Karl-Josef Laumann

Laumann ist neuer Fraktionschef

CDU vertagt den Umbruch

Stand: 15.05.2012, 15:38 Uhr

Der große Umbruch bei der NRW-CDU ist vertagt. Wer die Partei künftig führen wird, soll erst im Juni entschieden werden. Fraktionschef bleibt bis dahin Karl-Josef Laumann. Röttgens letzter Auftritt im Landtag endete derweil mit einer Flucht durch die Hintertür.

Von Rainer Kellers

Es ist eine Entscheidung auf Zeit. Die neue Landtagsfraktion der CDU hat am Dienstag (15.05.2012) den bisherigen Amtsinhaber Karl-Josef Laumann einstimmig zum Fraktionschef gewählt. Er soll jedoch vorerst nur bis zu einem Parteitag Ende Juni im Amt bleiben. Dann wählt die CDU ihren neuen Vorsitzenden. Wer das ist, steht noch nicht fest. Diese Entscheidung hatte der Parteivorstand am Montagabend (14.05.2012) nach mehr als dreistündiger Debatte vertagt. Als wahrscheinlich gilt, dass der neue Parteichef - wer auch immer es sein wird - auch den Fraktionsvorsitz übernehmen wird. Das sei "ein Modell, für das vieles spricht", sagte Laumann am Dienstag nach der Fraktionssitzung.

Die CDU will erst in Ruhe nachdenken

Laumann wie auch seinem innerparteilichen Konkurrenten Armin Laschet werden Interesse am Amt des Parteichefs nachgesagt. Zugeben wollten sie es am Dienstag zwar nicht, sie haben es aber auch nicht ausgeschlossen. "Die CDU will sich nun die Zeit nehmen nachzudenken und wird keinen Schnellschuss produzieren", sagte Laschet. Er selbst ist am Dienstag zum ersten Vertreter Laumanns und zum parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion gewählt worden. Vor zwei Jahren schon wollte Laschet Parteichef werden, unterlag bei einer Mitgliederbefragung aber Norbert Röttgen. Ob es dieses Mal auch wieder eine Urabstimmung geben wird, steht noch nicht fest.

Röttgen flieht durch den Hinterausgang

Notausgangstür

Röttgen verließ den Landtag durch die Notausgangstür

Vor der Wahl des Fraktionsvorsitzenden hatten die alten und neuen Landtagsabgeordneten der CDU anderthalb Stunden über den Ausgang der Wahl debattiert. Teilnehmer berichteten, Norbert Röttgen habe eingangs in einer kurzen Rede bei den Abgeordneten um Entschuldigung für das schlechte Wahlergebnis gebeten. Er habe zugegeben, dass es ein Fehler war, sich nicht eindeutig für einen Verbleib in Düsseldorf zu bekennen. Die Aussprache sei danach "konstruktiv" und "in die Zukunft gerichtet" gewesen, sagte Laumann. Vor die Presse wollte Röttgen nach seiner Rede allerdings nicht treten. Während sich Laumann und Laschet den Reportern und Kamerateams stellten, enteilte Röttgen durch einen Hinterausgang.

Laumann und Laschet weisen Kritik aus Bayern zurück

So blieb es seinen beiden potenziellen Nachfolgern überlassen, die massiven Vorwürfe des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zurückzuweisen. "In Bayern sollten sie zur Kenntnis nehmen, dass wir in NRW in der Lage sind, unsere Probleme selbst zu lösen", sagte Laumann. Laschet sagte, Röttgen sei ein guter Bundesumweltminister. Es gebe keinen Grund, das in Frage zu stellen. "Wir brauchen keine Ratschläge aus Bayern."

Seehofer hatte im Interview mit dem "Heute-Journal" gesagt, er habe Röttgen eindringlich zu einer Entscheidung gedrängt, auch nach einer Wahlniederlage in Düsseldorf zu bleiben. Ansonsten werde es die CDU hart treffen. Seehofer deutete an, dass er auch mit Röttgens Arbeit als Umweltminister nicht zufrieden sei und dass man nach der verlorenen Wahl nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne. Obwohl die Äußerungen Teil eines informellen Nachgesprächs waren, stimmte Seehofer der Ausstrahlung zu.