch die mittelständische Wirtschaft des Reviers.

Abfindungen fallen deutlich niedriger aus

Das Abfindungsprogramm war im Frühjahr 2010 zwischen dem Opel-Betriebsrat und dem Management ausgehandelt worden. Im Durchschnitt können abwanderungswillige Mitarbeiter etwa 90.000 Euro Abfindung erwarten. Je nach Steuerklasse reduziert sich diese Summe erheblich. Innerhalb eines Jahres in der Transfergesellschaft müssen einen neuen Job gefunden haben. Danach droht die Arbeitslosigkeit. "Wer schnell einen neuen Job hat", sagt der Geschäftführer der Bochumer Agentur für Arbeit, Udo Glantschnig, "bekommt eine Turboprämie". Die Formel ist einfach: Jeder Monat, den ein ehemaliger Mitarbeiter weniger in der Transfergesellschaft bleibt, wird mit 1.000 Euro zusätzlich belohnt. Ein Angebot vor allem für die jungen Facharbeiter, die wenig Abfindung bekommen, aber schon einen neuen Job in Aussicht haben. Doch das haben vermutlich die Wenigsten.

Frühe Erfolge sollen Vertrauen schaffen

Gemeinhin wird anfangs mit einem schleppenden Zulauf in die Transfergesellschaft gerechnet. Wird die Zahl von 1.800 Aufhebungsverträgen nicht erreicht, drohen spätestens Ende 2011 Kündigungen. Das muss vor allem der Betriebsrat vermeiden, der dem Unternehmen noch immer Wege aufzeigen will, wie ein so großer Personalabbau doch noch verhindert werden kann. Die Belegschaft wird aber vor allem auf die Arbeit der RAG Transfergesellschaft achten. Frühe Erfolge sollen Vertrauen schaffen in ein Berufsleben nach Opel. Und das setzt für die Mitarbeiter nach Lage der Dinge ein gewisses Maß an Risikobereitschaft voraus.

Stand: 16.08.2010, 09:42